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22/12/2016 13:17 CET | Aktualisiert 23/12/2017 06:12 CET

Dobbie - Duisburgs Delfinjunge

Am 15.12.2016 war es so weit: der Kleine verzauberte die Pressevertreter vor Ort und ab dann auch die Besucher des Delfinariums in Duisburg. Vereint mit allen Mitgliedern der Duisburger Delfinfamilie schwimmt, spielt und tollt er durchs Delfinarium. Das Mehrbeckensystem, die Interaktion mit den anderen Tieren und die environmental enrichments der Trainer bieten im allerlei Gelegenheit sein Leben als junger Delfin zu genießen.

Erfolgreiche Delfinzucht in Duisburg

In den 1960er Jahren begann man mit der Haltung von Delfinen, die zu diesem Zeitpunkt selbst Pressevertreter noch für Fische hielten. Seitdem aber klärt der Zoo konsequent über die Biologie und den Schutz der Tiere auf und baute das edukative Angebot ständig aus. Viele Schulklassen, Familien und Interessierte können sich in dem Zoo, der rund eine Millionen Besucher im Jahr anlockt, über Wale informieren. Dazu gibt es eine Kooperation mit der weltweit anerkannten Natur- und Artenschutzorganisation Yaqu Pacha.

Die Zucht von Delfinen begann über zehn Jahre nach der Eröffnung der Delfinhaltung. Seitdem gab es 25 Geburten von Jungtiere. Fünf weitere kleine Delfine kamen tot zu Welt, was auch in der Natur durchaus häufig vorkommt. Von den 25 Kälbern überlebten 40% die ersten drei Jahre wie das auch in der Natur der Fall ist (Henderson et al., 2014). Danach aber wurden die Tiere im Durchschnitt älter als ihre Artgenossen in der Wildbahn. Das kann man gut an der medianen Lebensspanne von Großtümmlern ablesen. Die mediane Lebensspanne gibt das Alter an, zu dem Zeitpunkt 50% der Tiere, die das erste Lebensjahr überlebt haben, gestorben sind. Die liegt bei Wildpopulationen zwischen 8,6 und 17,6 Jahren. Im Zoo Duisburg überlebten allerdings nicht nur fünfzig Prozent der Tiere die höchste je gemessene mediane Lebensspanne in der Natur, 17,6 Jahre, sondern rund zwei Drittel. Auch Tiere, die nach Duisburg kamen und dort starben überlebten zu einem signifikant höheren Prozentsatz dieses Höchstalter als in der Natur.

2015-12-15-1450179878-6496139-P6180012.JPG Die Jungtiere im Zoo Duisburg sind immer wieder neugierig und schauen sich die Besucher an, die vor der Präsentation an den Unterwasserscheiben vorgehen. © Philipp J. Kroiß

Das „gläserne Delfinarium"

Diese Lebensdaten sind auch bereits seit September 2014 auf der Webseite des Delfinariums verfügbar. Zudem findet man allerlei weitere Informationen und Einblicke in Berichte, die in vielen Anlagen nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese hat der Zoo im Rahmen einer Transparenzkampagne freiwillig seinen Besuchern zur Verfügung gestellt.

Trotzdem hatte ein Delfinariengegner und Tierrechtler gerichtlich Akteneinsicht verlangt. Dies blieb ihm versagt, weil alles ja schon auf der Webseite stand. Diese Niederlage nicht anerkennend, verfasste er Pressemitteilungen, die seinen Sieg proklamierten. Wenige Medienvertreter reagierten darauf überhaupt, aber diese reproduzierten offenbar ungeprüft seine Pressemitteilung.

Das flog aber auf. Auf Nachfrage professioneller arbeitenden Journalisten kam heraus, dass das in der Pressemitteilung verwendete Aktenzeichen (AZ 00576/14), vom Oberverwaltungsgericht Münster in diesem Zusammenhang überhaupt nicht benutzt wurde. Die Medienunternehmen, die sich nun in ihrer Berichterstattung auf dieses Aktenzeichen bezogen hatten, standen natürlich nun ziemlich im Regen, weil sie durch die Benutzung gebrandmarkt waren, die Pressemitteilung des Wal- und Delfinschutzforums (WDSF), die letztendlich nur aus diesen einen Delfinarienhasser besteht, ungeprüft übernommen hatten. Letztendlich stellte sich nicht nur das Aktenzeichen, sondern die ganze Pressemitteilung als völlig unbrauchbar heraus.

In ihr wurde unter anderem auch behauptet, dass 70 Wale und Delfine in Duisburg gestorben wären und der Zoo deshalb der „größte Delfinfriedhof Europas" sei. Auch das stimmt nicht, denn in der Rechnung waren nicht nur die Zahlen bezüglich der Schweinswale und Jacobitas zu hoch, sondern es wurden auch im Falle der Belugas und Flussdelfine, Tiere als tot gezählt, die noch gesund und putzmunter durch Becken schwimmen.

„Also müssen seitens Herrn Ortmüller, wie leider schon mehrfach in der Vergangenheit geschehen, alte Lügen aufs Neue ausgegraben werden, um in der Öffentlichkeit ein falsches Bild bzgl. der Delfinhaltung zu vermitteln. So wird seitens Herrn Ortmüller zum wiederholten Male die Formulierung „größter Delfinfriedhof Europas" in Bezug auf das Duisburger Delfinarium verwendet und mit bewusst falschen Zahlenangaben und aus dem Kontext gerissenen Informationen die Leser seiner Pressemitteilung in die Irre geleitet und fehlinformiert." - Zoo Duisburg auf seiner Webseite

Besucher erfreut über das Delfinarium und seine Arbeit

Die Besucher beeindrucken diese kleinen Störfeuer von wenigen Delfinariengegnern nicht. Während vereinzelte Tierrechtler hin und wieder Präsenz vor den Zoo zeigen, besuchen Tausende die Delfinshows am selben Tag. Bei einer Demonstration klärte der Förderverein des Zoos, der größte Verein der Stadt Duisburg mit tausenden Mitgliedern, mit einer zahlenmäßig starken Abordnung die Besucher zudem über die Delfinariengegner auf der anderen Straßenseite auf.

2015-11-17-1447754505-3675510-ZVollesDelfinariumDuisburg.JPG Der Besucherandrang ist ungebrochen. © Philipp J. Kroiß

Die Besucher honorieren auch die weltweit anerkannte Arbeit des Teams aus Experten im Delfinarium und informieren sich gerne über Artenschutz, den sie auch unterstützen. Delfine, wie jedes Tier in modernen Zoos, werden artgemäß gehalten und sind Botschafter ihrer Art und ihres Lebensraums in der Natur. Zwar ist der Atlantische Großtümmler (Tursiops (truncatus) truncatus) nicht stark bedroht, aber sein Verwandter, der Schwarzmeertümmler (Tursiops truncatus ponticus) ist es leider sehr wohl. Hier werden zudem auch im Bereich der Forschung wichtige Erkenntnisse gesammelt wie man Großen Tümmlern im Schwarzen Meer und auf der ganzen Welt helfen kann. Ebenso veranstaltete man eine Unterschriftenaktion gegen die traurig-berühmten Vorgänge in Taiji und übergab sie zuständigen Behörden. Auch auf Zooverbandsebene setzt sich der Zoo Duisburg gegen diese Jagd ein.

Aber die Schutzarbeit für Cetaceen im Zoo Duisburg beschränkt sich nicht nur auf Große Tümmler. So hält der Zoo einen Flussdelfin als Botschafter seiner Art und seines Lebensraumes in der naturnahen Anlage Rio Negro. Zudem informiert und informierte der Zoo aktiv zum Thema Schweinswale, sowohl über die wenigen Baltischen, als auch über die stark bedrohten Kalifornischen (Vaquita), an mehreren dafür extra ausgerufenen Tagen. Ebenso weist der der Zoo auf die Verschmutzung der Meere ausgiebig hin - und zwar sowohl auf die durch vergiftende Stoffe, als auch auf die auditive. Auch die Problematik von Netzen wird erörtert. Der Besucher wird also sehr gut informiert und zudem inspiriert, den Zoo bei seinen Schutzbemühungen aktiv zu unterstützen.

Aber neben all diesen Infos, die zu dem Genannten ja auch noch die Biologie der Tiere umfasst, kommt auch der Spaß und die Freude nicht zu kurz - für die Tiere ohnehin nicht, aber auch für die Zuschauer. Diese sind von der Show und der Haltung sichtlich begeistert. Genau diese Mischung macht's: Edukation und Entertainment. Kontrahiert im Wort Edutainment haben wir das Prinzip von moderner Zootierhaltung, die wichtige Inhalte über Biologie und Schutz der Tiere mit positiv rezipierten Erlebnissen verknüpft, weil die Inhalte so a) besser abgerufen werden und b) die Zuschauer sich deutlich besser abgeholt fühlen.

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