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10/02/2015 07:31 CET | Aktualisiert 12/04/2015 07:12 CEST

Diese Papst-Äußerung war einfach nur daneben

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Eigentlich genießt Papst Franziskus Opas ganze Sympathie. Eigentlich, denn was das Oberhaupt der katholische Kirche da gerade zum Besten gegeben hat, geht gar nicht. Da stellte er nämlich einen Vater als vorbildlich dar, der seine Kinder schlägt (aber nicht ins Gesicht, da dies ihre Würde verletze).

Das ist, um es klipp und klar zu sagen, unsäglich und völlig daneben - vor allem, wenn man bedenkt, dass weltweit sechs von zehn Kindern zwischen zwei und 14 Jahren regelmäßig körperlich bestraft werden, knapp jedes sechste Kind muss sogar heftige Schläge erleiden. Wir reden da von einer Milliarde Kinder, bei denen Gewalt in der Erziehung trauriger Alltag ist.

Dabei heißt es in Artikel 19 der vor mehr als 25 Jahren in Kraft getretenen Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen: „Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Missbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut."

Auch der Heilige Stuhl, zwar nicht Mitglied der Vereinten Nationen und nur mit einem Beobachterstatus ausgestattet, hat diese Kinderrechtskonvention ratifiziert.

Was soll ich sagen?

Es ist mehr als nur schade, dass der Papst, der ansonsten ja ziemlich erfrischend daher kommt, sich bei diesem Thema derart vergaloppiert hat. Aber vielleicht besitzt er ja die Größe, seinen Fehler einzugestehen und klarzustellen: Gewalt gegen Kinder ist ein absolutes Tabu. Ansonsten wird er wohl damit leben müssen, dass kinder-prügelnde Erwachsene die Papst-Äußerung als Rechtfertigung anführen. Und das kann er doch sicher nicht wollen.

Dieser Beitrag ist zuerst auf Opas Blog erschienen.


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