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10/10/2015 12:56 CEST | Aktualisiert 10/10/2016 07:12 CEST

Warum dem Affen das Recht auf sein Selfie zusteht

Peta

Als vor 40 Jahren Peter Singers Buch Animal Liberation veröffentlicht wurde, wurde es als bahnbrechend betrachtet, vielleicht sogar als radikal. Heute lautet die Frage nicht mehr, ob Tieren grundlegende Rechte zugestanden werden sollten, sondern vielmehr: Warum sollten sie das nicht?

Wie auch Singer beschreibt, erfordert es das grundlegende Prinzip der Gleichberechtigung nicht, dass wir alle Lebewesen auf gleiche Weise oder identisch behandeln - niemand fordert das Wahlrecht für Schimpansen oder dass Hunde Autofahren dürfen. Es geht vielmehr um die gleiche Berücksichtigung von Bedürfnissen und Interessen.

Es waren schon immer unsere Vorurteile, die es uns ermöglichten, anderen das Recht auf die gleiche grundlegende Respektierung ihrer Interessen zu verwehren, die wir für uns selbst beanspruchen.

Der Autor Henry Beston beschrieb dieses Gesamtbild bereits in seinem Buch The Outermost House von 1928:

In einer Welt, älter und vollkommener als unsere eigene, leben [Tiere] vollendeter und vollständiger, begnadet mit Erweiterungen von Sinnen, die wir längst verloren haben oder die wir niemals erlangten, mit Stimmen, die wir niemals hören werden. Sie sind keine Brüder und keine Untergebenen; sie sind andere Nationen, gefangen mit uns zusammen im Netz des Lebens und der Zeit, Mitgefangene der Pracht und der Mühen auf Erden.

Der Ethiker Dr. Marc Bekoff drückt es so aus: „Wir... müssen damit aufhören, vorzugeben, wir wüssten nicht, was andere Tiere wollen und brauchen. Natürlich wissen wir das - sie wollen in Frieden und Sicherheit leben, genau wie wir." Dieses Prinzip muss auch in unser Rechtssystem Einzug finden.

Im Jahr 2011 betrat PETA USA rechtliches Neuland: Der Fall Tilikum gegen SeaWorld war das erste Gerichtsverfahren der Geschichte, das Grundrechte für Tiere anstrebte, indem es davon ausging, dass die Gefangenschaftshaltung von Orcas durch SeaWorld den 13. Verfassungszusatz der USA verletze, der die Sklaverei verbietet.

Genau wie die ersten Gerichtsprozesse, die den Grundrechtsschutz für Afroamerikaner und Frauen einforderten, war auch dieser Fall vorerst nicht erfolgreich. Doch er hat den Weg geebnet für Prozesse, die Tieren eines Tages die Rechte einbringen werden, die sie verdienen.

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Und genau so ein Fall ist der aktuelle Gerichtsprozess von PETA USA zu dem berühmten „Affenselfie". Vor einigen Jahren ließ ein Naturphotograph in Indonesien seine Kamera unbeaufsichtigt liegen.

Ein neugieriger männlicher Schopfaffe konnte nicht widerstehen und nahm einige Bilder auf - eins davon war das „Affenselfie". Warum sollte dieser Affe namens Naruto also nicht das Recht an den Bildern „besitzen", die er aufgenommen hat?

PETA reichte als Narutos Vertreter (in den USA das Prinzip des „next friend") Klage am Bundesgericht in San Francisco ein. Die Forderung lautet, Naruto zum „Urheber" und Besitzer seines Bildes erklären zu lassen.

Sollte dieser Prozess Erfolg haben, wäre das das erste Mal, dass ein nicht-menschliches Tier zum Besitzer von Eigentum erklärt würde - nicht zum Eigentum selbst.

Wir befinden uns an einem Punkt in der Menschheitsgeschichte, wo es moralisch notwendig ist, anzuerkennen, dass Tiere einen inhärenten Wert haben - einen Wert, der mit ihrem Nutzen für den Menschen absolut nichts zu tun hat.

Das bedeutet, dass wir als zivilisierte Gesellschaft unsere Herzen für andere öffnen müssen, die nicht wie wir aussehen, nicht die gleiche Sprache sprechen oder Kultur haben und dass wir unsere tief eingebrannten Vorurteile in Frage stellen müssen. Dass wir uns Veränderungen verwehren, ist sowohl erlernt als auch instinktiv - es ist weder gedanklich hervorgebracht noch ethisch.

Um unsere Vorurteile loszulassen, braucht es Gedanken, Mühe und Mitgefühl - und manchmal auch einen Präzedenzfall.

Jeff Kerr ist als Rechtsberater bei der PETA Foundation tätig.

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