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16/11/2015 11:21 CET | Aktualisiert 16/11/2016 06:12 CET

Nach den Paris-Anschlägen: Oliver Kalkofe rechnet mit Facebook-Nutzern ab

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Was wirklich traurig ist:

Dass nach furchtbaren Ereignissen wie denen in Paris Menschen z.B. auf Facebook nicht ihre Anteilnahme auf ihre persönliche Art bekunden können, ohne dafür zahlreiche Kommentare zu erhalten, dass...

  • man ja damit nur zum Mitläufer wird.
  • man mal lieber bei anderen furchtbaren Ereignissen genau so hätte reagieren sollen.
  • man mit dem gewählten Bild/Symbol/Text nur seine Naivität und Dummheit beweist.
  • man generell einfach keine Ahnung hat.
  • man lieber mal auf den jeweiligen Schreiber hören sollte, der nämlich ganz genau weiß, warum das alles so ist und wie man dagegen vorgehen müsste.
  • man damit als dreckiger Linker doch nur wieder gegen die armen Pegida-etc-Besorgtbürger Stimmung machen will, die es doch nur als einzige gut meinen für unser Volk.
  • man eh nur ein doofes Arschloch ist.
  • man sich als Promi eh nur damit wichtig machen will und deshalb doch einfach die blöde Fresse halten sollte.
  • man sich als dämlicher Promi doch besser auch anderswo mal viel öfter einschalten sollte als nur gerade jetzt.
  • man - egal was man gerade wie auch immer tut oder sagt - auf jeden Fall sowieso alles falsch macht, weil man es nämlich ganz anders hätte machen müssen.
  • usw.
  • usw.
  • usw.

Was ich nicht verstehe:

Sollte nicht jeder bei einem traurigen Ereignis einfach seine Anteilnahme zeigen dürfen, egal auf welche Art, ohne dafür beschimpft zu werden? Und selbst wenn irgendjemand gerade die gewählte Form nicht als die perfekte Art der Gefühlsbekundung empfindet:

Kann man sich in diesem Fall einfach mal still darüber ärgern?

Gebührt den Opfern nicht zumindest der Respekt gezollt, dass die Hinterbliebenen sich nicht mit Fremden und Passanten lautstark während der Beisetzung über die Ausstattung der Beerdigung streiten müssen?

Woher kommt so viel Wut und Hass, selbst bei einem Ereignis wie diesem nicht seine Gefühle einfach auf seine persönliche Art zu bekunden, ohne anderen ihre streitig zu machen oder sich über diese zu beschweren? Wer hier oder an anderer ähnlicher Stelle pöbelt, mich oder andere beschimpft oder beleidigt, Hetzparolen verbreitet oder die ultimative Wahrheit verkündet - der hat leider gar nichts verstanden.

Und wird auch - bei aller Liebe zur freien Meinungsäußerung - gelöscht und gesperrt. Ich bin einfach nur traurig und fassungslos, dass selbst wenige Worte der Anteilnahme zu einem unverständlichen Gewaltakt derart viel verbale Gewalt hervorrufen können, von Menschen die sich selbst als zivilisiert und intelligent bezeichnen.

Was schlummert da an unterdrücktem Hass und blinder Wut vor all den vielen Tastaturen?

Scheinbar kommt es gar nicht auf den Grund an:

Wenn sich die Möglichkeit für einen kleinen Streit gibt, wird einfach gern zugegriffen. Prügeln für den Frieden - Hauptsache umsonst.

Die Wut muss ja irgendwie raus und stilles Nachdenken macht Kopfweh. Wahrscheinlich sind wir Menschen einfach so.

Und das macht mir Angst.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Facebook-Seite von Oliver Kalkofe. Hier geht es zum Originalbeitrag.

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