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16/08/2015 08:56 CEST | Aktualisiert 16/08/2016 07:12 CEST

Chris Laut (Ohrenfeindt) im „Short & Sweet"-Interview

2015-08-15-1439659799-789159-ohrenfeindt_2015.jpg (c) Carlos Goethe (www.carlitopix.com); Auf dem Bild: Ohrenfeindt

Chris Laut von der Band Ohrenfeindt hat sich den zehn Fragen unseres „Short & Sweet"-Interviews angenommen und diese ausführlich beantwortet. Neben Accessoires, Songzeilen geht es natürlich auch um Ohrenfeindt und deren kommendes Album sowie die Zukunftspläne. Viel Spaß beim Lesen des Interviews.

1.Tendierst Du eher zu romantischen Spaziergängen oder zu anderen Möglichkeiten - wenn ja welche?

Ich gehe tatsächlich sehr gern spazieren, da dabei in meinem Kopf ein ganz eigener Rhythmus entsteht, aus dem immer wieder mal Melodien und Songs werden. In Sachen Romantik KANN das funktionieren, wenn ich es hinbekomme, dass mein Kopf dabei nicht automatisch in den Songwriting-Modus übergeht. Deshalb gehe ich da lieber auf Nummer sicher und wähle Umschlag 2: das Candle-Light-Dinner). Oder Umschlag 3: einen Drink in einer hoch gelegenen Cocktailbar in einem Wolkenkratzer auf St. Pauli mit Blick auf den Hafen.

2.Diese Songzeile klingt wie von mir geschrieben:

Da gibt es zwei Zeilen von einem meiner persönlichen Helden, Bon Scott, dem verstorbenen Sänger von AC/DC. In beiden Fällen möchte ich mir nicht anmaßen, dass ich diese Zeilen je hätte schreiben können, aber ich wünschte, sie wären von mir: "Got myself a one-way ticket going the wrong way" aus "Ride On" und "She had the face of an angel, smiling with sin, the body of venus with arms" aus "Touch Too Much". Ich meine: "wie die Venus, aber mit Armen" - da muss man erstmal drauf kommen. Ganz großes Kino!

3.Welches Accessoire trägst Du immer?

Meinen Ehering! Und einen Ring mit unserem Bandlogo, den mir mein Freund Reno Machule von Customringz vor Jahren geschenkt hat. Beide stehen für die langfristigsten und wichtigsten Bindungen in meinem Leben, die an meine Band OHRENFEINDT und die an meine wundervolle Frau, ohne die ich die Band nicht mit der Energie machen könnte, mit der ich das tue.

4.Bist Du abergläubisch?

Nein. Ich sehe mich als absoluten Realisten. Ich bin schon früh zu der Auffassung gelangt, dass man die Dinge sehen sollte, wie sie sind - und nicht wie man sie gern hätte oder andere sie einem schlecht oder schön reden wollen. Einfach mal genau hinsehen und sich auf den Kern einer Sache konzentrieren, und viele wichtige Entscheidungen im Leben werden einfacher.

5.Wenn Dich in diesem Moment jemand sehen könnte, was sähe die betreffende Person dann?

Einen tätowierten bärtigen Mann ohne Haare auf dem Kopf, der gerade auf einer Tastatur rumhackt, um diesen Fragebogen zu beantworten.

6.Wenn ich ein Tier wäre, dann würde ich gerne ... sein und wieso?

Ich wäre dann gern ein Wolf. Ich bin ein geselliger Mensch, der die Teamarbeit liebt, sonst könnte ich unmöglich in einer Band sein. Wölfe sind sehr gesellig, sie sind Rudeltiere. Sie könnten ohne ihr Rudel nicht jagen, nicht überleben. Im Rudel wird die soziale Verantwortung für die Gruppe sehr wichtig genommen. Im Spiel haben Wölfe sehr viel Spaß miteinander. Und wenn sie einander suchen, heulen bzw. singen sie, wenn man so will. Was könnte dichter an meinem Lebensentwurf sein?

7.Was nervt Dich momentan an der Menschheit am meisten?

Intoleranz, die zumeist aus Unwissen entsteht, aus der Verklärung von Ideologien und dem Ignorieren von Fakten. Fremdenfeindlichkeit zum Beispiel: wenn ich die Stammtischmeinungen dazu so höre, frage ich mich, ob die Beteiligten eigentlich alles vergessen haben, was in Mitteleuropa so abgegangen ist - insbesondere diejenigen, die in einem Land leben, dass vor noch gar nicht so langer Zeit Menschen massenweise in KZs gesperrt und getötet hat und nach einem selbstverschuldeten Krieg auf Hilfe aus dem Ausland bitter angewiesen war. 70 Jahre danach werden hier wieder fremdenfeindliche Reden geschwungen. Vielleicht auch deshalb, weil viele Menschen gar keine Lust mehr haben, das, was Ihnen durch bestimmte Interessengruppen vorgekaut wird, zu hinterfragen. Viele gehen ja nicht einmal mehr zur Wahl. Unfassbar eigentlich, auf dieses wichtige Recht (das aus meiner Sicht auch eine Pflicht ist) zu verzichten, aber möglicherweise einer allgemeinen Politikverdrossenheit geschuldet. Diesen Schuh muss sich die politische Elite anziehen, die sich lieber selbst die Taschen voll macht und plumpe Vetternwirtschaft betreibt. Wenn da ehemals hochrangige Politiker am Ende ihrer Karriere mit lukrativen Posten in der Wirtschaft versorgt werden, merken das selbst die Menschen, die sich ansonsten eher wenig mit Politik beschäftigen, und verlieren dann vollends das Interesse daran.

8.Ein Virus verwandelt den größten Teil der Menschheit in wandelnde Leichen. Das erinnert Dich an ... ?

... diverse Filme und Bücher aus dem Zombie-Genre. Für viele Menschen sicher ganz unterhaltsam, mich persönlich langweilt das allerdings eher, obwohl ich Endzeit-Szenarien durchaus etwas abgewinnen kann. Das geht dann allerdings eher in Richtung Action und Bewegung, wie etwa bei den ersten Mad Max-Filmen, oder in die entgegengesetzte Richtung. Da gefällt mir zum Beispiel die karge Poesie von Cormac McCarthys "The Road".

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9. Erzähl doch bitte etwas über Dein neues Projekt / Release.

Am 18. September 2015 erscheint das sechste Studioalbum von OHRENFEINDT mit dem Titel "MOTOR AN!" Dieses Album ist für mich ein Meilenstein, denn das letzte Album "AUF DIE FRESSE IST UMSONST" war nach einem Besetzungswechsel eher ein Soloalbum mit Gästen. "MOTOR AN!" dagegen ist wieder ein Bandalbum. Ich bin sehr glücklich mit meinen neuen Mitmusikern Andi (Rohde, Schlagzeug) und Keule (Pierre Blesse, Gitarre), die sich sehr in die Band einbringen und mir viel von den Schultern nehmen, was ich bisher allein auf die Reihe kriegen musste. Wir alle sind total begeistert von der fetten Produktion, die unser Co-Produzent Olman Viper in den Hertzwerk / nullzwei Studios wieder zusammengeschraubt hat. Es ist Olmans dritte OHRENFEINDT-Scheibe - und bei jedem Mal legt er noch 'ne Schippe drauf. Schick!

10. Was sind Deine Zukunftspläne?

Zunächst mal Doppel-Platin, dann Weltherrschaft, im Anschluss freies Erdbeereis für alle! Im Ernst: ich bin zufrieden mit meinem Leben, so wie es ist. Klar: es geht bestimmt alles immer irgendwie noch ein wenig besser. Aber das passiert sowieso, wenn man sich nicht auf die faule Haut legt. Ich bin gesund, mit meiner Traumfrau verheiratet und habe den besten Job, den ich mir wünschen kann. Ich kann das Leben leben, von dem ich schon geträumt habe, als mein Hauptinstrument noch die Luftgitarre war: mit meiner Band rausgehen, dem Rock'n'Roll huldigen und dabei jede Menge Spaß haben. Und dafür werde ich auch noch bezahlt! Das möchte ich machen, so lange es nur geht!

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