BLOG
12/12/2015 05:26 CET | Aktualisiert 12/12/2016 06:12 CET

Innovationen in der Wissenschaft: Wie China die internationale Wissenschaft verändert

Shannon Fagan via Getty Images

Wenn sich am 10. Dezember die diesjährigen Nobelpreisträger in Stockholm zur Preisverleihung versammeln, wird unter ihnen ein Laureat in den Wissenschaftskategorien sein, dessen Auszeichnung ganz klar einen neuen Trend ankündigt.

Youyou Tu von der Chinesischen Akademie für Traditionelle Chinesische Medizin in Peking ist eine der diesjährigen Preisträgerinnen in der Kategorie Medizin für ihre Arbeit „Discoveries concerning a novel therapy against Malaria".

Geboren 1930 in Ningbo, Teil der chinesischen Provinz Zhejiang, hat sie weder einen Hochschulabschluss, da diese vor 1979 in China nicht angeboten wurden, noch hat sie Forschungs- oder Studienerfahrungen im Ausland gesammelt.

Zudem ist sie kein Mitglied der Chinesischen Nationalakademie. Tatsächlich ist sie die erste Nobelpreisträgerin, die ihr gesamtes Leben und ihre Karriere in China verbrachte.

Sicherlich sind die Errungenschaften von Youou Tu allein enorm anerkennenswert, zugleich steht die Auszeichnung aber auch symbolisch für das Aufkeimen chinesischer Forschung auf globaler Ebene und den Einfluss, den sie in den kommenden Jahren auf die Wissenschaftslandschaft ausüben wird.

Scopus-Daten belegen, dass China eine sehr produktive Quelle wissenschaftlicher Ergebnisse ist. Zwischen 2004 und 2014 ist Chinas Forschungsoutput um mehr als 400 Prozent angestiegen. Im Vergleich dazu ist der internationale Output im gleichen Zeitraum um 70 Prozent, in den USA um knapp über 30 Prozent gestiegen.

Chinas Position als einer der größten Akteure der Weltwirtschaft ist keineswegs neu. Viele global agierende Unternehmen haben ihre Produktionsstätten nach China verlagert. Zudem ist das Land reich an natürlichen Ressourcen.

Betrachtet man die Journal-Kategorien, so wirken sich diese auch auf Chinas Forschungergebnisse aus: Es dominieren Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik. Das Journal Rare Earths Industry" schätzt, dass China 40 Prozent der gesamten Reserven an Seltenen-Erdelementen (SEE) besitzt, den größten Anteil weltweit.

Seltene Erdelemente sind essentielle Mineralien, die für eine Reihe unterschiedlicher Technologien verwendet werden, darunter Windkraftanlagen, Hybridautos, Kamera- und Teleskop-Linsen, kohlenstoffbasierte Lichtsysteme, Abgaskatalysatoren in Autos, Kühltechnik, TV- und Computer-Bildschirme und Steuerstäbe für Kernreaktoren.

Allerdings sollte auch darauf hingewiesen werden, dass China solide Forschungsergebnisse in Disziplinen wie Medizin, Materialwissenschaften, Chemie, Physik und Astronomie aufweist, sowie in Biochemi, Genetik und Molekularbiologie.

Die Ergebnisse chinesischer Forschungseinrichtungen übertrifft heute etliche der renommiertesten und ältesten Universitäten der Welt.

Während Havard in Bezug auf die Gesamtleistung (140.817 Veröffentlichungen zwischen 2010 und 2015) an der Spitze liegt, belegt die Chinesische Akademie der Wissenschaft Platz drei (76.582 Veröffentlichungen), dicht hinter der University of Toronto (82.832 Veröffentlichungen im selben Zeitraum) und noch vor ehrwürdigen Einrichtungen wie Oxford, Cambridge, der University of Tokyo, der Universität München, dem Indian Institute of Sciences und dem Centre National de la Recherche Scientifique in Frankreich.

Darüberhinaus unterhält China auch umfassende Kooperationen mit zahlreichen globalen Partnern (204 Länder) und liegt damit nahezu gleichauf mit den USA (233 Länder).

Die Kooperationspartner kommen dabei primär aus APEC-Ländern, Japan, Australien, Singapur, Südkorea und Taiwan. Darüber hinaus gibt es jedoch auch bedeutende Foschungsprogramme mit dem Westen, insbesondere mit Institutionen in den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Der Aufstieg des Chinesischen Hochschulsystems ist auch Thema eines neuen Buches: Palace of Ashes, von Mark S. Ferrara, Associate Professor für Englisch an der State University of New York, Oneonta.

Professor Ferrara betrachtet die erheblichen Investitionen in das chinesische Hochschulsystems, die von der Regierung getätigt wurden, um das Land auf seinem Weg zu einem globalen Akteur zu unterstützen. Doch nach Meinung einiger Experten wird diese Innovationsentwicklung dadurch behindert, dass der Fokus innerhalb des Bildungssystems auf sturem Auswendiglernen liegt, statt Wissen durch kreatives Erforschen zu gewinnen.

Mit dem Zugang zu mehr Ressourcen für Wissenschaflerinnen und Wissenschaftler werden Chinas Foschungskapazitäten weiter wachsen. Als ein sich entwickelnder Akteur in der akademischen Welt - hinsichtlich veröffentlicher wissenschaftlicher Artikel an zweiter Stelle nach den USA - ist Chinas steiler Aufwärtstrend ein Resultat des 15-Jahre-Plans des Staatrats Mid- and Long-Term Development Plan for Science and Technology: 2006 - 2020, der darauf abzielt, einen Wissenschafts- und Technologiemotor zu schaffen, der 60 Prozent von Chinas nationalen Entwicklungsprojekten vorantreiben kann.

Zu diesem Zweck hat der Rat empfohlen, bis 2020 die Forschungs- und Entwicklungsausgaben bei 2,5 Prozent des BIP des Landes anzusetzen. Dieser positive Trend hat ein Umfeld für wissenschaftliche Verlage wie Elsevier geschaffen. So wird die dringend benötigte Forschungsinfrastruktur begünstigt, die Chinas wissenschaftlichem Ökosystem die Weiterentwicklung durch Netzwerkerweiterung, Wissensaustausch und Training für erforderliche Fähigkeiten ermöglichen wird.

Alles wesentliche Elemente, die in Zukunft gebraucht werden, um die Qualität des wachsenden Beitrags des Landes zur internationalen Forschung zu erhöhen und zu verstärken.

Der Nobelpreis von Youyou Tu ist vermutlich der erste von vielen für chinesische Forscher in Wissenschaftskategorien. Ihre Beiträge zur Weiterentwicklung von Wissenschaft und Verbesserung der Gesellschaft werden in den kommenden Jahrzenten hoch geachtet werden.

Anmerkung des Autors: Elsevier gratuliert allen diesjährigen Nobelpreisträgern. Eine Auswahl an High-Impact Papern der diesjährigen Preisträger für Chemie, Physik, Medizin und Wirtschaft sind kostenfrei auf Elsevier Connect erhältlich.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite