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07/10/2015 12:58 CEST | Aktualisiert 07/10/2016 07:12 CEST

Darum ist Nein Sagen so wichtig für unsere Freundschaften

luna4 via Getty Images

Wir beschäftigen uns bei solebenwieichwill gerade viel mit dem Neinsagen, und während ich (PC) - Serienjunkie und begeisterte Herstellerin exotischer Marmeladen - kürzlich Ebereschen (Vogelbeeren) von den Stielen abzupfe und mir dabei die BBC-Serie Poirot ansehe, springt mich in der Episode „Hickory Dickory Dock" eine Szene besonders an:

Hercules Poirot beherbergt Inspektor Japp von Scotland Yard, weil dessen Frau gerade auf Urlaub ist und er sich ohne seine Frau offenbar nicht mal ordentlich anziehen, geschweige denn vernünftig ernähren kann.

Also bietet Poirot ihm an, die Woche in seinem Gästezimmer zu verbringen und ist sehr darum bemüht, seinem lieben Freund die Zeit so angenehm wie möglich zu machen: Die Heizung läuft auf vollen Touren, Dinner ist immer vom feinsten und zum Frühstück gibt es in winzige Quadrate geschnittene Toastscheiben mit einem Tupfen Marmelade.

Inspektor Japp leidet: unter der Hitze (er kann nicht schlafen), unter dem Frühstück (er hätte gerne Eier und Speck) und unter der Haute Cuisine - mit der weiß er gar nichts anzufangen. Beim nächsten gemeinsamen Abendessen möchte er Poirot sagen, dass er wieder nach Hause gehen wird.

Poirot glaubt, dass Inspektor Japp Bedenken hat, ihm zu sehr zur Last zu fallen und unterbricht ihn in etwa mit den Worten: „ Nein, nein, mein lieber Freund, es ist mir eine Ehre, Ihnen zur Seite zu stehen und ich habe große Freude daran, Sie zu beherbergen." Inspektor Japp fällt in sich zusammen, er bringt es nicht über's Herz seinem lieben Freund zu sagen, dass er ihm die Hölle auf Erden bereitet und bleibt tapfer die restliche Woche bei Poirot.

Wir erleben täglich Situationen ähnlicher Art

Wir können uns nicht dazu durchringen, ein Angebot auszuschlagen, wenn jemand so eine große Freude damit hat, uns eine (vermeintliche) Freude zu bereiten. Wenn wir nicht lernen, dem anderen zu sagen, dass wir eigentlich todunglücklich sind, müssen wir leiden.

Eine Woche lang im Falle von Inspektor Japp, einen Monat oder vielleicht über Jahrzehnte hindurch im wirklichen Leben. Hätte Inspektor Japp einen Kurs bei uns besucht, hätte seine Antwort so lauten können:

"Mein lieber Freund, ich bin sehr gerührt, dass Sie für mich da sind und dass Sie sich so hingebungsvoll um mich kümmern - und es bricht mir das Herz, wenn ich Ihnen sagen muss, dass ich wieder nach Hause möchte. Wir brauchen zu unterschiedliche Dinge, um uns wohl zu fühlen. Ich brauche es kühl beim Schlafen, sonst bin ich gerädert, ich brauche Eier mit Speck zum Frühstück, sonst funktioniere ich nicht richtig, und ich brauche Hausmannskost zum Abendessen."

Poirot hätte das sicher verstanden, denn in der Schluss-Szene „revanchiert" sich Inspektor Japp mit einem Essen, bestehend aus zermantschten Kartoffeln, einem Erbsenbrei und Frikadellen aus Innereien. Schlimmer könnte es für Poirot kulinarisch nicht kommen und immerhin lehnt er die Frikadellen ab mit der Begründung, dass er eine Allergie gegen Innereien hat.

Es geht also doch, wobei auch Poirot die vermeintliche Köstlichkeit von zermantschen Kartoffeln mit Erbsenbrei über sich ergehen lassen musste.

Die meisten von uns schätzen Ehrlichkeit

Poirot hätte auch die unappetitlich aussehenden Kartoffeln und den Erbsenbrei nicht zu essen brauchen, wenn er es gut verdaulich für Inspektor Japp begründet hätte.

Ich für meinen Teil möchte, dass jemand auch wirklich eine Freude hat mit der Freude, die ich bereiten will und schätze es zu wissen, dass manchen meiner Freunde Ebereschenmarmelade gar nicht schmeckt.

Sie sind zu nichts verpflichtet, sie brauchen sie nur zu kosten, wenn sie das auch wirklich möchten und sie brauchen auch keine Begeisterung vorzutäuschen.

Und so bleibt mir ein Destillat aus echter Freude und Begeisterung, mit leuchtenden Augen und totalem Entzücken darüber, eine derartige Seltenheit geschenkt zu bekommen.

Im übrigen, für die absoluten Serienjunkies: In dieser Episode spielt der jungen Damian Lewis (aus Homeland) einen amerikanischen Studenten.

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