BLOG
23/06/2015 07:37 CEST | Aktualisiert 23/06/2016 07:12 CEST

Lieber Xavier Naidoo, du redest Unsinn!

Du warst schon immer von Kontroversen umgeben, Als „christlicher Fundamentalist" beschimpfte man dich und als „völkischen Heroenverehrer". Daran war stets wenig dran, doch mit deinen neueren Aussagen, betrittst du endgültig die bunte Spielwiese der Verschwörungstheoretiker.

Getty

So schön und gefühlvoll deine Lieder sind, so unsinnig sind deine Verschwörungstheorien rund um die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland. Bitte nicht falsch verstehen, du bist zweifelsfrei ein begnadeter Soul-Sänger und eindrucksvoller Wohltäter, doch zum Juristen taugst du offenbar nicht. Eine Abrechnung.

Xavier Naidoo ist sicherlich einer der bekanntesten deutschen Soul- und R&B-Sänger.

Seine Karriere ist einzigartig. Sein Debütalbum Nicht von dieser Welt verkaufte sich seit 1998 über eine Million Mal. Seine vier weiteren Soloalben Zwischenspiel - Alles für den Herrn (2002), Telegramm für X (2005), Alles kann besser werden (2009) und Bei meiner Seele (2013) erreichten ebenfalls Platz eins der deutschen Albumcharts.

Neben der Musikkarriere bist du außerdem in einer liebevollen Art und Weise wohltätig, dass es einem schwer fällt sich negativ über dich zu äußern.

Doch die politischen Aussagen, die du in den vergangenen Jahren, Monaten und Wochen so von dir gibst, dürfen nicht unkommentiert bleiben - immerhin erreichst du ein Millionenpublikum.

Du warst schon immer von Kontroversen umgeben, Als „christlicher Fundamentalist" beschimpfte man dich und als „völkischen Heroenverehrer". Daran war stets wenig dran, doch mit deinen neueren Aussagen, betrittst du endgültig die bunte Spielwiese der Verschwörungstheoretiker.

Im Oktober 2011 behauptest du in der Sendung Morgenmazain, Deutschland sei kein freies, sondern ein besetztes Land, da der 2+4-Vertrag kein gültiger Friedensvertrag sei.

Damit bist du leider auf juristischen Irrwegen.

Der „Zwei-plus-Vier-Vertrag" oder eigentlich „Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland" machte den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands frei und ist sehr wohl ein gültiger Friedensvertrag.

Denn ein Friedensvertrag, also ein Vertrag über die Bedingungen für ein absolutes Ende von Kriegen, kann auch auf anderem Wege abgeschlossen werden, als über ein Blatt Papier mit dem Titel „Friedensvertrag".

Nach dem Abschluss der Verhandlungen hieß es in der herrschenden Lehre (hier Klaus Stern: „Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland Band V.":

„Ein zusätzlicher Friedensvertrag ist weder geplant noch machte er Sinn. Alles, was ein Friedensvertrag füglich enthalten sollte, ist mithin geregelt. Der Zwei-plus-vier-Vertrag ersetzt damit kraft seines auf mehr als Frieden gerichteten Inhalts jeden Friedensvertrag mit den Kriegsgegnern".

Denn ein Friedensvertrag ist völkerrechtlich nicht die einzige Möglichkeit der Kriegsbeendigung. Diese kann auch durch einseitige Erklärungen, gestufte Teilregelungen oder schlicht durch faktische Wiederaufnahme der friedlichen Beziehungen erfolgen.

Weiter heißt es: Die Forderung nach einem Friedensvertrag ist daher im besten Wortsinn „historisch überholt" die Vielzahl erheblich stärkerer völkerrechtlicher Vertragsbindungen sichert, dass die Mitgliedstaaten in Frieden zueinander stehen, wie z. B. innerhalb der NATO oder in der EU.

„Außerdem wird sowohl im amtlichen Titel des Vertrages als auch in Absatz 12 der Präambel der ‚abschließende' Charakter des Vertrages in Bezug auf Deutschland betont. [...] Der Zwei-plus-vier-Vertrag ersetzt damit kraft seines auf mehr als Frieden gerichteten Inhalts jeden Friedensvertrag mit den Kriegsgegnern.

Soviel zur Juristerei. Kurz gesagt: Naidoos Aussagen sind Unsinn: Der 2+4 Vertrag regelt endgültig die friedenssichernden Beziehungen zwischen den ehemaligen Kriegsparteien und ist damit de facto ein Friedensvertrag - klingt auch logisch und wird in der Wissenschaft von niemandem bestritten.

Der Grund, warum man das Ding dann nicht auch so nannte ist ganz einfach: Man wollte vermeiden, dass alle 60 ehemaligen Kriegsparteien an den Verhandlungen teilnehmen. So wäre eine Lösung schwierig gewesen und wahrscheinlich mit erheblichen Reparationsforderungen verbunden.

Lieber Xavier, ich kann dir also nur raten: Nimm Abstand von dieser Position. Sie ist in sekundenschnelle widerlegt und nur weil die vollkommen überraschten Morgenmagazin-Moderatoren dir nicht viel mehr als Gestammel entgegensetzen konnten, nicht richtiger. Es ist eine Verschwörungstheorie.


Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Video: Lindner, Beck, Hendricks: Wer hätte gedacht, dass Politiker so ausrasten können?

Lesen Sie auch:

Hier geht es zurück zur Startseite