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25/12/2016 07:49 CET | Aktualisiert 26/12/2017 06:12 CET

Tierschützer und Tierrechtler - ein wichtiger Unterschied

moodboard via Getty Images

Die Debatte um das Gänse-Posting von animal peace hat mal wieder zu Tage gebracht, dass sowohl Medien, als auch deren Rezipienten den Unterschied zwischen Tierschützern und Tierrechtlern nicht kennen. Und das ist ein großes Problem - besonders für echte Arten-, Natur- und Tierschützer.

Klare Abgrenzung

Ein Tierschützer betätigt sich, laut Duden, im Tierschutz. Tierschutz bezeichnet der Duden als die „Gesamtheit der gesetzlichen Maßnahmen zum Schutz von Tieren vor Quälerei, Aussetzung, Tötung ohne einsichtigen Grund o. Ä.". Das ist wichtig, um den Unterschied zu erkennen: Tierschutz orientiert sich an Recht und Gesetz - und zwar auf mehreren Ebenen. Er orientiert sich an Recht und Gesetz um zu bestimmen, gegen was er vorgeht und er orientiert sich an Recht und Gesetz wie er vorgeht. Der Tierschützer orientiert sich natürlich auch an Recht und Gesetz, wenn es da etwas zu ändern gibt. Den Änderungswunsch rekrutiert er aus der Wissenschaft und sucht dann auch die sachliche und faktenbasierte Diskussion.

Tierrecht basiert auf einer selbst entwickelten Ideologie an der alles andere gemessen wird - hier sind Recht und Gesetz auch außen vor. Es geht einzig und allein um die Ideologie. In so gut wie allen Fällen haben wir es hier mit einer pathozentristischen Position, die von einer egalitaristischen Auffassung bezüglich der moralisch zu berücksichtigenden Gruppe ausgeht. Daraus entstehen dann solche Ideen wie das Gänse-Posting bei animal peace: Man geht davon aus, dass empfindungsfähigen Wesen, die im Pathozentrismus zur moralisch zur berücksichtigenden Gruppe gezählt werden, auf einer Stufe stehen. Die Mitbegründerin der Tierrechtsorganisation PETA, Ingrid Newkirk, bringt diese Ideologie auf den Punkt: „Es gibt keine rationale Grundlage für die Behauptung, Menschen hätten besondere Rechte. Eine Ratte ist ein Schwein ist ein Hund ist ein Junge. Sie sind alle Tiere." Dies stimmt zwar faktisch nicht, aber es ist eben die Ideologie der Tierrechtler in einem Statement kontrahiert.

Im Bereich Tierschutz aber ist diese Überzeugung nicht zu finden. Warum? Der Tierschützer vertritt auch eine pathozentristischen Position, aber mit einer hierarchischen Auffassung der moralisch zu berücksichtigenden Gruppe: Der Mensch schützt das Tier und macht sich ihm nicht gleich. Die rationale Grundlage, die Mensch von Tier unterscheidet, ist allein die Tatsache, dass der Mensch sich über den Schutz von Tieren und die Bewahrung von Natur und Arten Gedanken machen kann. Ein Löwe denkt nicht darüber nach, ob er die Zebrapopulation vielleicht bedroht ist, ob das Zebra ein Recht auf Leben hat oder theoretisiert ein moralisches Dilemma, ob er dieses Tier jetzt töten soll oder nicht. Er macht einfach. Deshalb ist ein biologisches Gleichgewicht auch so wichtig, weil Tiere solche Fragen nicht stellen. Unter anderem weil der Mensch dies aber kann und tut kommt ihm eine besondere Stellung in der moralisch zu berücksichtigenden Gruppe zu.

Die Gans im Fokus, das Ganze im Blick

Der Tierrechtler geht also davon aus, dass Menschen und Gänse nichts so Signifikantes unterscheidet, dass ein Menschenleben mehr wert sei, als das einer Gans. So kommt ein solches Posting zu Stande. Erneut sieht man daran auch wieder die Ignoranz juristischer Normen, die ganz klar eine Unterscheidung von Mensch und Tier vorsehen.

Während sich also der Tierschützer darum kümmert, ob die Gänse gemäß der gesetzlichen Maßnahmen tierschutzgerecht umgebracht wurden und überlegt, inwiefern man das Tierschutzgesetz diesbezüglich noch optimieren kann, lehnt der Tierrechtler so etwas komplett ab - allein aufgrund seiner Ideologie.

Es ist aber genau diese Ideologie, die es dem Tierrechtler nicht nur verbietet Gänse zu essen, sondern, jede Nutzung von Tieren versagt. Viele Tierrechtler leben deshalb vegan und denken dann, der Ideologie sei Genüge getan. Deshalb propagieren sie auch diese Lebensweise. Eigentlich stimmt das nicht und denkt die eigene Ideologie nicht zu Ende, denn natürlich werden auch durch den Anbau von Pflanzen Monokulturen erschaffen und Lebensräume zerstört .

Ein gutes Beispiel dafür ist Palmöl. Der Boom im Anbau dieses veganen Produkts, das nicht selten in Veggie-Produkten enthalten ist, um tierische Fette zu ersetzen, treibt unter anderem den Orang-Utan an den Rand seiner Ausrottung. Deshalb werden hier Natur-, Tier- bzw. Artenschützer aktiv, die die Art durch Schutzarbeit bewahren wollen. Zu denken, dass also am veganen Wesen die Welt genesen wird, funktioniert nicht, denn von irgendwo her muss ja auch die Anbaufläche für die entsprechenden Produkte kommen.

Tierrecht gegenüber Tierschutz

Genau diese Idee, dass es für alle besser wäre, wenn jeder vegan würde, wird von Tierrechtlern propagiert - teilweise mit Kampagnen, die Millionen kosten. Dabei bezieht sich der Veganismus aber nicht nur auf das Essen.

Ein Blindenhund etwa ist auch nicht vegan. Den muss man nämlich mit Fleisch ernähren, den muss man auch noch trainieren und den muss man halten. Das stimmt nicht mit der Ideologie der Tierrechtler überein. Das mag sich für Außenstehende komisch anhören, und das auch absolut nicht unberechtigt, aber das ist die Ideologie von Tierrechtlern, während Tierschützer nur darauf achten, dass tiergerecht mit dem Hund umgegangen wird.

Man erkennt also, dass sich Tierrechtler fundamental von Tierschützern unterscheiden: sowohl in ihrer Grundüberzeugung, als auch im praktischen Leben. Tierschützer sind für Tierrechtler Speziesisten, weil sie einen entscheidenden Unterschied zwischen Mensch und Tier sehen. Der Kampfbegriff der Tierrechtsbewegung sieht es schon als Diskriminierung an, etwa ein Tier zu halten.

Und da wären wir wieder bei dem Hauptthema dieses Blogs. Tierhaltung, etwa in Delfinarien, seien „Gefangenschaft" oder „Sklaverei". Wer professionelle Tierhaltung kennt, weiß, dass das nicht stimmt. Denn jeder Sklave und Gefangene hat die Option außerhalb der Sklaverei und Gefangenschaft alleine zu (über-)leben, Cetaceen, die ihr ganzes Leben oder einen Großteil ihres Lebens in Menschenobhut verbracht haben, haben dies nicht. Deshalb scheitert der Vergleich.

Tiere und Menschen

Der Tierrechtler gewichtet Gänse- und Menschenleben gleich wie „animal peace" dies ja auch tatsächlich vorlebt. Diese Meinung hält natürlich üblichen Rechtsnormen nicht stand und man kann es vor dem Hintergrund auch durchaus so sehen, dass durch diese Bezeichnung Rechte der Verstorbenen verletzt wurden.

Tierschutz hingegen verfolgt keine Verbotspolitik. Schutz von tierischem Leben bedeutet maßvollen Umgang zu lehren.

Es spricht zum Beispiel nichts dagegen, dass Tier und Mensch Fische jagen. Der Mensch muss aber darauf achten, weil er es als einzige der Beteiligten Jäger auf Basis von Wissenschaft entsprechend ermitteln kann, die Bestände nicht auszurotten. Gegen eine nachhaltige Nutzung von Tierbeständen spricht nichts aus Sicht des Tierschutzes - sie muss aber eben nachhaltig sein. Um zu ermitteln wie das funktioniert, braucht es unabhängige Forschung, die uns das sagt und keine Vegan-Kampagnen für die Millionen jährlich verschleudert werden, die aber nichts bringen. Der Fleischkonsum in den Vereinigten Staat stieg 2015 um 5% - der höchste Anstieg seit 40 Jahren und zwar trotz angeblichem Veggie-Trends und breit aufgestellten Vegan-Kampagnen.

Wir brauchen einen funktionierenden Natur- und Artenschutz, sowie Tierschützer, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen, denn der Mensch hat eine besondere Verantwortung eben weil er nicht so ist wie eine Ratte oder ein Schwein oder ein Hund. Er muss diesen Unterschied nicht Leugnen und sich mit Tieren auf eine Stufe stellen. Orang-Utans oder andere Menschenaffen brauchen keine Menschenrechte, wie sie die Tierrechtler fordern, sie brauchen Schutz.

Es ist fatal Tierrechtler mit Tierschützern gleichzusetzen, weil es die Menschen, die sich für den Schutz der Tiere einsetzen, schwächt. Die radikale Position, die Tierrechtler einnehmen, ist auch letztendlich gefährlich, weil sie zwar Mensch und Tier gleichmachen will, aber gerade dadurch auch den Menschen von der Natur entfremdet, weil die nun mal nicht so funktioniert wie Tierrechtler dies glauben. Eben diese radikale Position mit Tierschützern zu assoziieren bringt den Natur-, Tier- und Artenschutz in Misskredit.

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