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21/10/2015 11:39 CEST | Aktualisiert 21/10/2016 07:12 CEST

Pressefreiheit: Durch Linke und Thesenjournalismus bedroht?

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Viele konservative Bürger sehen ihre Ansichten in den Medien nicht präsentiert. Weder in den Nachrichten noch in den Meinungsspalten.

Übergroße linke Mehrheit

Dieses Manko ist in den Tageszeitungen ebenso vorhanden wie in den Talkshows des Fernsehens. Das konservative Element ist dort unterrepräsentiert.

Warum das so ist, kann man jetzt aus zwei Büchern herauslesen. Schuld an diesem Manko sind der Thesenjournalismus und die übergroße linke Mehrheit unter den Journalisten.

Bestürzende Ergebnisse

In dem Buch „Thesenjournalismus statt ergebnisoffener Recherche?" hat Prof. Claudia Mast von der Universität Stuttgart-Hohenheim die Erfahrungen von Pressesprechern untersucht. In der Studie für den Bundesverband deutscher Pressesprecher kommt die Kommunikationswissenschaftlerin zu bestürzenden Ergebnissen.

Denn die Umfrage hat gezeigt, dass viele Journalisten thesengeleitet recherchieren. Bei mehr als zwei Drittel aller Rechercheanfragen arbeiten sie nämlich nach den Erfahrungen der befragten Pressesprecher ausdrücklich oder im Hintergrund mit Thesen und Vorannahmen.

Wird ergebnisoffen recherchiert?

Grundsätzlich ist eine solche Vorgehensweise von Journalisten nach Einschätzung der Autorin „nichts Neues und an sich auch nicht problematisch". Entscheidend sei jedoch, wie die Journalisten mit der These im Laufe ihrer Recherche umgehen.

Thesengeleitete Anfragen seien dann problematisch, wenn die Journalisten nicht bereit sind, ergebnisoffen zu recherchieren. Also beim Auftauchen neuer Informationen und Erkenntnisse ihre Annahmen gegebenenfalls aufzugeben oder zu modifizieren.

TV-Magazine sind ein Problem

Mangelnde oder gar fehlende Ergebnisoffenheit kommt laut Untersuchung bei sämtlichen Mediengattungen vor. Überdurchschnittlich häufig ist dies nach den Erfahrungen der Pressesprecher aber bei Journalisten aus TV-Magazinredaktionen, der Publikumspresse inklusive den Nachrichtenmagazinen sowie den Boulevardmedien der Fall.

Im Vergleich dazu würden insbesondere Fachmedien, überregionale Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen deutlich seltener mit einem vorab feststehenden Ergebnis recherchieren. Dort würden die Pressesprecher also kaum auf einen Thesenjournalismus ohne Ergebnisoffenheit treffen.

Moralische Bewertungen

Bei den Pressestellen würden zunehmend Journalisten anfragen, die über keine oder nur geringe Fachkompetenz verfügen. In dem Maße, wie sich die Medienberichterstattung von den Denkweiten der Organisationen entferne, fachfremde Bezüge herstelle und etwa moralische Bewertungen vornehme, sei der Journalismus für die Organisationen und die Pressearbeit immer schwerer zu kalkulieren.

Gerade bei Recherchen zu kritischen Themen und in unklaren Situationen müssen die Pressesprecher nach Aussage der Autorin mit „Fouls" rechnen. Hierzu würde die fehlende Bereitschaft der Journalisten zählen, im Laufe der Recherche von einer These oder vorbereiteten Storyline abzurücken. Aber auch mit der die Vorspiegelung falscher Tatsachen sowie der unkorrekten Verwendung von recherchierten Informationen oder Aussagen - etwa wenn Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden - müsse man rechnen.

Online-Kommunikatoren im Blickfeld

Deshalb würden bei den Pressesprechern neben den Journalisten immer häufiger auch andere Multiplikatoren und Online-Kommunikatoren in den Blick rücken. Eigene publizistische Aktivitäten und direkte Wege zu den Stakeholdern würden neue Möglichkeiten eröffnen und die klassische Medienarbeit flankieren, betont die Autorin.

Wahrheit nicht unbedingt bei der Mehrheit

Härter zur Sache geht Laszlo Trankovits in seinem Buch „Die Nachrichten-Profis - Warum Qualitätsjournalismus für unsere Demokratie unverzichtbar ist (dpa)". Der Mann ist ein Profi. Denn er war über 35 Jahre Büroleiter und Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur (dpa), unter anderem in den USA, im Nahen Osten, in Italien und Afrika.

Der Autor beschäftigt sich auch mit „Mainstream" und „Political Correctness". Seine Grundhaltung kennzeichnet folgendes Zitat des französischen Schriftstellers Jean Cocteau, das er dem Kapitel voranstellt: „Man darf die Mehrheit nicht mit der Wahrheit verwechseln."

Ein links-grünes Weltbild

Wichtig ist dem Autor der Hinweis auf den verstorbenen FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher, der mehrfach einen Mangel an Meinungsvielfalt in Deutschland kritisiert habe. Vor allem der Sparzwang und der Abbau von Redakteurstellen habe zu einer Nivellierung in der Berichterstattung geführt.

Der Medienwissenschaftler Mathias Kepplinger würde beispielsweise meinen, dass sich die vermeintliche Meinungspluralität der Leitartikler von Regionalzeitungen am dritten Tag nach einem wichtigen Ereignis an der Süddeutschen Zeitung ausrichte und quasi alles auf Heribert Prantl (SZ-Innenpolitikchef) geeicht sei. Es gebe in den meisten Redaktionen eine deutliche Neigung zu einem links-grünen Weltbild.

Die Direktorin des Internationalen Journalisten-Kollegs an der FU Berlin, Prof. Margreth Lünenborg, komme bei ihren Untersuchungen zu einem ähnlichen Ergebnis. Auffallend hoch sei demnach mit 35 % der Anteil der Journalisten mit deutlichen Sympathien für Bündnis 90/Die Grünen.

Konservative brauchen viel Mut

Wie an den Schulen oder Universitäten in Deutschland würden sich in den Redaktionen viele Journalisten finden, die vom Geiste der 68er Generation, der Frauen- und Ökologiebewegung geprägt seien. Deutsche Korrespondenten, die sich im Kollegenkreis als betont liberal oder gar konservativ outen, hätten dazu schon seit den 80er Jahren viel Mut gebraucht, weil sie sofort als Außenseiter angesehen worden seien.

„In der Meinungswirtschaft, in der ich mein Geld verdiene, gibt es praktisch nur Linke", habe der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer geschrieben. Erstaunlicherweise würden Journalisten jedoch oft diese bei Experten kaum bestrittene Tatsache verneinen.

Harte Fragen des Autors

Political Correctness ist für den Autor „stets gut gemeint, in vielen Fällen aber nur ein übler Versuch, Denk- und Sprachvorschriften aus ideologischen Gründen durchzusetzen". In Diktaturen wie dem Nazi-Reich oder der DDR sei über schwere Gewaltverbrechen gar nicht berichtet worden, um das Bild der heilen Welt nicht zu zerstören. Und in Demokratien solle Sprache verhindern, dass Ressentiments Nahrung bekommen.

Aus diesem Grund stellt der Autor folgende Fragen: Wie sehr untergräbt es das Vertrauen des Bürgers in die Medien, wenn die Herkunft von Tätern nicht genannt werden darf, obwohl es alle wissen? Ist das womöglich nicht nur die Spitze eines Eisbergs politischer Korrektheit und immer feinerer Sprachregelungen, die auch zum Misstrauen gegenüber den Medien beitragen?

Die kritische Distanz fehlt

Auch bei den großen politischen Themen gibt es nach Ansicht des Autors in vielen Medien erstaunlich wenig Meinungsvielfalt. Es fehle zuweilen an kritischer Distanz zu den Topereignissen.

Leider dominiere immer häufiger der so genannte „Mainstream", auch weil jeder jeden beobachte und niemand ein Außenseiter sein wolle. Es gebe oft eine freiwillige Konformität.

Moralisierung des Alltags

Heute erlebe man eine Moralisierung des Alltags, wo - angefangen bei den Essgewohnheiten über die Mülltrennung und Nutzung von Verkehrsmitteln bis hin zu den Angeboten der Medien - alles moralisch bewertet werde.

Diese Freude am erhobenen Zeigefinger, an der besserwisserischen, empörten und aufgeregten Attitüde, durchdringe viel zu viele Diskussionen und Auseinandersetzungen - leider auch in Medien.

Der Bevormundung entfliehen

Wer trotz Thesenjournalismus und Bevormundung durch Alt-68er der Wahrheit näher kommen will, der tut sich heute leichter als in der Vergangenheit. Denn er kann googeln oder die Website einer cleveren Firma oder Organisation befragen.

Dort findet er immer häufiger die Fakten, die ihm ansonsten vorenthalten werden. Diese Erfahrungen sind es, die den Bürger gegenüber den Medien immer misstrauischer werden lassen.

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Mit zwei Büchern die Augen geöffnet: Warum die Medien die Ereignisse oft nur durch ihre Brille sehen (Foto: Metzger).

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