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25/09/2015 08:52 CEST | Aktualisiert 25/09/2016 07:12 CEST

Blogger: Warum sie bei den Firmen die Journalisten verdrängen

Metzger

Blogger sind geschmeidiger. Sie sind für die PR-Leute angenehme Gesprächspartner. Deshalb verdrängen sie bei den Firmen mehr und mehr die Journalisten.

Ausgeplaudert am Stammtisch

Das zeigte sich beim Blogger-Stammtisch im PresseClub München am 21. September 2015. Dort ging es um die Frage: „Wie arbeiten Blogger, Firmen und Agenturen zusammen?"

Zu den Gästen zählten Susanne Ackstaller, Bloggerin, www.texterella.de; Christoph Assmann, angestellt bei Sixt, www.sixtblog.de und privater Bilderblog www.muska.soup.io, sowie Fabienne Kuerbel, angestellt bei der Agentur Ketchum pleon. Die Moderation hatte Su Steiger, www.aproposmedia.de.

Über das Burgen-Thema frustriert

Auch beim Blogger müssen Auftrag und Thema stimmen. In diesem Fall passte es nicht: Eine Burgen-Bloggerin brach die Arbeit ab, obwohl sie 2.000 Euro monatlich samt freier Wohnung erhielt. Denn das Wohnen auf der Burg und das Thema frustrierten sie.

Andere Blogger arbeiten für eine Reise oder einige Klamotten. Wichtig ist immer das Thema. Das kann oft auch etwas abseitig sein.

Für schwierige Themen begeistern

Die PR-Branche arbeitet inzwischen lieber mit Bloggern als mit Journalisten. Denn Journalisten sind sperrig. Dagegen lassen sich Blogger auch für vermeintlich schwierige Themen begeistern. Außerdem sind sie meist angenehme Partner und kennen sich in Social Media besser aus als Journalisten.

Wenn die PR-Profis ein schwieriges Produkt vermarkten sollen, greifen sie gerne auf Blogger zurück. Die lassen sich oft noch bei Themen etwas einfallen, wo Journalisten längst das Handtuch werfen.

Hilfreich beim Dusch-Klo

So war das bei einem Dusch-Klo. Hier konnte nur eine Bloggerin helfen. Sie präsentierte das schwierige Objekt mit guten Texten und Bildern.

Für die Sixt-Rallye bewarben sich 1.500 Teilnehmer. Genommen wurden sechs Teams mit je zwei Bloggern. Die Talente waren unterschiedlich verteilt. Der eine schrieb, der andere fotografierte oder machte Video-Schnipsel.

Fahrt in schicken Autos

Bezahlt wurde mit der kostenlosen Fahrt im schicken Auto. Außerdem waren Hotel und Essen frei. Alkohol und Tabak mussten die Teilnehmer selbst bezahlen.

Gerne steigen Blogger inzwischen dort ein, wo Journalisten heute die Nase rümpfen. Einladungsfahrten sind beliebt. Dass darüber ein Bericht erwartet wird, ist klar. Doch der Blogger hat hier das letzte Wort. Und kein Chefredakteur kann bei ihm die Story killen.

Der Lippenstift zieht nicht mehr

In den letzten Jahren sind die Blogger selbstbewusster geworden. Mit einer Dose Nivea, einem Lippenstift oder einer Zahnpasta-Tube lassen sie sich nicht mehr beeinflussen. Auch Youtuber wissen inzwischen, was sie wert sind.

Für einen fundierten Beitrag nehmen Blogger inzwischen mehr Honorar als Journalisten. Denn sie stellen Reichweite zur Verfügung und schreiben Blogposts. Mit 200 Euro oder 300 Euro ist es für den Einladenden dann nicht getan. Genannt werden auch Sätze von 1.500 Euro.

Kochkurs beim Sternekoch

Fürs Drumherum sind die Blogger dankbar. Denn das gibt Stoff für farbige Geschichten und schöne Fotos. Der Kochkurs beim Sternekoch ist deshalb sehr beliebt. Oder der Besuch in einem interessanten Museum. Oder eine Firmenführung.

Die Blogger betrachten sich als Influencer (Meinungsbildner). Sie sehen sich als wichtige Personen, die für das Produkt oder die Firma Meinung machen. Ihren Aufwand dafür wollen sie bezahlt wissen.

Reichweite nicht immer wichtig

Die PR-Leute sagen deshalb nicht mehr Blogger-Relations. Sie bevorzugen den Ausdruck Influencer-Relations oder Influencer-Blogger.

Wer ist wichtig als Blogger? Das kann mal einer sein mit 200 Followern. Ansonsten sollten es schon 500 und mehr sein. Blogger sind zu Mediatoren geworden.

Viel Liebe und Herzblut

Wichtig für die PR-Branche ist bei der Suche nach Bloggern nicht unbedingt die Reichweite. Die Profis schauen vielmehr darauf, wie der Blogger die Themen anpackt.

Besondere Freude kommt auf, wenn der Blogger sein Thema mit viel Liebe gestaltet. Wenn also Herzblut drin steckt. Beispielsweise beim Bastel-Thema.

Meist nur Positiv-Blogger

Für die Firmen attraktiv ist es, dass es meist nur Positiv-Blogger gibt. Allerdings wollen auch die nicht über Produkte schreiben, die ihnen nicht gefallen. Negativ-Bloggen ist zudem schwierig, anstrengend und gefährlich.

Wenn ein Produkt Probleme bei Tests hat, dann lassen sich die PR-Leute auch gerne die Suche nach einem Blogger einfallen. Denn der kann statt einem Test immer noch eine schöne Geschichte darüber schreiben, was man mit dem Produkt so alles machen kann.

Schummeln ist gefährlich

Die meisten Blogger kennzeichnen es, wenn sie für einen Auftraggeber aktiv sind. Das ist den Lesern gleichgültig, wenn der Text stimmt. Ein Schummeln können sich die Blogger meist nicht leisten. Denn sonst bleiben die Leser weg.

Wichtig für Blogger ist die richtige Nische. „Gut essen in München" oder Tier-Blogs gibt es bereits in inflationären Mengen. Die PR-Profis berichten von rund fünf täglichen Anfragen von Bloggern, die ihre Arbeit anbieten.

Problem wird zur Herausforderung

Für Kunden, die kein spannendes Produkt haben, sind Blogger besonders hilfreich. Mit ihnen kann man sprechen und sie entwickeln Ideen. Sie arbeiten mit. Dagegen müssen die PR-Profis den Journalisten immer etwas verkaufen. Die Blogger sehen in einem schwierigen Thema dagegen eine Herausforderung.

Die PR-Leute bevorzugen Blogger, die glaubwürdig sind. Außerdem sollen sie einen guten Mix bieten zwischen Kooperation und Eigenproduktion. Es sollte nicht mehr als ein Viertel gesponstert sein.

Subjektiv und authentisch

Man sieht es bei den Bloggern, ob ihnen das Schreiben Spaß macht. Oder ob das Geld verdienen wichtiger ist.

Blogger sind subjektiver. Und dadurch authentischer. Sie können schreiben, was sie wollen. Damit verdrängen sie bei den Firmen immer stärker die Journalisten.

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Sixt-PR-Mann Christoph Assmann freut sich: Rund 1.500 Blogger bewarben sich für die Rallye-Teilnahme (Foto: Metzger).

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