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22/03/2016 10:16 CET | Aktualisiert 23/03/2017 06:12 CET

Eine Million Ultra HD-Fernseher in Deutschland (fast) ohne Programm. Wird es noch billiger?

OJO Images via Getty Images

Wer sich einen neuen Fernseher anschaffen will, der lebt gerade in der besten aller Welten. Egal ob Philips, LG, Samsung, Sony oder was auch immer- es lohnt sich in der Regel, nach Preisnachlässen und Zugaben zu fragen. Bei LG gibt es aktuell sechs Monate Netflix-Abo für viele Modelle dazu geschenkt. Philips bietet sechs Monate Maxdome. Neue Fernseher für weniger Geld haben ständig fast alle. Der Preisverfall geht weiter. Und die Konsumenten, wenn sie denn kaufen, greifen immer öfter zum "UHD"-TV. Je schärfer, je besser- denn auch die neuen Wunder-Fernseher werden rasant billiger.

Die gfu muss das natürlich etwas optimistischer sehen. "Für das laufende Jahr prognostizieren wir eine ebenfalls stabile Marktentwicklung", so Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender des Aufsichtsrats der gfu Consumer & Home Electronics GmbH. "Dabei werden sich der TV-Bereich und damit die klassische Unterhaltungselektronik erstmals seit fünf Jahren wieder positiv entwickeln. Der ungebrochene Trend zu großformatigen Fernseh-Geräten und eine deutliche Steigerung des Absatzes von UHD-TVs wird dies begründen und zu einem Umsatzwachstum bei TV-Geräten um 3,7 Prozent führen. Dabei erwarten wir auch einen Anstieg des Durchschnittspreises aller verkauften TV-Geräte um rund vier Prozent auf 600 Euro."

Das "ebenfalls" bezieht sich auf den "Consumer Electronics Marktindex Deutschland" (CEMIX) 2015, den die gfu gemeinsam mit dem "Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V." erstellt. Der weist für "Consumer Electronics" in Deutschland mit insgesamt 0,4% Umsatzminus so etwas wie eine "stabile" Marktentwicklung für das Vorjahr aus. Allerdings nicht für Fernseher. Deshalb sollen viele Millionen neu verkaufte UHD-Fernsehgeräte in diesem Jahr den Umsatz aus dem schon lange anhaltenden Tal der Tränen führen.

Im Gesamtumsatz der "Consumer Electronics" sind schließlich auch die Smartphones enthalten. Die verzeichneten 2015 mehr als 11% Umsatzplus und mit Smartphones wurden im Vorjahr in Deutschland fast 10 Milliarden Euro umgesetzt. Da fallen die 10% Umsatzminus bei TV-Geräten (Gesamtumsatz etwa 4 Milliarden) nicht so sehr ins Gewicht. Bei der Stückzahl sank der Fernseher-Absatz sogar um gut 14%, so dass der Verkaufspreis des Durchschnitts-TV von 555 Euro 2014 auf 575 Euro stieg.

Das waren in etwa auch schon die für 2016 erhofften 4%. Die Größe und die Ausstattung des Durchschnitts-Fernsehers dürfte in ganz anderen Raten gewachsen sein. Zum Beispiel eben durch Ultra-HD. Rund eine Million UHD-Geräte wurden laut gfu 2015 in Deutschland verkauft, das ist immerhin schon etwa jeder siebente Fernseher, der über den Ladentisch ging. Auch die Durchschnittsgröße des Bildschirms sollte wieder deutlich gewachsen sein.

Ob das angestrebte Umsatzwachstum realistisch ist? Ich habe da Zweifel. Allerdings werden die Verkaufspreise wohl nicht weiter wie in bisherigem Maß sinken können. Denn das tun sie ja unter dem Strich, wenn ein größerer und weit besser ausgestatteter Durchschnitts-Fernseher für gerade einmal 4% mehr als im Vorjahr verkauft wird. Die Hersteller haben bei der Einsparung von Materialverbrauch und sicher auch Arbeitszeit schon viel erreicht. Mittlerweile bestimmt auch Grenzen. Der Euro sieht nicht so gut aus im Vergleich zum Dollar, mit dem in Asien abgerechnet wird. Es wird also nicht mehr viel billiger werden- nur kleine Bildschirmgrößen ohne UHD werden vielleicht bald verschenkt.

Aber möglicherweise irre ich mich ja auch. Denn das Geschäft der Zukunft ist Software, nicht Hardware. Und 3,7% Umsatzwachstum bei 4% teureren Geräten würde ja leicht sinkende Stückzahlen bedeuten. Die Mega-Fabriken in Asien werden aber ständig größer und schneller. Dann gibt es eines nicht mehr so fernen Tages vielleicht den Ultra-HD Fernseher als Zugabe zum Netflix- oder Maxdome-Abonnement.

Jetzt fehlt für die Millionen UHD-Fernseher in den Haushalten nur noch ein Fernsehprogramm. Denn außer Shopping- und "Demo"-Kanälen gibt es für Deutschland nach wie vor keinen einzigen UHD-Sender.

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