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12/04/2016 09:03 CEST | Aktualisiert 13/04/2017 07:12 CEST

Was darf Satire? ALLES!

dpa

Was man so nicht sagen darf. Das Motto und der Name meines Blogs. Wie könnte ich also Ruhe bewahren, wenn ich die Nachrichten über Jan Böhmermanns "Schmähgedicht" über Erdogan höre.

Ja, man mag von Jan halten, was man will, von dem Gedicht übrigens auch. Doch ist es bereits strafbar, etwas zu sagen, wenn man vorher schon ankündigt, dass man es so eigentlich nicht sagen darf? Wie weit darf Satire gehen?

Ich bin der Meinung: Satire darf alles! Wie könnten wir ohne Satire die Grausamkeiten dieser Welt ertragen?

Die Definition von Satire

Doch schauen wir uns erstmal an, was Satire eigentlich ist. Auf Wikipedia ist zu lesen:

"Satire ist in der älteren Bedeutung des Begriffs eine Spottdichtung, die Zustände oder Missstände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisiert. Im heutigen Sprachgebrauch versteht man darunter aber meist einen künstlerisch gestalteten Prosatext, in dem Personen, Ereignisse oder Zustände verspottet oder angeprangert werden.

Historische Bezeichnungen sind auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete satirische Schmähschrift).

Das Wort Satire entstammt dem lateinischen satira, das wiederum aus satura lanx hervorgeht und ‚mit Früchten gefüllte Schale' bedeutet. Im übertragenen Sinn lässt es sich mit ‚bunt gemischtes Allerlei' übersetzen. In früherer Zeit wurde Satire fälschlicherweise auf Satyr zurückgeführt, daher die ältere Schreibweise Satyra."

Es war eine Provokation

Darf es also sein, dass ein bekannter Satiriker von einem deutschen Staatsanwalt angeklagt wird, weil er das macht, was er vorher bereits tat und was alle von ihm erwarten: Satire! Und ja, es wurde im Vorfeld klar kommuniziert, dass man das so nicht sagen dürfe.

Was scheinbar die wenigsten mitbekommen haben, da der Beitrag schnell vom Netz kam. Die einzige Version, die noch im Internet rumgeistert, enthält nur das Gedicht selber. Doch auch da wird schnell klar, wie es gemeint ist. Was auch irgendwie bei gewissen Menschen nicht anzukommen scheint.

Ist Satire nicht Ausdruck von etwas, das wir alle denken, doch keiner sich auszusprechen wagt, nur etwas überspitzt? Auch wenn bei dem Gedicht die Satire an ihre Grenzen stößt ...

Wie fing das Ganze überhaupt an und was bewegte Jan meiner Meinung nach überhaupt, dieses "Schmähgedicht" zu verfassen? Ich kann nur für mich persönlich sprechen, wenn ich sage, beziehungsweise schreibe, was ich denke: Es war eine Provokation und ich hätte nicht anders reagiert.

Der ganze Wahnsinn Erdogans

Ich hätte auch gerne herausgefunden, was passiert, wenn man etwas sagt, was man so nicht sagen darf. Als das Lied Erdowie, Erdowo, Erdogan von Extra 3 im NDR publik wurde, hatte man den deutschen Botschafter in die Türkei einberufen. Was dem Video natürlich nur noch mehr Popularität brachte und er sogar vom Extra3 Team zum Mitarbeiter des Monats gekürt wurde. Besser hätte es nicht laufen können.

Aktuell war er nun bereits dreimal dort. Das muss man sich vorstellen, wegen eines Liedchens, das beschreibt, was Herr Erdogan wirklich getan hatte und immer noch tut. Ein paar Tage später greifen seine Bodyguards sogar Journalisten außerhalb der Türkei direkt an ... Was den ganzen Wahnsinn Erdogans nur noch deutlicher macht.

Auch ich musste die Erfahrung machen, dass es Leuten aufstößt, wenn ich etwas ausspreche, beziehungsweise schreibe, was einigen sauer aufstößt, auch ohne so ein "Schmähgedicht". Doch hey, es zwingt sie keiner meine Beiträge zu lesen.

Auch würde ich meine Energie nicht darauf verschwenden, mich über jeden Beitrag, der mir nicht gefällt, aufzuregen oder ihn gar zu kommentieren. Wozu? Die meisten tun es ja, um ihren Frust rauszulassen, der mit dem Beitrag allerdings nichts zu tun hat.

Sich den Mund nicht verbieten lassen

So könnte man ja weitergehen und jeden dumm anmachen, der sich nicht so verhält, wie es mir in mein Weltbild passt. Wenn ich also eine mächtige Frau wäre, stünde es mir zu, jeden anzuklagen, oder ihn wegzusperren, der sich nicht so äußert, wie ich es wünsche oder wie ich für richtig halte?

Erinnert mich irgendwie an Nordkorea und ja, auch an die Türkei. Wir sollten uns den Mund nicht verbieten lassen, schließlich war es ein langer Weg bis hierhin.

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Und ich persönlich finde es mehr als lächerlich, wegen Satire und einem Gedicht, das im Vorfeld als "verboten" ausgewiesen wurde, so einen Wind zu machen. Das sollte nun aber nicht allen braunen Kameraden den Freifahrtschein geben, Hetze zu betreiben und menschenverachtende Parolen zu brüllen und zu meinen, es sei Satire oder die freie Meinung. Das ist es nämlich in dem Fall nicht!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf meinem Blog.

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