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29/08/2015 17:31 CEST | Aktualisiert 29/08/2016 07:12 CEST

Vor 30 Jahren wurde das Wrack der TITANIC gefunden

Mmdi via Getty Images

Am 1.September jährt sich das Auffinden des Wracks des am 15.April 1912 gesunkenen Luxusliners RMS TITANIC durch eine französisch-amerikanische Expedition zum 30.Mal.

Pläne zur Bergung des Schiffes mit Hilfe von Magneten

Sehr schnell nach der furchtbaren Tragödie der TITANIC am 15.April1912 wurden die ersten, teilweise sehr abstrusen und skurrilen Überlegungen angestellt, wie man das Wrack der TITANIC finden und bergen könnte.

Bereits im März 1914, nur zwei Jahre nach dem Unglück, machte Charles Smith, ein Architekt aus Denver, Pläne zur Hebung der Titanic mit Hilfe von Elektromagneten und einem U-Boot, doch das Projekt wurde aufgrund der fehlenden Mittel fallen gelassen.

Auch die weiteren Versuche das Wrack zu finden, die in späteren Jahren angestellt wurden scheiterten. Es gab einfach noch nicht die Technologie um ernsthaft erfolgreich zu sein.

„Cadillac-Jack"

Sehr nah dran an einem Erfolg war in den Jahren 1980,1981,1983 der texanische Ölmillionär Jack Grimm (von seinen Freunden auch „Cadillac-Jack" genannt) bei seinen Expeditionen, denn er fand 1981 ein Schraubenblatt des Schiffes, was allerdings bis heute strikt geleugnet wird.

Seine Kritiker warfen ihm vor, dass er nur „einen gewaschenen Felsen" gefunden hätte. Allerdings wird inzwischen von einigen Experten eingeräumt, dass es sich bei dem Fund wohl doch um ein Schraubenblatt handelt - aber eben nicht von der TITANIC. Naja...

Französisch-amerikanische Expedition

Erst im Jahre 1985 wurde das Wrack von einer französisch-amerikanischen Expedition dann auch offiziell gefunden. Die Expedition, die von der National Geographic Society mitfinanziert wurde, war von der Woods Hole Oceanographic Institution aus Massachusetts und dem Staatlichen Französischen Institut für Ozeanographie (IFREMER) zusammengestellt worden.

Als Leiter des Tieftauchlabors von Woods Hole war der 42jährige Geologe Dr. Robert Ballard federführend, während IFREMER von Jean Jarry vertreten wurde.

240 Quadratkilometer Meeresboden

Das französische Forschungsschiff Le Suroit begann Anfang Juli 1985 seine sechswöchige Untersuchung von insgesamt 240 Quadratkilometern des Meeres, die größtenteils südlich und östlich der letzten, bekannten Position der Titanic lagen, weil Ballard angeblich der Meinung war, dass die vorherigen Expeditionen (natürlich auch die „gescheiterten" Expeditionen von Grimm) deshalb nichts gefunden hätten, weil sie einen zu kleinen Bereich des Meeres untersucht hätten.

Nachdem die Le Suroit etwa 80 Prozent dieser Region ohne Erfolg durchsucht hatte, ging dem Forschungsschiff die Zeit aus und sie kehrte nach Hause zurück, wobei sie angeblich einmal nur etwa 100 Meter vom Wrack entfernt gewesen sein soll...

ARGO

Ihren Platz nahm am 22.August 1985 das Forschungsschiff von Woods Hole, die Knorr ein, die 26 Besatzungsmitglieder und 23 Wissenschaftler an Bord hatte. Im Schlepptau der Knorr war ARGO, ein Unterwasser-Videokameraschlitten auch ROV genannt, mit einem Sonarsystem, starken Scheinwerfern und fünf TV-Kameras ausgestattet, die in verschiedene Richtungen zeigten.

Deren Hauptvorteil war, dass sie mehrere Tage durchgehend unter Wasser bleiben konnten wenn es denn notwendig werden sollte. Das konnten frühere unbemannte Forschungs- und Überwachungsgeräte nicht.

Die ARGO durchscannte mehrere Tage unter der Anleitung von Ballard und dem Techniker Jean-Louis Michel, mit dem Ballard in der Vergangenheit schon öfter zusammengearbeitet hatte, das Gebiet welches die Franzosen aus Zeitmangel nicht mehr untersuchen konnten, jedoch ohne die Titanic zu finden.

Die Entdeckung

In der Nacht des 31.August 1985 gab es, wie üblich, leider keinerlei neue Erkenntnisse. Um Mitternacht, am 1.September 1985, löste das Überwachungsteam von Jean-Louis Michel das Team von Robert Ballard ab, der sich zum Schlafen in seine Kabine begab.

So saß Jean-Louis Michel im Kontrollraum und beobachtete die Bildschirme, bis er kurz vor ein Uhr früh etwas auf dem Bildschirm sah.

Die Kameras nahmen kleine Metallstücke auf. Als sie weiter schwenkten, wurde klar, dass es sich um Spuren von Trümmern handelte. Sie befanden sich im Trümmerfeld der gesunkenen Titanic.

Große Metallzylinder

In der Zwischenzeit hatte Michel seine Männer angewiesen, Ballard zu holen und als gerade ein großer Metallzylinder am Bildschirm zu sehen war, betrat Ballard die Szenerie. Der Zylinder war sofort als Kessel zu erkennen und so wussten alle, dass sie die Titanic endlich gefunden hatten.

An diesen historischen Moment, über den seitdem viel geschrieben wurde, erinnerte sich Robert Ballard folgendermaßen: „ Es war unglaublich. All diese Jahre und all die Bemühungen und Tage mit den Franzosen und all die Zeit davor, und BANG- da war sie!"

Illusion für die Nachwelt

Ein interessantes Detail zur Entdeckung ist allerdings, dass die berühmten Videoaufnahmen der Entdeckung nicht echt sind. Da ein Robert Ballard schlafend in seiner Kabine lag als das Wrack gefunden wurde, beschloss man kurzerhand die Auffindung des TITANIC-Wracks für die Nachwelt noch einmal, diesmal mit Robert Ballard, nachzustellen.

Also sind die berühmten Ausrufer der Crew des Forschungsschiffes: „A boiler, this is a Boiler!" mit einem feiernden Robert Ballard nur eine Illusion für die Nachwelt. Sehr schön kann man das an der im Video bei dieser Sequenz eingeblendeten Uhrzeit erkennen, denn das Wrack soll ja kurz vor ein Uhr in der Nacht gefunden worden sein, aber die Uhrzeit zeigt nach vier Uhr an...

Der Bug der Titanic

Direkt bei Tagesanbruch kehrte ARGO zum Meeresgrund zurück, wo das riesige schattige Objekt einwandfrei als der Bug der Titanic identifiziert wurde, der aufrecht stand und in einem erstaunlich guten Zustand und nur leicht mit Ablagerungen überzogen war.

Die Bilder die von ARGO übermittelt wurden waren so deutlich, dass jede Niete ebenso zu sehen war, wie die schweren Ankerketten, die ruhig da lagen, Teile des Gepäcks der Passagiere, Bettfedern, Porzellangeschirr, eine Fliese vom Rauchsalon der ersten Klasse, ein Generator, eine Silberplatte, ein Fenster vom Rauchsalon der zweiten Klasse, ein Nachttopf, sogar einige Weinflaschen (später als Bordeaux und Riesling identifiziert), die wie durch ein Wunder das Unglück heil überstanden hatten.

Das Krähennest

Dann fand man das Krähennest mit einer losen Telefonschnur - damit hatte Frederick Fleet seine erste Warnung vor dem Eisberg verbreitet.

Die Fundstelle des Wracks war 41°43`N, 49°56`W, doch sie wurde vorerst geheim gehalten, um Plünderer fernzuhalten. Die Knorr verbrachte die nächsten fünf Tage in dem Gebiet mit der Suche nach dem Heck, das nicht zu finden und offenbar abgebrochen war. Am fünften Tag fand man es schließlich etwa 600 Meter hinter dem restlichen Wrack als ein fast total zerstörtes Stück.

Der erste und der letzte Schornstein fehlten. Laut dem Bericht des Zweiten Offiziers Lightoller war der vordere Schornstein ins Meer gekracht, als das Schiff unterging, und hätte ihn beinahe getötet.

3900 Meter Wassertiefe

Wieder an Land angekommen, gab Ballard eine Pressekonferenz. Seine Schlussworte waren: „ Die Titanic liegt in 3900 Meter Wassertiefe in einem sanften Hügelgelände, ähnlich dem Voralpenland, das hinter ihr zu einem kleinen Canyon abfällt. Ihr Bug weist nach Norden, und sie sitzt aufrecht auf Grund. In dieser Tiefe gibt es kein Licht und kaum Leben. Es ist ein stiller, friedlicher Ort, an dem die Überreste dieser größten aller Seetragödien ihre Ruhe gefunden haben. Möge es ewig so bleibe, und möge Gott die wieder-gefundenen Seelen segnen."

Die Spekulationen darüber, wann das Wrack der Titanic denn nun wirklich gefunden wurde, erhielten im Jahre 2005 neue Nahrung, als der französische Forscher Paul-Henri Nargeolet den amerikanischen Forscher Robert Ballard in einem offenen Brief scharf angriff.

Demzufolge erklärte der Franzose, dass Ballard "kein Wrack-Experte" sei, da sein Fachgebiet lediglich die Meeresbiologie sei. Ferner solle Ballard sich nicht so aufspielen, als "der Entdecker" des Wracks, da schließlich die Kessel und die ersten Artefakte von einem Kollegen des französischen Forschungsteams auf den Monitoren entdeckt wurden, während Ballard Nachtruhe hielt.

„Pfade nuklearer U-Boote"

Er warf Ballard des Weiteren vor, dass bereits 1977 die HMS Hecate, ein hydrographisches Schiff der königlichen Marine Großbritanniens, Karten der „Pfade nuklearer U-Boote" erstellt hatte, und dabei ein „großes Schiffswrack in zwei Teilen" entdeckte. Darüber sei Ballard bei der Expedition von 1985, bei der er die Titanic „entdeckte", bereits informiert gewesen...

Aber bis heute gilt der 1.September 1985 als der Tag an dem das Wrack der TITANIC nach 73 Jahren wiederentdeckt wurde.


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