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15/04/2016 13:30 CEST | Aktualisiert 16/04/2017 07:12 CEST

Der Befreiungsschlag - wie Frau Merkel auf die Kanzlerkandidatur verzichten sollte

Sean Gallup via Getty Images

Der Fahrplan ist gesetzt, einige große Gesetzespakete werden noch umgesetzt, einige bleiben umstritten und einige kleinere werden vielleicht noch geklärt. Aber eines ist klar, dem Koalitionsgespräch fehlte der Mut zum Befreiungsschlag. Denn nun wirft der Wahlkampf seine Schatten voraus. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass in diesem Wahlkampf die Kanzlerin für die Union zur Belastung wird.

Denn voraussichtlich genau in dieser Phase wird sich das Verfassungsgericht mit der Verfassungsklage von sechs namhaften Juristen befassen, mit der Klage, ob dieses selbstherrlich mutige Öffnen der Grenzen im Oktober letzten Jahres verfassungswidrig war. Und diese Meinung wird ja auch von Rechtsgutachten im Auftrag der bayerischen Staatsregierung gestützt. Keine guten Voraussetzungen für einen Wahlkampf ohne Imageschaden.

Ideale Munition für die AfD.

Außerdem eine schwere Belastung für die Zusammenarbeit der beiden Unionsparteien. Und natürlich die bekannte Belastung, ja vielleicht das Ende der Freiheit der europäischen Grenzen. Aber die Kanzlerin ist nicht mehr die, die in diesem neuen Europa erfolgreich vermitteln wird.

Was liegt da näher, als der Kanzlerin einen Weg zum ehrenvollen Abschied zu bieten. Das müsste das zentrale Thema des bevorstehenden Treffens der beiden Unionsparteien im Mai sein. Ein eleganter Weg wäre der Beschluss einer zukünftigen Begrenzung der Amtszeit der Kanzlerschaft auf zwei oder drei Amtsperioden, wie in einem kürzlichen Blog für die Huffington Post vorgeschlagen. Und da könnte sie mit vorbildlichem Beispiel unterstützend vorangehen.

Frau Merkel gäbe mit der Großzügigkeit, auf eine nochmalige Kanzlerschaft zu verzichten, ihrer Union enormen Rückenwind

In den nächsten Monaten beschlossen, schafft es der Union den Freiraum, die von der Kanzlerin nicht vorbereitete Nachfolge aufzubauen und es schafft der Kanzlerin persönlich die Unabhängigkeit, die schwierige entstandene Situation ohne die Belastung von Popularität und Wiederwahl politisch zu meistern. Der Verzicht bietet der Union endlich auch die Freiheit, Themen aufzugreifen, die gerade sie immer wieder abgelehnt hat.

Dazu gehören der bundesweite Volksentscheid (Merkel: "Da können wir die Leute ja auch über den Milchpreis entscheiden lassen") oder ein Einwanderungsgesetz. Beides mit Sicherheit Themen im Koalitionspoker nach der Wahl 2017. Ersteres von den Grünen und das Einwanderungsgesetz von der FDP, die ja vielleicht auch wieder dabei sein wird.

Frau Merkel gäbe mit der Großzügigkeit, auf eine nochmalige Kanzlerschaft zu verzichten, ihrer Union enormen Rückenwind. Der Respekt vor ihrer Lebensleistung wird zunehmen, ihre innere Unabhängigkeit wird ihr zusätzliche Autorität und den Mut auch zu langfristigen und schwierigen Weichenstellungen geben. Gerade nach der letzten Nacht wird sie wissen, dass Kanzlerschaft ein verdammt anstrengender Job sein kann. Es gibt auch ein Leben danach....

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