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09/12/2015 03:01 CET | Aktualisiert 09/12/2016 06:12 CET

Deutschland, wie geht es dir?

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Wie geht es Deutschland? Deutschland geht es sehr gut. Oder zumindest geht es offenbar so vielen Menschen so gut, dass sie sich wenig Verbesserung ihrer Lage durch uns Politiker*innen erwarten. Doch die Frage ist zu allgemein gestellt, um sie so pauschal zu beantworten, denn es gibt bei aller wirtschaftlichen Euphorie und sinkender Arbeitslosigkeit auch viele Verlierer*innen.

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Die global agierende Wirtschaft bringt auch in Deutschland immer mehr prekär Beschäftigte zutage. Immer mehr Menschen arbeiten mit Werkverträgen oder auf Leiharbeiterbasis ohne soziale Absicherung zum Beispiel in der Fleischindustrie.

Und auch unserer Umwelt geht es nicht blendend. Die Klimakrise ist zwar in aller Munde, aber immer noch gibt es nicht einmal einen Plan zum Kohleausstieg. Und wenn ich zum Beispiel an das Grundwasser im Nordwesten denke, dann ist klar, dass die industrielle Landwirtschaft dieses Menschenrecht auf Wasser arg gefährdet. Die Nitratwerte steigen wieder, doch Gülle und Gärreste werden weiterhin aufs Land gebracht, auch wenn der Boden den Stickstoff nicht aufnehmen kann.

Grundnahrungsmittel Wasser bald sehr teuer


Wenn das so weiter geht, wird das Grundnahrungsmittel Wasser bald so teuer sein, dass nur noch gehobene Einkommensschichten es sich werden leisten können. Ein falsches Verständnis des Wachstumsbegriffes gefährdet das Leben von immer mehr Menschen in bislang nicht gekannten Dimensionen: Auf einem begrenzten Planeten ist nicht begrenztes Wachstum Blödsinn!

Und noch ein Problem ist in den letzten Jahren auf einmal wieder in den Blickpunkt geraten: die Außenpolitik. Ukraine, Afghanistan, Libyen, Nigeria, Somalia, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Irak und jetzt vor allem natürlich Syrien.

Lange war die weite Welt für viele Menschen in unserem Land eher ein Thema für die Urlaubsplanung, aber von der politischen Wahrnehmung weit entfernt. Doch wenn Kriege näher an unser Land heranrücken und Flüchtlinge nicht mehr an Europas Grenzzäunen scheitern, sondern zu uns kommen, wird klar, dass die Welt nicht nur ein Absatzmarkt für unsere Exportwirtschaft ist.

Krieg ist keine Lösung


Nun ist das Geschrei groß, und der Ruf nach Aktionismus wie aktuell nach Militäreinsätzen gegen die Daesh-Terroristen wird gerne aufgenommen. Doch Krieg ist keine Lösung gegen die Gewaltprobleme dieser Welt.

Nötig sind stattdessen eine drastische Stärkung der diplomatischen Arbeit, eine Stärkung und (!) Demokratisierung des VN-Systems sowie echte Strategien zur Bekämpfung der Konflikt- und damit auch Fluchtursachen. Hierzu gehört insbesondere der Stopp der lukrativen Rüstungsexporte sowie eine menschenrechtsbasierte Außenpolitik auch im Verhältnis zu wichtigen NATO-Partnern wie der Türkei oder Wirtschaftspartnern wie Saudi-Arabien oder Katar.

Doch es gibt auch Mut machende Veränderungen in unserem Land. In Oldenburg werden Lastenfahrräder kostenlos verliehen, beim CarSharing beteiligen sich mehrere tausend Menschen, es gibt monatlich Repair Cafés, in Oldenburg z.B. in Kooperation mit dem Staatstheater, das Museum für Konsumwahn zeigt die Absurditäten der Industriekonzerne auf und das „Amt für materielle Abrüstung" beantragt z.B., den Laubbläser zu verbieten.

Die Uni ist bundesweit ganz vorne bei Forschung und Lehre zur Postwachstumsgesellschaft, eine Kulturgenossenschaft kauft ein Veranstaltungshaus, um Probenräume zu erhalten, Fahrrad-Enthusiasten besorgen und reparieren für Flüchtlinge Fahrräder und bringen ihnen das Radfahren bei, Studierende organisieren Sporthallen an der Uni für Flüchtlinge und geben Sportunterricht.

Und auf dem Land geht auch schon so manches: In Westerstede im Landkreis Ammerland setzt der BürgerBusverein mehr Mobilität in die Tat um. Dort, wo sich der öffentliche Nahverkehr schon vor Jahren verabschiedet hat, verzahnt ein Verein verschiedene Verkehrsträger klug miteinander, damit auch im ländlichen Raum Menschen mobil bleiben.

Alles das geschieht ehrenamtlich, weil den Menschen ein anderer Lebensstil wichtig ist. Ein Lebensstil, der das Klima schützt und Ressourcen schont. Das macht Mut!

#auchichbindeutschland: Sie sind in Deutschland geboren oder aufgewachsen, werden aber nicht als "Deutsche" gesehen

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