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19/11/2015 11:45 CET | Aktualisiert 19/11/2016 06:12 CET

Meeresbuchten oder lieber klassische Delfinarien?

Tom Brakefield via Getty Images

Immer wieder preisen Delfinariengegner eine " (menschenbetreute) Meeresbucht" als doch angeblich so viel bessere Alternative zum Delfinarium an. Das Wort Meeresbucht hört sich toll an, nicht wahr? Letztendlich ist es ein eingezäunter Bereich entweder in einer Bucht ("Bay Pen") oder im Meer ("Sea Pen").

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Wasserqualität ist das große Problem

„There are practical problems with sea pens, relating to ensuring the provision of good quality water at all times, to the prevention of the build-up of pathogens and parasites and to the safety of animals in extreme weather conditions." - Dr. Margaret Klinowska & Dr. Susanne Brown in „A Review Of Dolphinaria" (1986)

An diesem Befund hat sich sein 1986 wenig geändert. Die Haltungsform wurde im Review nicht wirklich empfohlen, um es vorsichtig auszudrücken. Man schlug stattdessen andere Haltungsformen vor.

Eilat - ein Beispiel, warum es nicht wirklich gut funktioniert

In Eilat starben 12 von 16 Jungtieren. Dabei lebten die Tiere in einer Meeresbucht, die doch angeblich die natürlichere Haltungsform ist. In herkömmlichen Delfinarien mit gereinigtem Wasser hingegen sterben deutlich weniger Jungtiere.

In unmittelbarer Nähe vom Dolphin Reef liegt eine Ölraffinerie, ständig fahren Öltanker und Touristenschiffe am Außennetz vorbei. Offene System wie Sea und Bay Pens bekommen dadurch eine miserable Wasserqualität - anders als geschlossene Systeme, wo vollständige Kontrolle über die Wasserqualität herrscht.

Alternative Chlor? - Nicht unbedingt!

„Die Tiere haben mit Entwicklung des Wissensstandes immer bessere Haltungsbedingungen geboten bekommen. Das bezieht sich unter anderem auch auf die Wassertechnik. Nicht, dass die frühere Haltung in gechlortem Wasser für die Delfine unbedingt schlecht war.

Man weiß, in welcher Drecksbrühe Delfine im Freiland leben; daher können sie sicherlich in sauber gechlorten Wasser gut überleben. Wir putzen uns täglich mit gechlortem Wasser die Zähne und waschen unser Gesicht. Wir wollten von der Chemikalie Chlor wegkommen und eine biologische Filterung erproben.

Das haben wir seinerzeit in Kooperation mit dem renommierten Forschungsinstitut in Jülich erarbeitet. Diese Filtertechnik hat sich als absolut bombig erwiesen. Sie wurde und wird mittlerweile in vielen Einrichtungen kopiert." - Achim Winkler, Direktor des Duisburger Zoos, bei der Anhörung zum Thema Delfinhaltung im Landtag NRW

Im Delfinarium des Zoo Duisburg hat man eine Filtertechnik entwickelt, die völlig ohne Chlor funktioniert; sie macht Schule und ist sicherlich die Zukunft der Delfinhaltung in geschlossenen Systemen.

2015-11-17-1447754505-3675510-ZVollesDelfinariumDuisburg.JPG In Duisburg werden die 3.000.000 Liter Wasser ohne Zusatz von Chemikalien auf rein biologische Art und Weise aufbereitet.

Meerwasser müsste eigentlich geklärt werden

Der Loro Parque bezieht sein Wasser für die Delfine direkt aus dem Atlantik. Die Tiere schwimmen also in Atlantikwasser - oder besser: Atlantikwasser wie es sein sollte. Man muss das Wasser, das aus dem Atlantik kommt, nämlich filtern, um die Auflagen für eine Delfinhaltung zu erfüllen.

Das zeigt schon wie sehr verschmutzt das Wasser und - so paradox es klingt - wenig geeignet es für eine Delfinhaltung ist.

2015-11-17-1447753158-4344534-ZDelfinimLoroParquehp.JPG Leben unter besten Bedingungen: Die Tiere im Loro Parque

Schlechte Wasserqualität hat üble Folgen für Delfine

Sehr gut ablesen kann man das an der medianen Lebenserwartung der Tiere (Definitionsfrage: Bis zu welchem Alter überleben 50% der Tiere von allen Großen Tümmlern, die das erste Lebensjahr überlebt haben?). Die hier aufgeführten Zahlen stammen aus einem paper von Kevin Wiilis aus dem Jahre 2011.

Nehmen wir hier das Beispiel Mississippi Sound. Hier liegt der Median der Lebenserwartung bei 8,6. Das bedeutet, dass jeder zweite Delfin, der dort geboren wird und das erste Lebensjahr überlebt, nicht mal 9 Jahre alt wird. Es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass die schlechte Wasserqualität hier ganz klar mit verantwortlich ist.

Die höchste mediane Lebenserwartung einer wilden Population wurde in Sarasotay Bay gemessen: 17,4 Jahre. Das heißt weniger als 50% der Delfine, die dort leben, werden überhaupt 18 Jahre alt.

Deutlich älter werden die Tiere in Europäischen Delfinarien, die eine mediane Lebenserwartung von 22 Jahren besitzen. Fast doppelt so hoch wie in Sarasota Bay ist die Lebenserwartung der Delfine in den USA: 34,3 Jahre.

Dass die Tiere in Delfinarien deutlich länger leben als ihre Artgenossen in der Wildbahn, ist natürlich ein Mulitfaktorensystem, allerdings ist die Wasserqualität in der Delfinhaltung ein enorm wichtiger Faktor.

Transport in einen Sea/Bay Pen: Für Delfine nicht ungefährlich

Das Immunsystem von Delfinen stellt sich auf ihre Umgebung ein - wie jedes gute Immunsystem. Transportiert man nun einen Delfin, der sein Leben lang in den hervorragenden Bedingungen eines kontrollierten und gefilterten Wassersystem lebt, in eine so genannte Meeresbucht, wird das Tier plötzlich mit ganz anderen Anforderungen konfrontiert.

Das kann ernste und sogar lebensbedrohliche Folgen haben. Leider haben bestimmte Menschen dafür gesorgt, dass die Wasserqualität in Buchten und dem Meer nicht mehr so ist, wie sie sein sollte. In Delfinarien bekommen Delfine die Wasserqualität, die sie eigentlich verdient hätten und sind dann schlicht nicht mehr darauf eingestellt, dem schmutzigen Wasser der Meere und Küsten etwas entgegenzusetzen.

Fazit

Die Unterbringung von Delfinen in einer betreuten Meeresbucht bedeutet für die Tiere, im Vergleich zum klassischen Delfinarium mit gefiltertem Wasser, eine deutlich schlechtere Wasser- und somit Lebensqualität.

Somit sind die sogenannten "(menschenbretreuten) Meeresbuchten" (Bay Pens), die natürlich immer noch Delfinhaltungen sind, nicht die bessere Alternative für die Tiere. Der Grad der Meeresverschmutzung ist dafür viel zu hoch.

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