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25/06/2015 05:41 CEST | Aktualisiert 25/06/2016 07:12 CEST

Der "Bones"- Test. Warum ich keine Lust mehr auf das alte Fernsehen habe

Also, ich erlebe es so: "Bones" auf RTL, da finden sie immer zuerst eine Leiche. Die sieht meist sehr unappetitlich aus. Danach Trailer, Werbung, Werbung, Trailer, Werbung. Am passendsten für etwas Gutes zum Essen.

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Ja, ich gebe es zu: Ich mag "Bones". Also "die Knochenjägerin", wie die Serie bei uns auf Deutsch so schön erklärend heißt. Das ist Geschmackssache.

"Bones" kommt eigentlich von Rupert Murdochs "Fox Channel" aus den USA, also von da, wo die letzten Sarah Palin-Fans sitzen.

"Bones" ist dementsprechend politisch eher sehr, sehr konservativ. Also zum Beispiel für die Todesstrafe. Da habe ich schon so meine Zweifel.

Aber bei "Boston Legal" habe ich gelernt, dass Denny Crane zwar mit Sicherheit nicht alle Latten am Zaun hat, es aber praktisch eigentlich kaum vorstellbar ist, ihn nicht zu mögen. Also, ich mag den strammen Republikaner Denny Crane und ich mag auch "Bones".

"Bones" ist natürlich auch in den USA ein Mega-Erfolg, da ist gerade die 10. Staffel durch und es geht immer weiter.

Bei uns in Deutschland läuft derzeit die Staffel 9. Bisher habe ich oft bei RTL vorbeigeschaut, um der "forensischen Anthropologin" dabei über die Schulter zu sehen, was man denn so alles zwischen Maden, Fleischresten und alten Knochen herausfinden kann. Damit ist jetzt Schluss.

Schuld daran ist nicht Dr. Temperance Brennan, wie "Bones" mit vollem Namen heißt, sondern schuld ist Amazon Prime. Da gibt es die ersten acht Staffeln "Bones" zu sehen und die für Deutschland aktuelle neunte Staffel gibt es auch, diese natürlich aber nur gegen zusätzliches Geld.

Eigentlich dachte ich bisher, es sei verschwendete Zeit, sich dort noch einmal Serien anzuschauen, die man irgendwann im bisherigen Fernsehen schon weitestgehend und oft sogar schon weitestgehend mehrfach gesehen hat.

Nein. Ist es nicht. Es kann sogar ein "Aha"-Erlebnis sein, insbesondere bei den Top-US-Serien, die bisher ja meistens nur im werbefinanzierten Fernsehen bei RTL und Co. zu sehen waren. Theoretisch zu sehen waren, so wäre vielleicht die bessere Formulierung.

Denn, wenn Sie es noch nicht getan haben, probieren Sie es doch einfach einmal aus. Mit "Bones" zum Beispiel.

Also, ich erlebe es so: "Bones" auf RTL, da finden sie immer zuerst eine Leiche. Die sieht meist sehr unappetitlich aus. Danach Trailer, Werbung, Werbung, Trailer, Werbung. Am passendsten für etwas Gutes zum Essen.

Dann wird die Leiche auseinander genommen. Dabei finden sie etwas Tolles heraus. Das isses aber nicht. Dann gucken Sie noch einmal und noch genauer und finden etwas noch Tolleres heraus. Dann kommt der Trailer. Dann Werbung, Werbung, Werbung und noch ein Trailer.

Ich habe deshalb derweil auf vielen anderen Kanälen herumgezappt. Als ich zurück bin, wird der Mörder verhaftet. Warum, das habe ich verpasst oder vergessen. Wenn ich es will, die Zeit habe und es nicht ebenfalls vergesse, dann geht es in einer Woche weiter.

Das ist "Bones" im bisherigen Fernsehen. Im Streaming bei Amazon läuft die Episode durch. Die Bildqualität ist besser.

Die Nadelbäume im Wald, in dem die Leiche liegt, haben plötzlich Nadeln. Okay, ich bin einfach zu geizig, "HDplus" zu bezahlen, nur um ein ordentliches Fernsehbild zu bekommen.

Und dann die Leiche... naja, lassen wir das. Es geht ja weiter und es kommt keine Werbung, auch nicht für Essen.

Plötzlich sehe ich eine ganz andere Serie. Interessante Charaktere und Spannungsbögen, die sich über viele Serienfolgen entwickeln. Man hatte bisher zwar schon hin und wieder geahnt, da könnte mehr sein. Aber nun sieht man Zusammenhänge eben zusammen.

Dazu kommen diverse Details und Gags, die ich jetzt neu verstehe, weil sie sich auf Inhalte beziehen, die weiter vorn gezeigt wurden. Und wann es weitergeht, das bestimme ich.

Okay, manchmal merkt man auch das schon etwas verkrampfte Bemühen der Drehbuchschreiber, etwas zu konstruieren, was den Zuschauer über die eingeplante Werbepause hinaus wach und vor allem dranbleiben lässt. Denn eigentlich, siehe oben, ist die Serie ja für Fox und damit das "alte Fernsehen" konzipiert.

Trotzdem entsteht beim Anschauen "im Zusammenhang" ein völlig anderes Zuschauer-Erlebnis. Also ich, ich habe "Bones" zum ersten Mal bei Amazon Prime gesehen. Und das war keine verschwendete Zeit. Verschwendete Zeit war es allerdings davor, "Bones" auf RTL zu schauen.

Denn dort habe ich die Serie nicht wirklich gesehen. Gezeigt wurde mir ein Fragment, ein Puzzle, welches ich dann selbst zusammensetzen sollte. Aber so wichtig war mir die Serie dann doch nicht.

Probieren Sie es doch mal selbst. Also ich werde in Zukunft keine Zeit mehr mit Puzzles und Fragmenten verschwenden. Wo man doch jetzt Serien wie "Bones" tatsächlich anschauen kann.


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