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21/01/2016 13:00 CET | Aktualisiert 21/01/2017 06:12 CET

10 Thesen für die Kapitalanlage 2016

Rawpixel Ltd via Getty Images

Die Herausforderungen für die Kapitalanlage werden auch im Jahr 2016 nicht geringer werden. Dominieren dürfte wie schon in der zweiten Jahreshälfte 2015 eine zunehmend schwächere weltweite Konjunktur - nicht nur die Schwellenländer, sondern auch die Industrieländer dürften betroffen sein. Am Niedrigzinsumfeld ändert sich trotz geldpolitischer Wende in Washington voraussichtlich kaum etwas.

Sie wissen ja: Prognosen sind mit erheblicher Unsicherheit verbunden, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Und dass für einen langfristig-strategischen Vermögensaufbau pointierte Prognosen nicht immer die allerbesten Begleiter sind, dürfte einleuchten.

Trotz alledem lädt natürlich jeder Jahresbeginn erneut dazu ein, sich über mögliche maßgebliche Themen Gedanken zu machen, die Anleger in den kommenden 12 Monaten begleiten können. Insbesondere im volkswirtschaftlichen Bereich genießt der Jahresausblick große Beliebtheit. Auch an dieser Stelle werden Sie daher einen finden - allerdings ganz im Sinne der eingangs gemachten Bemerkungen.

Welche volkswirtschaftlichen Themen könnten den Anlegern im neuen Jahr 2016 also begegnen?

  1. Die weltweite Konjunktur dürfte sich weiter verlangsamen. Nicht nur das vieldiskutierte niedrigere Wachstum in China ist hierfür der Grund, auch in den USA häufen sich die Schwächesignale.
  2. Für eine weltweite Rezession gibt es derzeit aber keine handfesten Hinweise. Das Jahr 2016 wird also aller Voraussicht nach weniger dynamisch als das vergangene, ein Einbruch steht aber ebenfalls nicht bevor.
  3. Das volle Ausmaß der konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen in Brasilien wird vermutlich erst im Laufe des Jahres klar zu erkennen sein. Im Schatten der Sorgen um China haben sich hier in den letzten Monaten eklatante Schwachstellen offenbart.
  4. Natürlich wird auch der wirtschaftliche Reformprozess in China weiter zu beobachten sein. Wie schon in den Vorjahren wird die Fortsetzung des Übergangs hin zu einer mehr binnenwirtschaftlichen Orientierung keinesfalls störungsfrei verlaufen.
  5. Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands dürfte ihren Zenit überschritten haben. Nichts deutet auf einen jähen Abbruch hin, die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung der letzten Jahre - insbesondere am Arbeitsmarkt - dürfte aber zum Erliegen kommen.
  6. In Europa hingegen könnte es noch deutlichere Aufholbewegungen geben. Insbesondere in den südlichen Mitgliedsstaaten ist noch erheblicher Nachholbedarf in Sachen Konjunktur gegeben. Griechenland dürfte dabei die wesentliche Ausnahme bilden (hier könnte es zudem auch zu neuen Querelen kommen).
  7. Begünstigt werden dürfte die Erholung in Europa zusätzlich durch einen schwachen und möglicherweise noch schwächer werdenden Euro. Die sehr unterschiedliche Zinspolitik der amerikanischen Notenbank und der EZB legt den Grundstein hierfür.
  8. Denn während die EZB stärker denn je auf niedrige Zinsen und immer umfangreichere Ankäufe von Anleihepapieren setzt, um Wirtschaft und Inflationsraten zu stützen, hat die US-Notenbank Fed den Ausstieg aus dieser Politik eingeleitet. Dieses Jahr wird es voraussichtlich bei dieser Diskrepanz bleiben.
  9. Das ist auch der wesentliche Grund dafür, dass im Jahr 2016 wieder nicht mit einer wirklichen Zinswende, vor allem nicht in Europa, zu rechnen ist. Viele alte Bekannte werden wir als Kapitalanleger also voraussichtlich auch in 2016 wieder antreffen. Natürlich wird es aber - wie in jedem Jahr - auch wieder Entwicklungen und Ereignisse mit entsprechenden Auswirkungen auf die weltweiten Finanzmärkte geben, die aktuell nicht oder nur durch Zufall prognostizierbar sind.
  10. Und das bringt mich zur zehnten These, die der aufmerksame Leser bestimmt schon vermissthat. Streng genommen ist es keine These explizit fürs Jahr 2016, aber doch eine ganz wesentliche These, und zwar für jedes Kapitalanlagejahr. Sie bringt uns zu unserem Ausgangspunkt zurück: Strategischer Vermögensauf bau sollte sich so wenig wie möglich auf einzelne Prognosen und Thesen verlassen, sondern so breit und robust wie möglich aufgestellt sein.

So gelingt es, auch für die völlig unvorhergesehenen Entwicklungen gerüstet zu sein. Schon Perikles wusste: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein."

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