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21/08/2015 08:23 CEST | Aktualisiert 21/08/2016 07:12 CEST

Das Reich der Mitte wandelt auf den Spuren des Westens

Thinkstock

Die chinesische Zentralbank betreibt derzeit eine Abwertung der eigenen Währung. Referenzkurse werden gesenkt, die Geschäftsbanken müssen im Regierungsauftrag US-Dollar kaufen. Auch wenn die Maßnahmen spektakulärer klingen: Im Grunde sehen wir hier nichts anderes als das, was nacheinander schon die Zentralbanken der USA, Japans und der Euro-Zone unternommen haben. Das Gelddrucken hinterlässt seine Spuren: Das internationale Währungsgefüge ist durcheinander gekommen.

Verzeihen Sie die etwas philosophische Überschrift. Sie soll möglichst höflich (eine wichtige Tugend in Asien) ausdrücken, was aus meiner Sicht die Quintessenz der Aufregung rund um die chinesische Währung in den letzten Tagen ist. Nämlich ein weit weniger radikaler oder beispielloser Schritt, als viele Kommentare glauben machen wollen. Doch der Reihe nach.

Was ist geschehen? Ohnehin reguliert die chinesische Zentralbank arbeitstäglich den Wechselkurs des Yuan. Sie legt einen Referenzkurs fest, von dem der Wechselkurs maximal um 2 % abweichen darf. Dieser Referenz- oder Mittelkurs ist nun zum einen deutlich gesenkt worden. Hiermit verfolgt die Zentralbank ganz offenkundig das Ziel, die eigene Währung zu schwächen, um chinesische Güter auf dem Weltmarkt günstiger und damit konkurrenzfähiger zu machen.

Dies dürfte eine Reaktion auf die zuletzt deutlich schwächeren Außenhandelsdaten sein, die auf eine kräftigere Abkühlung der chinesischen Wirtschaftsleistung hindeuten als ohnehin erwartet bzw. von der chinesischen Regierung angekündigt. Ein deutliches Signal für Krisenstimmung also.

Zum anderen wird sich die tägliche Festsetzung in Zukunft auch stärker am Schlusskurs des Vortages orientieren - es wird also ein größerer Einfluss der tatsächlichen Marktbewegung auf die Kursbildung zugelassen.

Dies ist nun wieder ein positiveres Signal, bedeutet es doch eine Fortsetzung des in den letzten zwei Jahren intensivierten Kurses der chinesischen Führung, den Kapital- und damit auch den Devisenmarkt des bevölkerungsreichsten Landes der Erde weiter zu öffnen und den Marktkräften zu überlassen.

In den letzten Jahren sind die Wechselkurse durch Zentralbanken stark beeinflusst worden

Dies ist zwar besonders, aber bei weitem nicht nur in China geboten. Auch in den wichtigsten Industrieländern sind in den letzten Krisenjahren die Wechselkurse teils kräftig durch die Zentralbanken beeinflusst worden. In Ermangelung anderer Möglichkeiten erfolgte dies allerdings deutlich subtiler als aktuell in China.

Insgesamt hat aber die enorm expansive Geldpolitik der letzten Jahre auch an den internationalen Devisenmärkten ihre Spuren hinterlassen. Eine Rückkehr zu weniger Zentralbankeinfluss wäre wünschenswert.

Unsicherheit über die tatsächliche Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hat sich erhöht

Die Finanzmärkte scheinen derweil (wie so oft) die eher kurzfristigen negativen Implikationen der jüngsten Ereignisse stärker zu gewichten. Dementsprechend haben viele Aktienbörsen in den letzten Tagen teils deutlich nachgegeben. Dies ist natürlich fundamental nachvollziehbar, da sich die Unsicherheit über die tatsächliche Abkühlung der chinesischen Wirtschaft erhöht hat.

Trotz der inzwischen sehr großen Bedeutung der chinesischen Volkswirtschaft sollte aber die aktuelle Entwicklung nicht überbewertet werden. Zudem könnte sich langfristig über eine stärkere Marktorientierung im chinesischen Devisenhandel auch Potenzial entfalten.

Übrigens: In Marktphasen wie diesen zeigt sich wieder einmal der Vorteil einer internationalen Diversifizierung des Vermögens. Ähnlich wie bei den jüngsten Griechenland-Turbulenzen werden aktuell die europäischen Aktienmärkte - speziell auch der DAX - in Mitleidenschaft gezogen. Mit einem breit bestreuten Aktienportfolio lassen sich die Kursschwankungen einzelner Märkte deutlich besser abfedern.

Fazit für Ihre Vermögensanlage: Natürlich sind die Entwicklungen in China eng zu beobachten. Der schon vielfach heraufbeschworene China-Crash ist das aber (wieder einmal) nicht. Übereilte Verkaufspanik ist fehl am Platz.


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