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07/02/2016 10:26 CET | Aktualisiert 07/02/2017 06:12 CET

Internationales Studium oder in der Heimat engagieren?

Ute Grabowsky via Getty Images

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Wenn ihr euch an der Diskussion beteiligen möchtet, schreibt an Blog@huffingtonpost.de.

Ich war Auszubildender zum Bankkaufmann und begann mich für die Politik zu interessieren. Eine passende Partei für alle Meinungen gibt es nie, also habe ich die Partei mit der größten Schnittmenge ausgewählt und bin Mitglied der Jungen Union und CDU geworden.

Mitglied geworden bin ich aus Interesse am Geschehen, mein Einstieg in die Politik war steil, ich wurde vom normalen Mitglied direkt in den Landesvorstand der damals 6000 Mitglieder starken JU-Saar gewählt und kurze Zeit später wurde ich Kreisvorsitzender eines Kreisverbandes mit 700 Mitgliedern.

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Es war eine große Herausforderung und ich glaube genau das hat mich auch gereizt

Ich war selbst noch neu und musste nun die Richtung bestimmen, entscheiden wie es weiter geht. Es war eine große Herausforderung und ich glaube genau das hat mich auch gereizt. Wir haben den Kreisverband neu aufgebaut, neue Strukturen geschaffen und wir waren erfolgreich. Wir wollten neue Ideen einfließen lassen, wir wollten etwas erreichen, nicht für uns, sondern für die Menschen in unserer Region.

Dies haben wir auch getan. Kassendefizite haben wir in ein dickes Plus umgewandelt, wir konnten zur Abschaffung der Roaming-Gebühren beitragen und haben alle deutschen Mitglieder des Europaparlaments angeschrieben.

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Jetzt hatten wir uns einen Namen gemacht, wir konnten mitreden und uns einsetzen. Zwischenzeitlich hatte ich meine Ausbildung erfolgreich beendet und nach einiger Zeit in meinem Ausbildungsbetrieb winkte auch der unbefristete Vertrag. In meinem Ausbildungsberuf war ich glücklich, gut integriert und hatte solide Zukunftsaussichten, aber ich wollte mehr, ich wollte ein internationales Studium. Hier musste ich mich erst entscheiden.

Ich wollte international studieren, aber es sollte nicht auf Kosten der Politik gehen. Zum Glück wohnte ich an der Grenze. Ich konnte meinen Bachelor in Luxemburg absolvieren, eine Maitrise in Frankreich und jeweils einen Master in Luxemburg in Kooperation mit New York und einen Master in Brügge.

Das Studium in Frankreich und Luxemburg konnte ich aus dem Saarland meistern und mich somit für die Heimat engagieren und trotzdem international studieren. Später kam dann die schwierige Entscheidung, die kurze Zeit an der University of New York hätte meinem Kreisvorsitz nicht geschadet, aber dann kamen Zusage und Stipendium für das College of Europe in Brügge. Mit Tränen habe ich mich vom Kreisvorsitz verabschiedet, alles was wir aufgebaut haben, musste ich abgeben und ich ging nach Brügge.

Heute, eineinhalb Jahre später, bin ich wieder im Saarland. Brügge habe ich erfolgreich abgeschlossen und mein Leben steht jetzt auf drei gleichgroßen Säulen:

Politik - Wirtschaft - Wissenschaft

Ich bin wieder in der Region, engagiere mich als Stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Saar, arbeite für einen Investmentfonds in Luxemburg und promoviere an der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne. Jetzt habe ich alles, aber irgendwann muss ich mich auf ein Standbein konzentrieren. Das mache ich davon abhängig, welche Türen sich öffnen, denn alle drei Säulen machen mir viel Spaß.

Die Beweggründe für die ehrenamtliche Parteiarbeit haben sich mit der Zeit geändert. Anfangs war es reines Interesse, später habe ich so viel gelernt, dass die Zeit in der Jungen Union von der Wissensübermittlung dem Studium an einer Elite-Uni gleichgestellt werden kann, nur ein Unterschied: Bei der JU hat man während dem Machen gelernt. Und heute habe ich zwar immer noch viel zu lernen, aber möchte auch das Gelernte anwenden und für meine Mitbürger nutzen.

Mit viel Arbeit, Engagement und Stress habe ich es geschafft, ich konnte das Engagement für die Politik mit einem internationalen Studium verbinden. Heute spreche ich fließend Französisch, Englisch, meine Muttersprache Deutsch und sogar etwas Luxemburgisch.

Motiviert hat mich vor allem das Zitat von Serges Wilmes, einem luxemburger Abgeordneten: „Politik ist nicht alles, aber in allem ist Politik." - Es ist wahr. Mein politisches Engagement und meine Berufserfahrung haben mir in Studium und Beruf geholfen und umgekehrt. Der stressige Alltag hat sich gelohnt und alles hat sich gegenseitig ergänzt.

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