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04/10/2015 14:06 CEST | Aktualisiert 08/10/2016 07:12 CEST

Innovationen in der Wissenschaft: Der Weg in eine nachhaltigere Zukunft

Am 25. September hat die Abteilung für Nachhaltige Entwicklung (DSD) der Vereinten Nationen in New York eine Plenartagung der Generalversammlung auf hoher Ebene einberufen, um die Entwicklungsagenda der Sustainable Development Goals (SDGs) zu diskutieren und zu verabschieden.

Mit einer Weltbevölkerung, die 7 Milliarden überschreitet, muss die gesamte Weltbevölkerung auf die großen Herausforderungen achtgeben, vor denen wir stehen. Selbst Papst Franziskus hat in seiner letzten Enzyklika die Bedeutung der Erde herausgestellt, die er als „unser gemeinsames Zuhause" bezeichnet.

Diejenigen die in Industrienationen leben, haben lange die Vorzüge einer modernen Gesellschaft genossen. Darum ist es schwer vorstellbar, dass noch immer Millionen von Menschen keinen Zugang zu den fundamentalsten Dingen haben, die wir als selbstverständlich ansehen.

Beinahe 10 Prozent der Weltbevölkerung haben nicht genug zu Essen, um die allgemeine Gesundheit zu fördern. Ungefähr die gleiche Anzahl hat keinen Zugang zu sauberem Wasser, angemessener sanitärer Versorgung und grundlegender Hygiene, wodurch jedes Jahr weltweit schätzungsweise 842.000 Menschen sterben.

Und während große Forschritte in der Medizin viel zur Ausrottung von Krankheiten beigetragen haben, beträgt die Sterblichkeitsrate von unter 5-Jährigen in Niedriglohnländern: Laut einer 2015 erschienenen Publikation der Weltgesundheitsorganisation beträgt die Sterblichkeitsrate 76 Tote pro 1.000 Lebendgeburten - etwa 11 Mal soviel wie in Ländern mit hohem Einkommen (7 Tote pro 1.000 Lebendgeburten).

Aber Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit sind nicht auf das beschränkt, was die Weltbevölkerung nicht hat (zum Beispiel Nahrung, Wasser und Medikamente). Die Herausforderungen umfassen auch, was auf der Welt in Überfluss vorkommt: Abfälle. Nach Zahlen des Datenportals The World Counts verursachen Menschen jedes Jahr mehr als zwei Milliarden Tonnen Abfall - mit gewaltigen Auswirkungen auf die Umwelt.

Es ist einfach, Nachhaltigkeitsprobleme als jene von Entwicklungsländern abzutun, doch die täglichen Schlagzeilen in Europa, über tausende Armuts- und Kriegsflüchtlinge, erinnern uns an die Verflechtung unserer globalen Gesellschaft.

Wie werden Länder, die bereits mit ihren eigenen Problemen in Bezug auf einen nachhaltige Entwicklung kämpfen, die Neuankömmlinge effektiv integrieren?

Wie bei so vielen Dingen kann die Wissenschaft Antworten geben, diese können aber nur so gut umgesetzt werden, wie es die vorhandenen politischen Richtlinien vorsehen. Glücklicherweise ist der Dialog um nachhaltige Entwicklung heute vorherrschender als jemals zuvor.

Das neue wissenschaftliche Beratungskommitte, gegründet von UN Generalsekretär Ban Ki-moon, wurde aus 26 international anerkannter Wissenschaftler zusammengestellt. Ihre Aufgabe ist es, den UN Generalsekretär und ebenso die Führung der Vereinigten Nationen darin zu beraten, inwiefern Wissenschaft mit Politik und Gesellschaft interagieren kann, um eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Die erste Referenz zum Begriff "Nachhaltigkeitswissenschaft" gab es durch die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED) im ihrem Bericht von 1987 erschienenen Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft".

Die WCED definiert Nachhaltigkeitswissenschaften als „die Fähigkeit, Entwicklung nachhaltig zu machen - um sicherzustellen, dass sie die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllt werden, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen einzuschränken, ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen."

Während andere Quellen ihre eigenen Definitionen von Nachhaltigkeitswissenschaft haben, herrscht eine generelle Übereinkunft, dass sie auf unterschiedlichen Disziplinen beruht, die sich mit gemeinsamen Themen in der nachhaltigen Entwicklung auseinandersetzen, oder sich zusammen für ein nachhaltigeres Produktions- und Konsummodell einsetzen.

Aber wer ist an dieser Art von Forschung beteiligt? Welche Länder und Institutionen führen ihre jeweiligen Felder an? Welche Forschung braucht weiteren Nachdruck und Aufmerksamkeit? Wie können wir bestimmen, wo finanzielle Förderung notwendig ist?

Der neu erschienene Bericht "Sustainability Science in a Global Landscape", den Elsevier in Zusammenarbeit mit SciDev.Net und der weltweiten Forschungsgemeinschaft entwickelt hat, bietet Antworten auf diese und weitere Fragen.

Auf Basis der zentralen Forschungsthemen sowie der UN Sustainable Development Goals, welche soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit abdecken, bricht der Bericht Nachhaltigkeitswissenschaft auf sechs Themen herunter: Dignity, People, Prosperity, Planet, Justice, and Partnership.

Der Bericht, der entwickelt wurde, um einer Verständnis für die interdisziplinäre Natur der Nachhaltigkeitsforschung in der heutigen Zeit zu vermitteln, trägt so zu einem breiten Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft bei.

Während Nachhaltigkeitsiwssenschaft noch immer ein relativ kleines Feld ist - momentan macht es ca. drei Prozent der weltweiten Forschungsergebnisse aus - wächst es doch rasant. Der größte Forschungsoutput stammt aus den USA, Großbritannien, China, Deutschland und Australien, die gemeinsam mehr als 60 Prozent des weltweiten Forschungsoutputs produzieren.

Es ist nicht überraschend, dass Kooperationen ein Schlüsselelement der Nachhaltigkeitswissenschaft sind und viele Institutionen starke Netzwerke aus Forschern entwickeln. Dies gilt insbesondere für Forschungszentren in Entwicklungsländern in Afrika, wo Nachhaltigkeitsthemen oft von besonderer Bedeutung sind.

Diese Zentren knüpfen Verbindungen zu Kollegen in den westlichen Industrienationen. So ist zum Beispiel einer der höchsten Prozentanteile an Kollaboration zwischen den Niederlanden und Kenya zu finden.

Nachhaltigkeitswissenschaft kann außerdem diplomatische Möglichkeiten schaffen. Ein gerade erschienener Bericht des amerikanischen Senders National Public Radio beschreibt zum Beispiel eine wenig bekannte Vereinbarung zu Wasserbewirtschaftung zwischen zwei Widersachern, den USA und dem Iran.

Natürlich ist die wissenschaftliche Gemeinschaft willens, zusammen neue Wege zu finden, um den globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen. Aber am Ende des Tages wird der benötigte Forschritt zu einem großen Teil von der verfügbaren Finanzierung abhängen, sowie an einer Regierungspolitik, die zur Entwicklung von Lösungen zu regionalen und grenzübergreifenden Kollaborationen ermutigt.

Gesetze zu sauberer Luft und zu Wasserschutz, die in einem Land verbscheidet wurden, wirken nur, wenn angrenzende Länder ebenfalls ihre Emission drosseln und Wasser sparen.

Mit sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten und einer zunehmend Konsumenten-orientierten Gesellschaft stellt sich die Frage, wie wir all die Millionen Tonnen von Müll entsorgen können, die täglich produziert werden? Recycling-Initiativen in vielen Industrienationen, so erstrebenswert sie auch sind, halten nicht Schritt mit unserem „Wegwerf"-Lebensstil.

Eine mögliche Lösung, die von Forschern im Journal of Cleaner Production identifiziert wurde, analysierte eine umgekehrte Energieversorgungskette, wie zum Beispiel das Szenario eines Emissionshandelssystems, bei dem der Abfall, der in einem Land produziert wurde, in einem anderen Land Energie produzierte.

Die Herausforderungen, die uns bevorstehen, sind immens, aber sie sind nicht unüberwindbar. Obwohl Forschritte gemacht wurden, gibt es noch immer viel zu tun. Wenn es jeweils eine Zeit gab, in der die Menschheit ein globales Netzwerk gebraucht hat, um die gesammelte Intelligenz der brilliantesten Denker und Forscher der Welt zu vereinen, dann ist es jetzt.

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