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04/03/2016 11:02 CET | Aktualisiert 05/03/2017 06:12 CET

Hashima - Die Geisterinsel von Japan

2016-03-04-1457069801-6608114-5285519924_225c2e6132_z.jpg Foto von diesem Fotografen.

Ein Bericht über die Geisterinsel Hashima.

Was ist Hashima?

Eine Kurzinfo

Hashima ist eine Insel, die südwestlich von Takashima liegt und der Stadt Nagasaki zugehörig ist. Der gebräuchlichere Name der Insel lautet Gunkanjima (Kriegsschiff-Insel).

* Hashima wird als Name genutzt, weil es die letzte sichtbare Insel in dieser Himmelsrichtung ist, und bedeutet Grenzinsel.

* Gunkanjima (Kriegsschiff-Insel) kommt von einem Reporter, der diesen Begriff nutzt, um an den Stolz von Japan zu erinnern: nämlich an der Tosa-Klasse (Kriegsschiff).

Die Geschichte der Geisterinsel

Von 1887 bis zum Jahr 1974 diente die Insel als unterseeisches Kohleabbau-Gebiet und ist seitdem nicht mehr bewohnt. Ursprünglich besaß die Insel eine Breite von 120 m und eine Länge von 320 m. Heute hat sie die Maße 160 m in der Breite und 480 m in der Länge, zuzüglich einer Küstenlänge von 1,2 km. Dies kam durch einige Aufschüttungen mit Abraum zustande. Die Fläche beträgt 6,3 ha. Unter der Leitung des Mitsubishi-Konzerns begann circa 1916 die Blütezeit des Bergbaus.

In diesem Zeitraum wurde hier auch Japans erstes mehrstöckiges Wohngebäude aus Stahlbeton errichtet. Auf der Insel Hashima lebten zeitweise über 5200 Arbeiter samt Familienangehörige. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die einheimische Belegschaft durch chinesische und koreanische Zwangsarbeiter ausgetauscht. Durch die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen verloren circa 1300 Menschen ihr Leben.

Die Leichen wurden nicht bestattet, sondern in verlassenen Stollen verscharrt oder in das Meer geworfen. Nach dem Krieg wurde im Jahr 1959 eine Bevölkerungsdichte von über 83.000 Einwohnern pro Quadratkilometer festgestellt. Dies bedeutet einen Wohnraum von circa 9,9 m² für einen einzelnen Arbeiter, für Familien stand die doppelte Größe zur Verfügung. Toiletten, Bäder sowie Küchen wurden gemeinschaftlich genutzt.

Aufgrund der begrenzten Fläche wurde die Infrastruktur teilweise sogar unterirdisch ausgebaut. So gab es neben den verschiedenen Verwaltungs- und Wohngebäuden auch Tempelanlagen und Schreine, eine Polizeistation, ein Postamt, Badeanstalten, eine Kläranlage, ein Kindergarten, Grund- und weiterführende Schulen, eine Turnhalle, ein Kino, Gaststätten, eine Kegelbahn, 25 Geschäfte, ein Hotel, ein Krankenhaus, ein Swimmingpool und ein Bordell. Dass ein Bestattungsunternehmen fehlte, muss ich sicherlich aufgrund der oben geschilderten Umstände, also, wie mit den Leichen umgegangen worden ist, nicht erwähnen.

Mittels unterseeischer Leitungen gab es Wasser und Strom von der Hauptinsel, Gemüse, Tee und beziehungsweise oder Kräuter wurden auf sogenannten Dachgärten angebaut. Das Schicksal der Insel wurde am 15. Januar 1974 aufgrund von Energiereformen beschlossen.

Die Bewohner waren mit sofortiger Wirkung arbeitslos und ließen persönliche Gegenstände wie zum Beispiel Möbel, Spielzeug et cetera auf der Stelle zurück und beeilten sich bis zum 20. April 1974 von der Insel zu kommen. Dies war nämlich schon der letzte Zeitpunkt, wo das möglich war.

Und heute?

Heute verwittert alles und hinterlassen einen seltsamen Eindruck eines Sperrgebietes als Resultat eines grausamen Szenarios. Viele Japaner sehen die Insel als Mahnmal an. Auch wenn das Betreten der Insel nicht erlaubt ist, so belegen Feuerstellen, Graffiti und so weiter, dass sich daran wohl nicht alle gehalten haben. Die Stadt Nagasaki bietet regelmäßig Umrundungen der Insel auf Booten an und seit April 2009 ist aufgrund eines gesicherten Besichtigungspfades die Insel erstmals wieder betretbar.

(Artikel 2013 erstmal an anderer veröffentlicht.)

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