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07/04/2016 07:16 CEST | Aktualisiert 08/04/2017 07:12 CEST

Starke Frauen Jordaniens: verschwestert euch!

Gordon Esler via Getty Images

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Es stimmt nicht, dass sich junge Menschen nicht für Politik interessieren, sie gehen nur anders damit um. Daher will die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zusammen mit der Huffington Post der Frage nachgehen: Wie muss Politik für junge Menschen aussehen? Weltweit werden Experten der Konrad Adenauer Stiftung politische Initiativen und Vorgehensweisen analysieren. Wenn Sie sich an der Diskussion beteiligen möchten, schreiben Sie an Blog@huffingtonpost.de.

In Jordanien sind 70% der Universitätsabsolventen weiblich. Man könnte meinen, dass sich diese Zahl in hohen Ämtern widerspiegelt, es wäre nur logisch. Doch dem ist nicht so, die Anzahl der weiblichen Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft ist verschwindend gering. Doch warum ist das so?

Zuerst einmal sei das Interesse junger Frauen an Politik begrenzt. Viele würden sich lieber mit Mode, Musik und anderen Themen beschäftigen. Ihnen fehle schlichtweg die Motivation, der Wille sich mit Politik und dem aktuellen Tagesgeschehen auseinanderzusetzen, sagt Rula Al-Hroub, Parlamentarierin und Mitglied der Partei „Stronger Jordan".

Sie erzählt, dass junge Frauen oft begeistert sind von ihrer Arbeit als Parlamentarierin. Sie wollen ihr nacheifern, sehen in ihr ein Vorbild. Vorbilder sind wichtig. Doch die Realität sieht anders aus: „Es gibt nur wenige, die wir beeinflussen können.

Die Mehrheit interessiert sich leider nicht dafür." Außerdem sei es viel schwieriger, sich als Frau in der Politik zu engagieren. Frauen werden in ihrem Bestreben, politisch aktiv zu werden, selten von der Familie unterstützt. Es existiere immer noch ein Klima der Angst, wenn es gilt, über Politik zu reden und sich zu beteiligen. Es müsse allen klar werden, dass es keine große Sache ist, meint Rana Sweis, freischaffende Journalistin für die New York Times.

Das jordanische Wahlgesetz


Doch wie stark ist die politische Partizipation von Frauen? Das jordanische Wahlgesetz sieht eine Frauenquote von 10% vor, das entspricht 15 Sitzen. Aktuell sind jedoch 18 weibliche Parlamentarier aktiv. Denn neben der Quote gibt es auch noch die Möglichkeit, über die nationale Liste oder in einem der Wahlbezirke gewählt zu werden.

Das ist jedoch die Ausnahme und basiert zumeist auf der Bekanntheit der Frauen oder der Unterstützung des Stammes. Die politische Partizipation von Frauen funktioniert sonst fast ausschließlich über die Quote „Aktuell brauchen wir die Frauenquote", so Sweis. Hind Al-Fayez, Parlamentarierin, die über diese Frauenquote ins Parlament gekommen ist, bezeichnet sie als positive Diskriminierung.

Man brauche die Frauenquote anfangs, um den Menschen zu zeigen, dass Frauen dazu in der Lage sind, um an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Gleichzeitig sieht sie das Problem tief in der Gesellschaft verankert. „Die gute Studentin geht nach der Schule nach Hause und hilft ihrer Mutter mit dem Abwasch. Der gute Sohn geht zu seinem Vater ins Büro. Mann und Frau werden von Anfang an getrennt."

Politische Partizipation für Frauen ein Kampf


Ferner ist politische Partizipation für Frauen ein Kampf. Anfangs seien sie nicht ernst genommen worden, meint Rula Al-Hroub. Viele sagten, sie sei doch sicher nur wegen ihres Aussehens ins Parlament gekommen. Doch das änderte sich mit der Zeit: „Mittlerweile nehmen sie uns sehr ernst. Manche haben sogar ein wenig Angst vor uns."

Die Partizipation ist ein Prozess. Doch das größte Problem ist ein anderes. Denn der größte Feind der Frau sei die Frau selbst, erklärt Sweis. Sie unterstützen einander nicht. Viele denken, Frauen seien nicht gut genug. Hind Al-Fayez vertritt dieselbe These. Sie meint, Frauen müssen an Frauen glauben, und nicht aufgrund ihres Aussehens über sie richten. Man sehe sich zu oft als Konkurrenten. „Je mehr wir einander unterstützen, desto mehr gewinnen wir. Dafür müssen wir an uns arbeiten und das ist wiederum eine große Verantwortung."

Die Erfolgsgeschichten dieser beiden Frauen, Hind Al-Fayez und Rula Al-Hroub, die es geschafft haben, sich in der Männerdomäne Politik durchzusetzen, zeigt das Potential, das in der weiblichen Bevölkerung Jordaniens steckt.

Sie sind Inspiration für viele junge Frauen, sich mehr für Politik zu interessieren und sich zu engagieren. Denn es braucht Erfolgstories und Vorbilder, die einem sagen: Es ist möglich. Ich will meine Rechte ausüben, ich will politisch teilhaben. Es scheint, als gäbe es diese Vorbilder.

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