BLOG
23/11/2015 05:56 CET | Aktualisiert 23/11/2016 06:12 CET

PETA: Unsere Methoden sind vielleicht schockierend, aber sie sind erfolgreich

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

2015-11-20-1448006450-1601349-hermespeta.jpg

Als ich und ein paar Freunde vor 35 Jahren PETA gründeten, waren „Tierrechte" noch niemandem ein Begriff. Wir hatten keine Kampagnenstrategie. Alles was wir wussten war, dass wir etwas für die Tiere verändern wollten - für all die Tiere, die zur Nahrungsmittelgewinnung oder auf Pelzfarmen, im Versuchslabor oder im Zirkus getötet wurden. Wir zögerten nicht, sondern stürzten uns mit aller Kraft in das Projekt.

PETAs allererster Fall - die richtungsweisende Schlacht um die Affen von Silver Spring 1981 - führte zur ersten Festnahme und Verurteilung eines Tierexperimentatoren in den USA wegen Tierquälerei. Es folgte außerdem die erste offizielle Konfiszierung von Tieren, die in einem Versuchslabor missbraucht wurden und wir erreichten den ersten Sieg im Namen tierischer Versuchsobjekte vor dem Verfassungsgericht der USA. Seitdem haben wir nie aufgehört, gegen Tierquälerei zu kämpfen - und wir konnten immer neue Erfolge verzeichnen.

Bei PETA geht es nicht nur um ein einziges Thema. Für uns macht es keinen Unterschied, wer oder welche Industrie ein Tier irgendwo auf der Welt misshandelt. In unserer Anfangszeit erreichten wir die Menschen per Post und Telefon. In den letzten Jahren wuchs unsere Präsenz in den sozialen Medien schnell und immer weiter an. Wir entwickelten die beiden Projekte „I, Orca" und „I, Chicken" als virtuelle Wirklichkeit mit Google.

Und wir arbeiten „von innen heraus", indem wir Aktien vieler Firmen kaufen, gegen die wir Kampagnen führen (so können wir Aktionärsanträge stellen). Wir haben Schwesternbüros in Großbritannien, Indien, Teilen Ostasiens, Australien und Deutschland und gewinnen weltweit mehr und mehr an Einfluss.

Die lateinamerikanische Gemeinschaft trägt viele unserer Kampagnen und ca. 40 Millionen Menschen besuchen pro Monat das Facebook-Profil von PETAs spanischsprachiger Website PETA Latino. Wir sind auch bereit, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten - selbst mit denen, die wir öffentlich für ihren Umgang mit Tieren kritisieren.

Tierquälerei: Das Schweigen durchbrechen


Unsere Philosophie lautet: Schweigen ist der größte Feind jedes sozialen Anliegens. Deshalb nutzen wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel, dieses Schweigen zu durchbrechen und ein Thema in die Öffentlichkeit zu rücken. Die meisten Menschen wollen nicht wissen, dass Tiere im Schlachthof in Brühbädern getötet werden; dass sie in der landwirtschaftlichen Tierhaltung in Käfigen leben müssen, die so klein sind, dass sie sich noch nicht einmal darin umdrehen oder ihre Flügel ausstrecken können; dass Tiere ihres Felles wegen per Elektroschock getötet oder lebendig gehäutet werden; dass sie im Labor Stromschläge bekommen, vergiftet, verbrannt, aufgeschnitten und verstümmelt werden oder man sie erblinden lässt; dass Tiere im Zirkus fast dauerhaft angekettet und eingesperrt sind usw.

Doch es ist nicht unsere wichtigste Aufgabe, den Menschen ein gutes Gefühl zu geben. Wir wollen sicherstellen, dass das Leid misshandelter Tiere so vielen Menschen wie möglich bekannt ist.

In einer Welt mit einer Aufmerksamkeitsspanne von 140 Zeichen sorgen provokative Kampagnen dafür, dass ein wichtiges aber trauriges Thema sichtbar und von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Denn viele Menschen interessieren sich nun einmal mehr für die Kardashians als für die Tiere, die in Laboratorien und Klassenzimmern aufgeschnitten werden.

Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass es auffällige und kontroverse Aktionen - wie „lieber nackt als im Pelz" - auf Titelseiten schaffen und so Menschen im ganzen Land, oft sogar auf der ganzen Welt, über ein ernstes Thema informieren können. Wenn ich etwas sage, dann wird es wahrscheinlich nicht weiter getwittert. Sagen aber Paul McCartney oder Pamela Anderson etwas, dann hören die Menschen zu - ganz egal, ob sie diesen bestimmten Promi mögen oder nicht.

Unser Ziel ist es, dass Tiere in Frieden leben können


Wir sind schonungslose Abolitionisten: Unser Ziel ist es, dass Tiere in Frieden leben können. Doch vielen Kritikern (und Unterstützern) von PETA ist nicht klar, dass wir auch Pragmatiker sind. Wir sind bereit, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten - selbst mit denen, die wir öffentlich für ihren Umgang mit Tieren kritisieren. Nach zweijährigen Verhandlungen mit - und über 400 Demonstrationen gegen - McDonald's weltweit, erklärte sich das Unternehmen als erste Fast Food-Kette bereit, grundlegende Tierschutzverbesserungen in der landwirtschaftlichen Tierhaltung durchzusetzen.

Innerhalb eines Jahres zogen Burger King und Wendy's nach. Und innerhalb von zwei Jahren stimmten auch Supermarktketten wie Safeway, Kroger, and Albertson's zu, strengere Richtlinien durchzusetzen, um das Leben all der Tiere zu verbessern, die zur Nahrungsmittelgewinnung getötet werden. Multipliziert man diese kleinen Veränderungen mit den Milliarden von Tieren, die jährlich genutzt werden, konnten wir auf diese Weise viel Leid verhindern.

Wir haben Mobil, Texaco, Pennzoil, Shell und andere Ölfirmen davon überzeugt, ihre Schornsteine abzudecken. So konnten Millionen Vögel und Fledermäuse davor bewahrt werden, in die Schornsteine hineinzufliegen und bei lebendigem Leib zu verbrennen. Unsere Kampagne gegen den Einsatz lebendiger Schweine und Frettchen in Auto-Crashtests von General Motors hat erreicht, dass alle derartigen grausamen und tödlichen Tierversuche weltweit eingestellt wurden. Als PETA ganz am Anfang stand, dachten viele Menschen noch, ein „Veganer" sei ein Einwohner von Las Vegas.

Es kommt nicht von Ungefähr, dass der Zirkus Ringling Bros. seine Elefantenshow nach jahrelangem Druck seitens PETA nun einstellt. Es ist auch kein Zufall, dass SeaWorld mit allen Mitteln gegen den Untergang seines Geschäftsmodells ankämpft, da sich immer mehr Menschen abwenden.

Als PETA gegründet wurde, bestand die Kosmetikindustrie noch darauf, dass Tierversuche unverzichtbar seien. Heute weigern sich bereits über 1.500 Firmen, ihre Produkte an Tieren zu testen. Viele fortschrittliche Wissenschaftler arbeiten nur noch mit hochentwickelten tierfreien Testmethoden, um Krankheiten und lebensrettende Techniken zu erforschen.

PETA wird oft vorgeworfen, zu sehr zu schockieren, zu viel zu fordern, zu provokativ zu sein oder extreme Methoden einzusetzen. Man verfluchte uns, weil wir Kindern rieten, keine Frösche zu sezieren; weil wir uns dafür einsetzen, dass alle Pitbulls kastriert werden; weil wir alte, kranke oder aggressive Hunde und Katzen, die von „No Kill"-Tierheimen abgewiesen werden, einschläfern.

Und natürlich, weil wir nie etwas beschönigen, sondern das bestätigen, was eigentlich bereits bekannt ist. Für die Tiere geht es um Alles. Und die Gesellschaft ändert sich Stück für Stück, während wir am Ball bleiben. Als PETA noch ganz am Anfang stand, dachten die Menschen, ein „Veganer" sei ein Einwohner von Las Vegas - heute weiß fast jeder, was ein Veganer ist oder ist selbst einer.

Wenn man etwas unternimmt, führt das zu Veränderung. Irgendjemand muss schließlich ein Zuhause für einen ausgesetzt Hund finden; jemand muss Beweise sammeln, damit die Jungs, die eine Katze angezündet haben, vor Gericht gestellt werden; jemand muss den Menschen das Video von den Elefanten zeigen, die hinter dem Zirkuszelt geschlagen werden; jemand muss Alternativen zu Schinken oder Hühnchen vorschlagen.

Jemand muss sich um die Kuh kümmern, der man ins Gesicht getreten hat; jemand muss protestieren, wenn „Versuchsaffen" in ihren winzigen Käfigen verrückt werden; jemand muss die Medien informieren, wenn ein Pferd zusammenbricht, das eine schwere Kutsche hinter sich herzieht; jemand muss Petitionen gegen Hundekämpfe, Stierkämpfe und Pelzfarmen starten; und jemand muss Firmen dazu bringen, moderne, humane Testmethoden einzusetzen. Ich hoffe, dass Sie dieser „jemand" sein werden; PETA wird in jedem Fall auch immer so ein „jemand" sein.

Gastbeitrag von Ingrid E. Newkirk, Präsidentin von PETA USA

Video: Furiose Katzenmutter schlägt zwei Tierquäler in die Flucht

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite