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02/08/2015 13:16 CEST | Aktualisiert 02/08/2016 07:12 CEST

Islamverbände waren nicht Organisatoren der Anti-Terror-Mahnwache in Berlin

dpa

„Nicht in unserem Namen!" lautete das Motto der großen Anti-Islamismus Mahnwache in Berlin, die am 13. Januar vor der französischen Botschaft am Brandenburger Tor stattfand, direkt nach den Anschlägen auf das Satiremagazin Charlie Hebdo.

Doch die deutschen Islamverbände sträubten sich vor einer derartigen öffentlichen Distanzierung. Also schritt die Kanzlerin ein und inszenierte kurzer Hand die Großdemonstration. Die Rechnung bekamen SPD und CDU. Wie die „Welt am Sonntag" berichtete, verlief die Organisation der Mahnwache „Zusammenstehen, Gesicht zeigen" im Januar nicht ganz so reibungslos wie oft behauptet.

Offiziell luden zwar sämtliche deutsche Islamverbände zur gemeinsamen Demonstration gegen islamistischen Terror, ganz im Zeichen der Massaker in Paris, doch die Initiative kam vom Kanzleramt - und nun auch das nötige Kleingeld.

Denn die führenden deutschen muslimischen Organisationen, darunter der Zentralrat der Muslime, die Türkische Gemeinde Berlin, die Türkisch-islamische Union, der Islamrat, der Verband der islamischen Kulturzentren und die Türkische Gemeinde in Deutschland, sahen nach den Anschlägen offenbar keinen Grund zur öffentlichen Distanzierung und dementsprechend auch keinen Grund irgendwelche Mahnwachen zu organisieren.

Doch eine Person brauchte eine solche öffentlichkeitswirksame Positionierung mehr als jeder andere: Angela Merkel. Zu dem Zeitpunkt stand sie stark unter Druck. Die AfD übte schon seit Monaten Kritik vom konservativen Rand aus und bemängelte die Einwanderungspolitik der Bundesregierung, während nur ein paar Wochen zuvor die PEGIDA-Bewegung entstand und in dieselbe Kerbe schlug. Die Union und die Bundeskanzlerin verloren Halt im konservativen Lager.

Ein islamistischer Anschlag direkt im Nachbarland Frankreich hätte der Kickstart eines rechten Wählerschwunds sein können. Vor allem wenn man bedenkt, dass Merkel sich stramm in der linken Mitte positionierte als sie direkt nach dem Anschlag darauf verwies, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Für viele Deutsche war das das falsche Zeichen. Immerhin waren es Islam-Kritiker und Juden die dem Islamismus zu Opfer fielen und nicht die muslimische Bevölkerung.

Sie tat also, was getan werden musste und ließ über ihre Staatsministerin für Integration, Aydan Özoguz, kurzerhand die Mahnwache inszenieren - ohne der offizielle Veranstalter zu sein. Freilich mit viel Pathos und den höchsten Köpfen, die im Staate bekannt sind, bekannten sich alle Anwesenden zum friedlichen Islam.

Auf die Islamverbände sei laut „WamS" von staatlicher Seite Druck ausgeübt worden, damit sie als offizielle Organisatoren in Erscheinung treten. Dass die ganze Demonstration keine Idee der Islamverbände war, obwohl sie als Veranstalter auftraten, zeigen auch die Finanzierungsvorschläge: Die SPD zahlte auf Vorkasse und soll sich nun gemeinsam mit der CDU fast 90 Prozent der Kosten teilen. Den kläglichen Rest übernimmt der Zentralrat der Muslime, die anderen muslimischen Organisationen steuern nichts bei.

Von echter Distanzierung und gemeinsamem Vorgehen gegen Islamismus war die Veranstaltung also nicht geprägt. Eher von konformistischer Inszenierung und dem kalkulierten Versuch, trotz sanfter Positionierung eher links der Mitte, konservative Wähler nicht zu verlieren.


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Video: Anschlag in Paris: Video zeigt Moment der Schüsse auf "Charlie Hebdo"

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