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29/11/2015 11:28 CET | Aktualisiert 29/11/2016 06:12 CET

Jerry Kwarteng im Interview *** exklusive Infos ***

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© Paul Partyzimmer; Auf dem Bild: Jerry Kwarteng

Was liegt näher, wenn man via Sozialem Netzwerken einen neuen Kontakt knüpft Nachrichten und E-Mails austauscht, dann auch ein Interview zu machen? Gedacht, getan. Mein Interviewpartner ist heute Jerry Kwarteng ein Schauspieler, der in Hamburg aufgewachsen ist und mittlerweile in Berlin lebt. Neben Fragen zu der Schauspielerei gab es auch einen kleinen Abstecher in Sachen Sprache und Judo und Jiu Jitsu. Viel Spaß beim Lesen des Interviews.

Hallo Jerry. Ich hoffe, Dir geht es gut. Vielleicht kannst Du dich unseren Lesern einmal vorstellen.

Hallo Oliver. Es geht mir sehr gut. Vielen Dank. Sehr gerne stelle ich mich einmal vor. Also ich bin Jerry Kwarteng und geborener Hamburger Jung und Schauspieler. Aufgewachsen bin ich in Hamburg Bergedorf. Das ist ein Randbezirk von Hamburg. Obwohl ich schon in verschiedenen Ländern wie beispielsweise den USA gelebt habe, ist Hamburg in meiner DNA. Mittlerweile lebe ich in Berlin und fühle mich nach ein paar Anfangsschwierigkeiten auch sehr wohl hier. Ich bezeichne mich aber immer noch als Exil-Hamburger in Berlin. Ich betreibe leidenschaftlich Sport und habe neben der Schauspielerei meine Lizenz als Fitnesstrainer gemacht.

Auf der Agentur-Seite steht, das Deine Ausbildung/en noch relativ frisch sind. Wie empfandest Du das von einem, ich sag mal, sicheren Setting jetzt zu spielen und zu wissen: Das wird man jetzt auch sehen können?

Naja. Es ist natürlich schon was anderes, wenn du eine Rolle in einer TV Produktion hast und weißt das wird für einen Sender produziert. Man freut sich nach der Arbeit auf die Ausstrahlung und hofft das Format gefällt und den Part, den man gespielt hat. Allerdings haben auch Independence Produktionen ihren Reiz. Dort werden sehr oft Sachen ausprobiert, die sich das derzeitige TV eventuell noch nicht traut oder Interesse hat.

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© Paul Partyzimmer; Auf dem Bild: Jerry Kwarteng

Außerdem steht dort, das Du Judo und Jiu Jitsu trainiert. Wann hast damit angefangen und machst Du das immer noch?

Ich habe mit 9 Jahren mit Judo angefangen und 4 Jahre später mit Jiu Jitsu. Judo hat mir viel Spaß gemacht, da man die Energie und den Schwung seines Gegners zu seinem Vorteil und letztendlich zu seinem Sieg nutzt. Dieses Prinzip trage ich seitdem mit mir und nutze das in allen Lebenssituationen. Der Schritt zum Jiu Jitsu war ein leichter, denn er beinhaltet nach wie vor denselben Gedanken wie beim Judo, nur kommen jetzt noch Schläge und Tritte hinzu. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mittlerweile nicht mehr diese Sportarten trainiere. Ich hatte irgendwann leider nicht mehr die Zeit regelmäßig zu trainieren. Ich habe beide Sportarten jedoch gemacht bis ich 19 Jahre alt war.

Folgende Projekte sind fertig: „Tatort Köln" für die Folge „Narben", die im nächsten Jahr ausgestrahlt wird. Ende September waren einige Folgen mit Dir von der Serie „Rote Rosen" zu sehen. Außerdem gingen letzten Monat die Dreharbeiten zu „The Glorious Seven" zu Ende. Was kannst Du darüber erzählen? Worin bestanden die Herausforderungen bei den jeweiligen Rollen?

Alle Projekte waren tolle Erfahrungen. Die Rollen waren alle sehr unterschiedlich und die Vorbereitungen für jede eine andere.

Im Tatort spiele ich den Bruder eines Ermordeten. Wir sind beide vor Jahren aus dem Kongo nach Deutschland gekommen und haben uns in Deutschland eine Existenz aufgebaut. Als mein Bruder ermordet wird, suche ich auf eigene Faust den Mörder. Allerdings habe ich auch ein Geheimnis, dass mich zusätzlich antreibt den Mörder meines Bruders zu suchen. Die Dreharbeiten waren sehr toll. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, in diesem tollen Team mit diesen Kollegen zu arbeiten.

Es ist immer eine Herausforderung eine Person zu spielen, die aus einem anderen Kulturkreis kommt. Herauszuarbeiten was diese Person antreibt und hinter die Fassade zu blicken, die mit mir nichts gemein hat, war sehr spannend. Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Torsten C. Fischer hat mir bei der Entwicklung des Charakters sehr geholfen. Auch war die Arbeit mit Klaus J. Behrend und Dietmar Bär ungemein bereichernd.

Das Format "Rote Rosen" ist ein komplett anderes als "Tatort". Die Arbeit bei Rote Rosen ist viel schneller und man muss von einer Spielsituation sehr schnell in die nächste. Meine Rolle kam in dieser Geschichte aus der Vergangenheit des Hauptcharakters Lasse (gespielt von Oliver Sauer), der diese verdrängt hatte.

Da waren einige emotionale Konflikte zwischen den beiden Rollen vorhersehbar. Der Wechsel von einer, sagen wir mal, Szene mit schweren Stimmung zu einer Szene mit leichter und heiterer Stimmung zu wechseln und alle emotional ehrlich zu spielen, war sehr interessant. Die Arbeit mit Oliver Sauer und Anne Moll war ganz toll und hat unheimlich viel Spaß gemacht.

Dagegen waren die Dreharbeiten zu dem Projekt „The Glorious Seven", der ein Actionfilm ist, ganz anders. Dabei ging es auch darum eine körperliche Fitness für die Stunts aufzubauen. Es macht ganz besonders viel Spaß, wenn man die Chance hat einen Actionfilm zu machen. Da will man natürlich soviel wie möglich selber machen. Ich konnte bei dem Projekt alle Kampfszenen selber machen. Zusätzlich habe ich extra für den Film reiten gelernt. Das war für mich schon was besonders.

Außerdem hast Du mir einer E-Mail geschrieben, dass Du in anderen, kleineren Produktionen zu sehen warst beziehungsweise zu sehen sein wirst. Welche sind das?

Ich hatte die große Freude in verschiedenen Projekten kleinere Rollen übernehmen zu dürfen. Unter anderem habe einen kleinen Auftritt bei der Serie „Deutschland 83", die im Moment auf RTL läuft. In der Szene spiele ich mit der großartigen Maria Schrader. Es hat mich ungemein gefreut, dass ich bei so einer tollen und einzigartigen Serie mitwirken konnte.

Dann spiele ich bei Tierärztin Dr. Mertens in einer Folge mit. Es war super einmal zu sehen, wie man mit Tieren auf einem Set arbeitet. In diesem speziellen Fall handelte es sich um Kamele. Merke gerade, dass ich dieses Jahr einige Dreharbeiten mit großen Tieren hatte. Es gibt ja immer mal 'ne Katze oder Hund, aber Kamele fand ich schon heiß.

Ein besonderes Highlight war für mich ein internationaler Dreh. Bei den Dreharbeiten zu „The Correspondence" durfte ich neben Olga Kurylenko spielen. Olga Kurylenko bewundere ich seit ich sie in James Bond „Ein Quantum Trost" gesehen habe. Auch war die Arbeit mit dem Regisseur Giuseppe Tornatore, der bereits einen Oscar für Cinema Paradiso gewonnen hat, sehr beeindruckend.

Aktuell stehen für „Letzte Spur Berlin" und „Open Wound" die Dreharbeiten an. Was kannst Du unseren Lesern darüber erzählen?

Ich habe die Dreharbeiten für Letzte Spur Berlin gerade abgeschlossen. Ich durfte in einer Szene ein wenig mit der wunderbaren Jasmin Tabatabai flirten. Das hat besonders viel Spaß gemacht. Meine Rolle unterstützt die Ermittler, gespielt von Hans-Werner Meyer und Jasmin Tabatabai bei Ihrer Arbeit. Mehr darf ich im Moment wohl nicht sagen.

In Open Wound handelt es sich um einen Erotik Thriller... Ja, ich denke so kann man es wohl nennen. Es ist ein Treffen zwischen einen Mann und einer Frau, die von einer Party kommen und beschließen zusammen noch zu einer Pool Party gehen zu wollen und beschließen vorher aber noch einen Stopp in einem Haus zu machen.

Dort angekommen entwickelt sich langsam ein qualvolles Mind Game. Der Regisseur Jürgen Weber hat ein sehr provokantes Drehbuch geschrieben. Als er mir die Hauptrolle des Mannes anbot, habe ich schon ein paar Tage darüber nachdenken müssen. Dachte aber dann, dass man wohl nie wieder die Chance bekommen wird, mal so ein Projekt zu machen. It is just so crazy... I just have to do it...

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© Paul Partyzimmer; Auf dem Bild: Jerry Kwarteng

In Deiner Info steht, dass Du deine Muttersprache Deutsch ist, Du aber auch fließend und akzentfrei Englisch und Spanisch sprichst. Kam Spanisch auch durch Deine schulische Bildung, Selbststudium oder woher?

Ich habe über 5 Jahre in Barcelona gelebt und gearbeitet. Da habe ich dann auch Spanisch gelernt. Das waren ganz besondere Jahre für mich, in denen ich gelernt habe, dass man so viele Pläne machen kann wie man will, aber eigentlich nur eine Idee hat von der Zukunft. Am Ende kommt es dann doch ganz anders, als man denkt.

Kannst Du dich noch daran erinnern, wie es war Sprachen zu lernen? Was kannst Du Menschen mitgeben, die eine neue erlernen wollen?

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Vor allem deswegen, weil ich nach Barcelona gegangen bin und konnte nicht ein Wort Spanisch. Damals dachte ich, ich komme mit Englisch schon irgendwie lang. Zu meiner großen Überraschung stellte ich aber fest, dass man in Spanien tatsächlich auch Spanisch sprechen sollte. Zwinker, zwinker... Nein, im Ernst. Ich bin an das Thema Sprache sehr blauäugig ran gegangen.

In Barcelona angekommen musste also zunächst die Sprache flott gelernt werden. Ich bin da also erst einmal in eine Sprachschule und habe dann aber sehr schnell begriffen, dass für mich, die einzige Art wie man eine Sprache wirklich gut lernt, wenn man Kontakt mit den Menschen dort hat. Ich habe mir dort einen Freundeskreis aufgebaut und bin in eine WG mit lauter Spaniern gezogen. Da konnte keiner Englisch. So habe ich die Sprache dann sehr schnell gelernt.

Eine neue Sprache lernt man natürlich am besten in dem Land selber. Das ist nun aber nicht immer im Bereich des Möglichen, daher sollte man zumindest versuchen einen Austausch mit Muttersprachlern zu bekommen. Zusätzlich sollte man sich interessante Bücher und Filme in der Sprache holen. Dann braucht es nur ein wenig Fleiß und Lust an der Sprache. Dann klappt es eigentlich relativ schnell.

Du hast mir von einem Projekt berichtet, wo es um „Schwarze Filmschaffene Community" gehen wird. Was kannst Du mir darüber erzählen? Das Ganze klingt nach einem interessanten Projekt. Woher kam die Idee dafür? Gibt es konkrete Pläne dafür?

Die „Schwarze Filmschaffende Community" sind schwarze Filmemacher vor und hinter der Kamera. Derzeit ist der größte Anteil unser Gruppe schwarze, deutsche Filmemacher. Wir arbeiten daran andere Geschichten, zu entwickeln und Projekte zu verwirklichen. Wir haben neben einer Vielzahl von Schauspielern, auch Regisseure und Autoren, und zusammen arbeiten wir in und an verschiedenen Projekten, mit denen wir, ohne große Erklärungen darüber, warum denn beispielsweise auch Schwarze akzentfrei Deutsch sprechen oder ähnliches, Geschichten auf die Leinwand oder TV zu bringen.

Wir sind Teil der deutschen Kultur und Gesellschaft und möchten einfach die Geschichten entwickeln und verwirklichen, die derzeit im deutschen TV noch nicht erzählt werden. Zu oft sieht man Schwarze in der Rolle des gebrochen sprechenden Ausländer. Man übersieht dabei, dass Deutschland mittlerweile so bunt geworden ist und dies natürlich eine Vielzahl von neuen Geschichten mit sich bringt, die man auch erzählen sollte.

Diese Geschichten bieten eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten mit sich, die unserer Ansicht nach, die TV Landschaft bereichern wird. Allerdings geht es nicht nur darum TV oder Filmprojekte zu entwickeln, sondern sind wir ein kreativer Raum, für deutsche, schwarze Künstler aus und um die Medienbranche, indem wir uns inspirieren lassen, zusammen kommen für Theaterprojekte und Lesungen. Wir wollen eben nicht darüber, wie Schwarze oft in den Geschichten im TV gezeigt werden meckern, sondern mit positiver Energie daran arbeiten auf uns und die damit zusammen hängenden anderen Geschichten aufmerksam zu machen und neue Wege gehen.

Ich engagiere mich da gerne und plane gerade regelmäßige Kinoabende in denen das Publikum jedes Mal zu einem Thema etwas vorgestellt bekommen soll. Das Thema des ersten Kinoabends wird sein: "Deutsche, schwarze Regisseure stellen Ihre Werke vor".

Dabei geht es nicht in erster Linie darum, dass wir jetzt nicht nur Filme zeigen, in dem nur schwarze besetzt wurden, sondern ganz im Gegenteil. Es geht darum, Filme zu zeigen von Filmemachern, die für die Erzählung Ihrer Geschichten sich den Menschen bedient, die man im heutigen Deutschland halt auch sieht. Das sind Menschen mit verschieden Hautfarben in allen Bereichen des täglichen Lebens als Ärzte, Anwälte etc. Ich verspreche mir davon einen sehr interessanten Abend, denn ein deutscher, schwarzer Regisseur wird eine Geschichte möglicherweise anders erzählen.

Da seine Erfahrungen andere sind. Nicht besser, oder schlechter oder intensiver...schlicht anders. Diese Erzählart interessiert mich und ich bin mir sicher, dass es andere auch interessieren wird. Im Moment bin ich da noch in der Planungsphase, habe mir aber als Ziel gesetzt, das erste Trimester des nächsten Jahres den ersten Abend durch zuführen. Andere Projekte, die von anderen Mitglieder von uns getragen werden, sind ebenfalls in der Planung für das nächste Jahr. Ich halte dich da auf dem Laufenden.

Vielen Dank für das Interview.

Ich habe zu danken. Im nächsten Jahr kommen einige Sachen raus, wie unter anderem Tatort. Es würde mich freuen, wenn ihr einschaltet. Ich kündige, dass aber alles auf meiner offiziellen Facebook Seite. Ich würde mich freuen, wenn einige von euch mir da oder auf Instagram folgt.

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