BLOG
19/04/2016 11:21 CEST | Aktualisiert 20/04/2017 07:12 CEST

Das Geschäft mit dem Studientraum

Blend Images - Jade via Getty Images

Oxford. Alexander steht auf dem geräumigen Innenhof des Christ Church Colleges der Universität Oxford. Ab Oktober wird er hier zu den Studenten gehören. Politikwissenschaften, Philosophie und Volkwirtschaft heißt sein Studiengang. „Ein bisschen Überwindung hat es schon gekostet, mich hier zu bewerben."

Für den 17-jährigen Münchener war es ein großer Schritt, sich im Ausland zu bewerben - und dann auch noch in Oxford. Lange zögerte er, doch dann stieß er im Internet auf eine Organisation, die ihm anbot, für einige Hundert Euro bei der Bewerbung zu helfen. Er klickte.

Alexander ist bei weitem nicht der einzige deutsche Schüler, der sich 2015 in Oxford beworben hat. Fast 15.000 Deutsche studieren laut dem "UK Council For International Student Affairs" zurzeit in Großbritannien.

Der Studientraum hat seinen Preis

Für die meisten führt der Weg über das Internet, um mehr über den Studienort, die Aufnahmebedingungen und den Bewerbungsprozess herauszufinden. Als einen der ersten Treffer: Websites von Organisationen, die versprechen einem den Weg an britische Unis zu erleichtern und die potentiellen Studenten durch den Bewerbungsprozess zu begleiten. Doch das soll seinen Preis haben. Um die 900 Euro kostet das Korrekturlesen der Bewerbungsunterlagen, eine Einzelstunde ganze 190 Euro.

Gegen diesen Trend wehren sich jetzt immer mehr Studenten und Vertreter von Universitäten. Für sie suggerieren diese Seiten vor allen Interessierten aus finanziell schwächeren Haushalten: Wenn Du nicht einmal diese finanzielle Hürde nehmen kannst, bist Du hier nicht willkommen.

Deshalb bieten sie ihre Hilfe und Unterstützung jetzt kostenlos an. Früher lief so etwas über „jemanden, der jemanden kennt, dessen großer Bruder in England studiert", mit anderen Worten: Netzwerke. Wer nicht Teil dieser Netzwerke war, hatte schlechte Karten. Auch das soll sich jetzt ändern.

Mentoren begleiten im Bewerbungsverfahren

Das Portal projectaccess.co zum Beispiel bietet jetzt kostenlos Unterstützung von Studenten, für Studenten. Jeder Bewerber erhält einen Mentor, der bereits an der angezielten Uni das gewünschte Fach studiert. Ob in Oxford, Cambridge, London oder sogar den Vereinigten Staaten.

Neben Skype-Gesprächen liest der Mentor seine Unterlagen Korrektur, probt Interviews und hilft bei der Vorbereitung auf Tests. In Dänemark hat sich projectaccess.co bereits etabliert: In Cambridge stiegen die Bewerberzahlen aus Dänemark innerhalb eines Jahres um 140 Prozent.

„Manchmal ist das alles ein bisschen überwältigend, wenn man dann auf einmal in Oxford zu den Interviews steht. Jemanden dort zu haben, der einen darauf vorbereitet, war unheimlich nützlich", berichtet Markus, der ehrenamtlich von einem Studenten aus Oxford unterstützt wurde.

In Markus' Fall war das der Däne Rune Kvist, der die Initiative projectaccess.co mitgegründet hat. „Letztlich liegt es beim Bewerber, sein Potential auszuschöpfen und sich von der besten Seite zu zeigen. Wir wollen ihnen durch unsere eigenen Erfahrungen dabei unterstützen", meint Rune.

Das Produkt, was Bewerber bei den for-profit und non-profit Seiten wie projectaccess.co erhalten, unterscheidet sich meistens kaum. Denn oft greifen die teuren Pay-Sites auf Studenten zurück, sobald sich ein Bewerber bei ihnen meldet. Während die Unternehmen die großen Gewinne einstreichen, erhalten die eingespannten Studenten einen geringen finanziellen Obolus. Nur selten arbeiten professionelle Pädagogen mit den zukünftigen Studenten zusammen.

Trotzdem bleibt ein Studium in England teuer. 9.000 Pfund betragen die Studiengebühren pro Jahr an den meisten Universitäten. Doch Bewerbern wie Alexander und Markus steht die Bewerbung für ein Stipendium offen. Neben der Studienstiftung des Deutschen Volkes sind vor allem Parteistiftungen, die einen Großteil der Kosten übernehmen würden, die besten Ansprechpartner für deutsche Bewerber.

Ob am Ende der Bewerbung eine Zusage steht, können weder kostenlose Programme noch teure Organisationen beeinflussen. Doch sie können Bewerbern das Gefühl geben, an fernen Studienorten willkommen zu sein und ihre eigenen Erfahrungen weitergeben. „Und das nicht nur an diejenigen, die dafür bezahlen können, sondern an alle, die sich hier bewerben möchten."

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Auch auf HuffPost:

Du willst, dass dein Kind ein Genie wird? Dann gib ihm einen dieser Namen!

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Lesenswert: