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02/10/2015 10:05 CEST | Aktualisiert 02/10/2016 07:12 CEST

Neues Instrument im Werkzeugkasten der Innovation

Thinkstock

Mode oder nachhaltiges Modell? Wie die Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen beiden Seiten helfen kann.

Corporate Incubators, Corporate Accelerators, Startup Labs - seit einigen Jahren ist eine Welle der Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen zu beobachten.

Manche sprechen in diesem Zusammenhang von einer Mode, die bald vorüber sein wird, andere von einem Trend, der ein neues, dauerhaftes Modell der Zusammenarbeit zwischen den beiden so unterschiedlichen Welten markiert. Wie also ist dies einzuordnen? Hier der Versuche einer Erklärung.

Alle etablierten Unternehmen stehen heute vor der gewaltigen Herausforderung der Digitalen Transformation. Das betrifft den Mittelstand genauso wie große Konzerne.

Was vor wenigen Jahren in den meisten Branchen noch als etabliertes und dauerhaftes Geschäftsmodell, als fest gefügtes Wertschöpfungssystem, erschien, ist längst in Frage gestellt. Man schaue sich nur die Verlagsbranche an, den Reisesektor oder etwa die Taxibranche.

Ein Großteil des Wettbewerbs kommt durch gut finanzierte Startups zustande die erst seit wenigen Jahren existieren und deren Bewertung in einigen Fällen schnell die der etablierten Konkurrenz überflügelt hat.

Das Besondere an dieser Entwicklung ist das Zusammentreffen von zwei Dingen: einerseits bietet die Digitalisierung gerade Startups die Chance, in nie dagewesener Geschwindigkeit zu wachsen und so binnen kürzester Zeit zu einem ernsthaften Wettbewerber für etablierte Unternehmen zu werden.

Andererseits tun sich erfolgsverwöhnte Konzerne extrem schwer damit, selber disruptive Innovationen hervorzubringen, sich also gewissermaßen neu zu erfinden und sich so dem neuen Wettbewerb überhaupt ernsthaft stellen zu können.

Zentralisierte und oft behäbige Entscheidungswege, Fokus auf eher kurzfristige Ziele, mangelnde Risikokultur und manchmal auch schlichte Kundenferne verhindern regelmäßig ein adäquates (Re)agieren.

Schiere Größe, bisher eine der besten Abwehrstrategien, reicht heute nicht mehr aus oder behindert sogar. Startups greifen nämlich etablierte Wertschöpfungsketten vorzugsweise punktuell an - und die besten schaffen es so, in einem spezifischen Bereich schnell eine große Menge Kunden zu gewinnen.

FinTech Startups etwa versuchen nicht entlang der gesamten Produktpalette mit großen Banken zu konkurrieren, sondern - mindestens zu Beginn - nur in einer kleinen Nische in der sie dann mit überlegener User-Experience die Chance haben, schnell Fuß zu fassen und sich von dort weiter auszubreiten.

Um mit dem sich immer schneller drehenden Innovationskarussell Schritt halten zu können, müssen etablierte Konzerne sich gezielt weiterentwickeln.

Um im Digitalzeitalter nachhaltig erfolgreich zu sein, benötigen sie drei Kernkompetenzen: Erstens müssen sie das Kundenerlebnis entlang ihres angestammten Produktportfolios substanziell zu verbessern.

Zweitens müssen sie in der Lage sein, neue, zukunftsorientierte Geschäftsfelder nicht nur rechtzeitig zu erkennen, sondern diese auch zu erschließen. Und schließlich müssen sie die eigene Organisation auf Agilität und Geschwindigkeit trimmen, um damit langfristig anpassungsfähig zu werden.

In allen drei Bereichen sind (erfolgreiche) Startups bereits sehr gut. Die Zusammenarbeit mit Startups kann deshalb ein entscheidender Vorteil und ein Teil der Lösung für etablierte Firmen sein.

Mit ihren Services können Startups beispielsweise produktdifferenzierende Faktoren in Kernprodukten von Konzernen zuliefern. Gemeinsam mit Startups können neu entstehende Märkte erschlossen werden.

Schließlich kann das Lernen einer Reihe von spezifischen Verfahrens- und Denkweisen (Customer Development, validiertes Lernen, a/b-Testing etc.) von Startups sowie der Einsatz von in der Startup-Welt alltäglichen und effizienzorientierten Tools (Zendesk, Slack etc.) etablierten Organisationen helfen, schneller und effizienter zu werden.

Eine Reihe von Unternehmen macht das heute auch bereits vor: etwa Axel Springer in der Zusammenarbeit mit Plug&Play, Telekom mit dem hub:raum Inkubator, BMW mit der Startup Garage und iVentures oder adidas mit der gelungenen Übernahme von runtastic.

Zentrale Voraussetzung für den langfristigen Erfolg einer solchen Zusammenarbeit ist, dass die Startups genauso von der Kooperation profitieren wie ihre etablierten Counterparts. Neben Geld können Konzerne - basierend auf langjährig etablierten Kundenbeziehungen - Startups hier insbesondere Zugang zu Kunden bieten.

Dafür notwendig ist die Etablierung von pragmatischen Interfaces für eine effektive Zusammenarbeit. Ob dies letztlich in Form von Inkubation, Acceleration oder einer der anderen denkbaren Formen geschieht, hängt von der spezifischen Zielstellung ab.

Notwendig ist jedoch, dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe geschieht, die Betreuung qualitativ tadellos und ohne unnötige Barrieren ist, Verträge fair und marktorientiert sind und die Startups nicht in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt werden.

Dafür muss die betreuende Konzerneinheit tagtäglich eine komplexe Übersetzungsleistung erbringen, gewissermaßen ein Dolmetscher zwischen den beiden Welten sein.

Das Team muss letztlich dafür sorgen, dass das Geld, das ein Corporate in Startups steckt, kein "dummes Geld" ist, sondern als Adapterstecker wirkt, der beide Seiten pragmatisch miteinander verbindet, sodass Startups ebenso profitieren wie die etablierten Unternehmen.

Klar ist: Startups sind nicht die allein selig machende Lösung - etablierte Unternehmen müssen an vielen Schrauben drehen um die digitale Transformation ihres Unternehmens erfolgreich zu gestalten.

Die Zusammenarbeit mit Startups kann aber ein wichtiges neues Instrument im Werkzeugkasten der Innovation sein, ein Puzzlestück im großen Puzzle der Digitalen Transformation.

Peter Borchers wird als Table Captain bei Bits & Pretzels mit dabei sein!

Um das Startup-Ökosystem zu stärken haben die Bits & Pretzels Veranstalter das Table Captain-Prinzip ins Leben gerufen. An jedem Tisch im Schottenhamel-Festzelt wird ein Gast mit besonderer Expertise (CEO, CTO, Investor, Professor, Chief-Editor, etc.), ein sogenannter Table Captain, sitzen. So haben alle Teilnehmer die Möglichkeit in einer angenehmen Networking-Atmosphäre in Konversation mit Experten zu treten und ihr Wissen auf ein anderes Level zu bringen.

Insgesamt werden 300 Table Captains bei Bits & Pretzels mit dabei sein!

  • LeserInnen der Huffington Post bekommen mit dem Zugangscode (BP_HuffingtonPost) auf Bits & Pretzels Tickets einen extra Discount von 10%.
  • Das Gründerfestival „Bits & Pretzels", eines der größten Gründerevents in Europa (www.bitsandpretzels.com), findet vom 27. bis 29. September statt. Über 3.600 Gründer, Investoren und Innovatoren aus aller Welt - vor allem auch aus den Tech-Hochburgen Silicon Valley, London, Tel Aviv, Berlin und natürlich aus München werden erwartet. Als Highlight werden am dritten Tag (29. September) alle 3600 Teilnehmer das Networking im Schottenhamel Festzelt auf dem Oktoberfest ausklingen lassen. Das ist eine Weltpremiere in der 205-jährigen Historie des Oktoberfests.
  • Speaker bei Bits & Pretzels: Unter anderem mit dabei sind die Größen der erfolgreichen digitalen Unternehmen wie Phil Libin (CEO Evernote), Mikkel Svane (Co-Founder & CEO Zendesk), Florian Leibert (Co- Founder & CEO Mesosphere), Pieter van der Does (Co-Founder & CEO Adyen), Florian Gschwandtner (Co-Founder & CEO Runtastic) und Niklas Oestberg (Delivery Hero). Weitere Speaker auf http://www.bitsandpretzels.com/speaker/.

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