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18/11/2015 08:12 CET | Aktualisiert 18/11/2016 06:12 CET

Nun aber wirklich: US-Leitzinsanhebung im Dezember, oder?

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Wieder einmal ist sich die Mehrzahl der Marktbeobachter einig und sicher: Im Dezember wird die US-Notenbank Fed nun wirklich das erste Mal seit acht Jahren den Leitzins anheben. Wir erinnern uns: Diese Einigkeit und Sicherheit haben wir in diesem Jahr schon mehrfach erlebt. Passiert ist indes nichts. Auch dieses Mal spricht natürlich durchaus einiges für eine Leitzinsanhebung. Aber auch Gegenargumente gibt es - die Fed war zuletzt immer eher auf der skeptischen Seite.

Nach all den Fehlschlägen in diesem Jahr wird die Frage von der Mehrzahl der Beobachter noch immer mit heiligem Ernst diskutiert: Wann kommt die erste Leitzinserhöhung der US-Notenbank seit dem Ausbruch der weltweiten Banken- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008?

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Schon mehrfach sah es in den letzten Monaten so aus, als würde die Fed den bloßen Ankündigungen nun wirklich Taten folgen lassen. Allerdings ist die Entscheidung bis zuletzt immer wieder herausgezögert worden.

Wann kommt die Zinserhöhung?

So fand die Notenbankchefin Yellen in ihren Erklärungen immer noch gesamt-wirtschaftliche Umstände, die einer Zinserhöhung im Wege standen. Und trotz (oder gerade wegen?) dieser immer neuen Verschiebungen wird von den Beobachtern jedes Mal ein neues vermeintlich definitives Datum verkündet, zu dem die Zinserhöhung wirklich ansteht.

Bitte verstehen Sie meine Zuspitzung nicht falsch: Weder möchte ich die Bedeutung der Frage nach der Zinserhöhung herunterspielen noch die Herausforderung trivialisieren, einen realistischen Termin dafür zu prognostizieren. Ich möchte aber dafür werben, die mögliche Zinsanhebung nicht auf das hohe Podest zu stellen, auf dem sie offenbar für viele noch steht.

Denn längst sind die Zeiten vorbei, in denen ein solcher Schritt für die Mehrzahl der Marktteilnehmer undenkbar war und extreme Auswirkungen befürchtet wurden. Inzwischen konnten sich die Akteure auf eine bevorstehende Zinserhöhung weitestgehend einstellen.

Wenn sie dann tatsächlich erfolgt, wird sie die Finanzmärkte vermutlich eher kalt lassen. Dies umso mehr, da wir es allenfalls mit einem sehr zaghaften Schritt (z. B. dem Wegfall der derzeitigen Bandbreite von 0-0,25 %) zu tun bekommen werden.

Lang befürchtete Zinswende

Die von vielen immer wieder befürchtete Zinswende - also der allgemeine Anstieg auch der länger laufenden Anleihezinsen - würde durch einen solch zaghaften Schritt wohl ebenfalls kaum lawinenartig ausgelöst. Hier kommt außerdem hinzu, dass die Fed in erheblichem Maße direkt Staatsanleihen gekauft und so die Zinsen zusätzlich gedrückt hat.

Zwar sind derzeit keine weiteren derartigen Maßnahmen geplant. Das von der Notenbank bereits investierte Volumen geht derzeit aber nur ganz langsam zurück. Bei einer Leitzinsanhebung wird daher auch weiterhin ein enorm expansiver geldpolitischer Impuls wirken, der voraussichtlich die tatsächlichen Marktzinsen niedrig hält - selbst wenn der Leitzins (leicht) steigt. Keine Kehrtwende bei der Geldpolitik also, sondern eine ganz langsame Umorientierung.

Hinzu kommt: Derzeit scheinen die Finanzmärkte eher noch auf die weitere Entwicklung in Sachen weltwirtschaftlicher Abkühlung zu schauen als auf den US-Leitzins. Die globale konjunkturelle Abkühlung der letzten Wochen - insbesondere in den Schwellenländern - ist derzeit das größte Sorgenkind der Finanzmärkte.

Auch diese Befürchtungen sollte man nicht überinterpretieren, sie bieten aber eine gute Gelegenheit, die vielen Analysen rund um die US-Leitzinsanhebung ins rechte Licht zu rücken. Außerdem hatte die Fed interessanterweise gerade auch wegen dieser Befürchtungen zuletzt auf einen Zinsschritt verzichtet.

Fazit für Ihre Vermögensanlage

Die Frage nach der Anhebung des US-Leitzinses ist eine spannende. Ob diese wirklich im Dezember kommt, bleibt aber zumindest fraglich. Außerdem ist sie längst nicht mehr das alles entscheidende Puzzleteil im weltweiten Anlageumfeld, zu dem sie in der Öffentlichkeit nach wie vor stilisiert wird.

Mehr Gewicht haben derzeit die wieder schlechteren globalen wirtschaftlichen Aussichten - gerade deswegen hatte die Fed zuletzt auf eine Zinsanhebung noch einmal verzichtet. Alles andere als ausgemacht also, dass im Dezember wirklich der erste Zinsschritt kommt.

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