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11/11/2015 09:00 CET | Aktualisiert 11/11/2016 06:12 CET

Die Sache mit SeaWorld in Deutschland

Was wird in Deutschland momentan alles falsch über SeaWorld berichtet...

Ganz aktuell sagt man, in San Diego würden man Shows auslaufen lassen davor hieß es, man dürfe nicht mehr züchten - beides falsch. Die Shows in San Diego werden lediglich verändert und Zucht darf auch weiterhin geschehen. Die schlechte Presse fing im Wesentlichen an, als der Film „Blackfish" (deutscher Verweistitel: Der Killerwal) beworben wurde.

2015-11-10-1447171868-4789148-DSCF6735kohanahp.JPG SeaWorld-Orca im Becken - © Philipp J. Kroiß

„Blackfish" tat so, als sei es eine seriöse Dokumentation und genau das schwappte unhinterfragt nach Deutschland und wurde medial so verbreitet. Kein Wort dabei vom Dokument „69 Reasons Why You Shouldn't Believe Blackfish". Ebenfalls kein Wort von Leuten wie Bridgette Pirtle, die an „Blackfish" beteiligt war und öffentlich sagt:

„'Blackfish' is very selfish and misinformative. It's an egocentric, misguided representation of what a few mislead individuals feel would be best for the animals they used to care for. As a whole, the film manipulates its viewers through craftily edited footage that is mostly outdated."

Ebenso ungehört blieb Mark Simmons, der öffentlich erklärte wie er von den Produzenten der selbsternannten Dokumentation fehlgeleitet wurde und dies in einem Video erzählt. Das sind drei leicht zu recherchierende Beispiele anhand dessen man sich hätte kritisch mit „Blackfish" auseinandersetzen können. Das geschah in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit s gut wie gar nicht. Der Film wurde behandelt, nicht aber seine Kritiker, die man in ausgewogener Berichterstattung hätte erwähnen müssen.

Man hat sich in Deutschland offenbar daran gewöhnt, Delfinariengegner ziemlich unhinterfragt ins Programm zu nehmen - das zieht sich durch so ziemlich alle Kanäle. Der Grund ist, weil Tiere irgendwie immer laufen und kaum eine Organisation hinterfragt wird, die das Attribut „Tierschutz" trägt, das sich allerdings jeder so einfach geben kann.

Das macht es auch für Spendensammelorganisationen sehr einfach, die einfach unhinterfragt in den Medien landen und so sehr einfach Gelder akquirieren können. Diese Organisationen sind meist intransparent und man kann nicht verfolgen, was mit den Geldern geschieht. Dieser Umstand ist besonders bei gemeinnützigen Unternehmergesellschaften sehr heikel, weil es hierbei einen einfachen und leider auch legalen Weg gibt, Spendengelder über Insichgeschäfte, die erlaubt sind, sich selbst zuzuschustern.

Für diese Organisationen war „Blackfish" natürlich ein guter Werbefilm und die über weite Strecken mangelhafte Berichterstattung in Deutschland tat ihr Übriges. Es ist schließlich nicht so, dass das Statement von SeaWorld schwer zu erreichen gewesen wäre. Einer Nennung der Vollständigkeit halber wäre ein Klacks gewesen.

Wie sieht es also wirklich momentan aus?

„Blackfish" konnte SeaWorld tatsächlich einigen Schaden zufügen, aber trotzdem sind die Shows weiterhin enorm gut besucht - man darf sich da nicht durch den Börsenverlauf täuschen lassen, der gerade nach dem großen Drop von Gegnern gerne als Trophäe gezeigt wurde. Es ist auch lange nicht so, dass SeaWorld den Kopf in den Sand steckt und auf dem Rückzug wäre.

Es mehrt sich in Amerika die positive Berichterstattung, weil die ersten Journalisten das Gespräch mit SeaWorld und seinen Mitarbeitern suchen. Dazu kam eine beispiellose Kampagne, die weiterhin fortgesetzt wird. Heute kann jeder auf http://ask.seaworldcares.com/ einfach mal Fragen stellen, um sich zu informieren. Insgesamt treffen wir heute auf ein SeaWorld, das gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen scheint.

Es ist zu hoffen, dass auch in Deutschland in dieser Frage wieder eine ausgewogene Berichterstattung ihren Einzug erhält. Auch hier gibt es erste Bestrebungen, nicht mehr jedes Wort der Delfinariengegner für bare Münze zu nehmen, weil es tatsächlich auch schon viele nachträglich aufgedeckte Pannen in der Berichterstattung gab.

Oft schon nahm man beschämt schlichtweg falsche Artikel aus dem Netz, nachdem die Desinformationen aufgedeckt wurden. Es ist sicher noch ein langer Weg bis man wieder zu einer ausgewogenen Berichterstattung kommt, aber SeaWorld macht es in Amerika vor, was möglich ist, wenn man nicht mehr stillschweigend auf solche Schmierenkampagnen reagiert.

Es geht in der Delfinhaltung heute darum, transparent zu sein - man hat ja nichts zu verbergen. Bei genauerer Betrachtung fallen so die Vorwürfe der Delfinariengegner nämlich völlig auseinander. Nehmen wir ein klassisches Beispiel, das auch in Deutschland immer wieder auftaucht: die Verordnung von Diazepam.

Man behauptet mit diesem von der WHO als unentbehrliches Medikament klassifizierten Arzneimittel, würde man den Tieren schaden und sie Ruhigstellen oder ähnliches. Man spricht von Psychopharmaka, die man bräuchte, um die Tiere zu halten. Das ist falsch.

Die Veterinärämter und andere Kontrollbehörden haben sich die Medikation angeschaut und sind zum Schluss gekommen, dass alles tierschutzgerecht verordnet wird und wurde. Häufig vergessen die Laien der Delfinariengegnerszene, die sich dann als Veterinärmediziner versuchen, genau über das Medikament zu recherchieren. Schaut man sich nämlich die Dosierungen an, wird eines klar: Verhaltensprobleme oder Angstzustände reguliert das Medikament erst ab 0,2mg/kg. Schaut man sich die Dosierungen in Delfinarien an, liegen die darunter - da wirkt das Medikament appetitanregend.

Wann und warum ist Appetitanregung sinnvoll? Ein Beispiel: Delfine trinken nicht das Wasser, was sie umgibt, sondern sie regeln den Wasserhaushalt über ihre Nahrungsaufnahme. Wenn sie nun also, beispielsweise während eines Krankheitsverlaufs, weniger fressen würden, muss man ihren Appetit anregen, damit die Tiere nicht verdursten.

Auch kann man nicht von einer häufiger Vergabe der Medikamente sprechen. Das beweist der Zoo Duisburg, der für jeden ersichtlich die tiermedizinischen Daten der Tiere hochstellt. Hierbei handelt es sich um ein weltweit einmaliges Pilotprojekt, das schon länger online ist. Ob Medikation, Ergebnisse der Blutuntersuchung oder ähnliches - alles findet man dort.

Man sieht also, dass die Delfinarien transparent sind und gerne Fragen zu ihrer Haltung beantworten. Bedauerlich ist es wirklich, das viele Journalisten das nicht sehen oder vielleicht auch sehen wollen. Die tendenzöse Berichterstattung, die es leider häufig immer noch gibt, muss endlich aufhören und durch eine ausgewogene ersetzt werden; dazu gehört eben auch mit einem Beitrag über „Blackfish" ebenso eine Reportage über SeaWorlds Sicht der Dinge zu liefern. Nur dann kann sich der Zuschauer oder Leser seine Meinung bilden.

Einfach nur diesen stark tendenziösen Film zu zeigen oder zu beschreiben und dies völlig ohne Hinweis auf die berechtige Kritik zu tun, verfälscht einen klaren Blick und beraubt dem Rezipienten der Möglichkeit, sich unter Kenntnis aller Fakten seine Meinung zu bilden. Auch dazu soll dieser Blog, der mit diesem Beitrag startet, dienen.

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