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13/04/2016 10:16 CEST | Aktualisiert 14/04/2017 07:12 CEST

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BJI / Blue Jean Images via Getty Images

Eine Situation, wie sie täglich in Deutschland und überall auf der Welt passiert: Man sitzt mit Freunden zusammen und alle starren auf ihre Handys.

Die letzten Meldungen auf Facebook, Whatsapp-Nachrichten, neue Bilder auf Instagram und Snapchat sind wichtiger als die Menschen gegenüber.

Phubbing nennt man dieses neue Phänomen, entwickelt aus den Worten "phone" (Telefon) und „stubbing" (von snub schroffe Ab-, Zurechtweisung).

Mehrere Kampagnen, welche diesen neuen Wahn stoppen sollen, sind unter dem Motto "Stop Phubbing" gestartet. Aber was verrät uns das über die gesellschaftlichen Verhältnisse?

Smartphone bekommt mehr Aufmerksamkeit als der Gesprächspartner

Sozialwissenschaftler der University of Sussex führten eine Studie durch, die untersuchte, wie sich Smartphones auf menschliche Beziehungen auswirken. Die Testpersonen wurden in Gesprächspaare aufgeteilt und mussten miteinander über alltägliche Themen sprechen.

Die eine Hälfte der Gesprächspaare durfte ihre Handys dabei haben, die andere Hälfte nicht. Nach den ersten zehn Minuten sollten die Teilnehmer Auskunft über das wechselseitige Verhältnis geben und einschätzen, ob sie und ihr Gesprächspartner Freunde werden könnten.

Diejenigen, die ihr Handy mitnehmen durften, beantworteten die Frage durchgängig negativer. Die Testpersonen kamen sich in dem Gespräch näher. Die Forscher schlossen daraus, dass das Handy "die Ausbildung von Freundschaften hindert, indem es den Einsatz und die Aufmerksamkeit des Einzelnen für den Partner reduziert".

Sind wir alle süchtig?

Am Tag schauen wir durchschnittlich 150 mal auf unser Smartphone. Manche schauen öfter auf das Display als in die Augen ihres Partners. Sind wir als Gesellschaft nun süchtig?

Vielleicht nicht direkt nach unserem Smartphone, aber sicherlich der eine oder andere danach, was das Smartphone alles kann. Gemeint sind damit die sozialen Netzwerke.

Ob man süchtig ist, ist einfach festzustellen. Machen Sie den Test auch bei sich. Sind negative Effekte sichtbar? Werden Sie sogar aggressiv, wenn ihr Internetkonsum beendet wird?

Denn starke Internetnutzer erleben negative Stimmungsschwankungen, wenn sie mit dem Surfen aufhören.

Wie bei allem kommt es natürlich auf das richtige Maß an. In einer digital vernetzten Welt ist Abschalten keine Option mehr für uns, aber Ruhepausen davon dagegen schon.

Wo und wann man Nachrichten beantwortet, bleibt jedem selbst überlassen. Doch sollten wir Prioritäten setzen und uns entscheiden, was wichtiger ist: Der lebendige Partner vor uns oder das Smartphone.

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Sie filmte sich mit ihrem Handy, als etwas Unfassbares sie unterbrach

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