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23/12/2015 06:51 CET | Aktualisiert 23/12/2016 06:12 CET

Ich hab die Unschuld kotzen sehen - Und wir scheitern immer schöner von Dirk Bernemann Buchkritik

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Das Leben ist Krieg. Der Krieg hat uns alle leer gemenscht, kaputtgeKRIEGt.

Das Leben ist kein Krieg, sondern Sehnsucht, irgendwas zwischen Verachtung und Liebe!

Das Leben ist Krebs, er zieht Metastasenstraßen durch meinen Leib.

Das Leben ist Konzentrationsamok, ein Garten rot blühender Neurosen.

Und ich bin der Menschenkarton mit chemischem Inhalt.

All das geschrien, während Genitalien sich duellieren ...

Dirk Bernemanns zweites Werk, die Welt so zu erklären, wie sie wirklich ist. Wieder hat er das literarische Skalpell zur Hand genommen, seine Schnitte gehen tief, treffen zielsicher unseren Verstand und unser Bauchgefühl. Wir fühlen uns ertappt, betrogen und verletzt.

Und doch, unter all dem, was wir Leben nennen, ist auch Hoffnung ...

oder ist das nur Verfall de Luxe?

Das Leben hat sich in den Augen Bernemanns nicht groß verändert, deshalb blieb der Titel des Buches gleich. Auch wenn es sich um andere Geschichten, andere Schauplätze und andere Charaktere handelt, fühlt man sich wieder beobachtet, von der Unschuld ...

Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, um den zweiten Teil zu verstehen ...

Erst habe ich mir überlegt einfach, plump, auf die Besprechung des ersten Teils hinzuweisen nachdem hier der Infotext widergegeben worden ist, das erschien mir im nachhinein aber weder sinnvoll, noch richtig noch irgendwie fair. Immerhin hat sich sowohl Autor als auch Verlag in Unkosten gestürzt, die einen verloren Zeit und die anderen Zeit und Geld, irgendwas muss ich also auch investieren.

Ich muss erwähnen das ich normalerweise eher Musik vorziehe während ich lese die weder Melodien noch irgendwie verständlichen Gesang hat, einfach um vorzubeugen das ich durch Melodien, Mitschunkel-Parts oder Gesang abgelenkt, bei diesem Buch habe ich alles ausgeblendet oder konnte es ausblenden weil, ja weil,... weil was? Weil ich es gut fand nehm ich an, weil ich es richtig empfinde was hier geschrieben steht, weil es der Realität entspricht und ich Menschen bevorzuge die sich dieser auch stellen.

War der erste Teil noch direkt und brutal direkt mit dem Vorschlaghammer der Realität ins Gesicht geschlagen, wirkt der zweite Teil nicht weniger realistisch, aber subtiler, als wenn Dirk Bernemann statt eines Vorschlaghammers ein, ja, ja - ein Skalpell benutzt. Alles ein wenig subtiler, von Geschichten aus Sicht eines Polizisten, eines Stiers oder eines Embryos - um einige Beispiele zu nennen, ist alles vertreten. Für viele wird es ein Diebstahl der achso geliebten rosaroten Brille gleich kommen, für andere wird es nur eine Bestätigung sein. Beides ist gut und richtig so. Dirk Bernemann nimmt mit diesem Buch viel, gibt den Lesern - falls nicht vorhanden - als Gegenleistung den nötigen Blick für den Realismus zurück.

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