BLOG
29/10/2013 13:46 CET | Aktualisiert 29/12/2013 06:12 CET

Twitter könnte Selbstmorde verhindern

Forscher haben die Selbstmordrate in US-Bundesstaaten im Zusammenhang mit suizidalen Äußerungen auf Twitter untersucht. Und meinen: Auf Twitter aktive Suizid-Hotlines könnten selbstmordgefährdete Menschen direkter erreichen als auf dem üblichen Weg via Telefon.

Eine der am häufigsten gestellten Fragen von Angehörigen depressiver Patienten lautet:

"Soll ich eventuelle Selbstmordgedanken ansprechen oder wecke ich damit nur schlafende Hunde?"

Seit Langem weiß man, dass durch die gezielte Frage nach Suizidgedanken niemand "auf falsche Gedanken gebracht" wird. Im Gegenteil ist es für Betreffende eher eine Erleichterung, über lebensmüde Gedanken oder gar Pläne zu sprechen.

In gleicher Weise ist die Frage schnell beantwortet, ob man Äußerungen über Gedanken, sich das Leben zu nehmen, ernst nehmen soll.

Das trifft in jedem Fall zu!

"Hunde, die bellen, beißen nicht", stimmt hier nicht.

Wer über Selbstmord spricht, kann als gefährdet gelten.

Dieser Mensch sollte möglichst umgehend fachärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, also zum Psychiater gehen. Keinesfalls wird man dann sofort in die Klinik eingewiesen. Die allermeisten Patienten mit suizidalen Gedanken können in der Praxis und daher ambulant behandelt werden.

Vor diesem Hintergrund ist eine Studie der Brigham Young University bemerkenswert.

Untersucht wurde die Suizidrate in allen 50 Staaten der USA und zwar im Vergleich zu suizidalen Äußerungen, die in einem Zeitraum von drei Monaten über Twitter abgesetzt wurden.

Das Ergebnis ist hoch spannend, auch wenn es nach meinen einleitenden Worten nicht wirklich überrascht: Die tatsächlichen durchgeführten Suizide korrelierten stark mit den Selbstmord-Tweets. Das bedeutet, dass in Staaten, in denen viel über lebensmüde Gedanken getwittert wird, sich auch viele Menschen tatsächlich suizidieren.

Und noch wichtiger: Die Untersucher konnten auch anhand der Tweets den Usern ein Risiko-Potential bezüglich deren eigener Selbstmordgefährdung zuordnen.

Michael Barnes, einer der an der Studie beteiligten Professoren, sieht hier eine Möglichkeit für Prävention: In Twitter aktive Suizid-Hotlines könnten selbstmordgefährdete Menschen direkter erreichen als auf dem üblichen Weg via Telefon.

Social Media als Lebensretter: Mal was anderes als Cybermobbing-Storys.