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20/01/2017 09:12 CET | Aktualisiert 23/01/2018 06:12 CET

Backstage beim FC Basel: "Die heutige Jugend wird immer weicher"

Andrew Couldridge / Reuters

Wir sind zwei junge Schweizerinnen, die in Zürich geboren und durchs ganze Land und die ganze Welt gereist sind. Oft haben wir uns gefragt, was es eigentlich heißt, Schweizer zu sein. Mit dem Projekt „People of Swizerland" wollen wir daher die große Vielfalt dieses Landes und seiner Bewohner zeigen.

Jede Woche veröffentlichen wir auf unserer Seite die Portraits ganz unterschiedlicher Menschen dieser kleinen, aber internationalen Schweiz, fernab von Clichés über Schokolade, Uhren und Banken. Wir wollen herausfinden, wer die Leute wirklich sind, die hier leben, was sie bewegt und was sie inspiriert.

Heute stellen wir euch Marc Studach vor, Greenkeeper beim FC Basel.

So richtig Kollege mit einem Fußballstar werde man nicht. Viele hätten da eine falsche Vorstellung. "Ich kriege viele Bewerbungen von jungen Menschen, die unbedingt in meinem Team arbeiten wollen. Wenn ich ihnen dann aber erkläre, was sie alles als Greenkeeper des FC Basel machen müssen, sind sie nicht mehr so motiviert."

Mehr zum Thema: Es ist wichtig der Jugend klarzumachen, dass der Ponyhof seine Grenzen hat

Klar kenne er die Spieler, den Trainer und den Geschäftsführer persönlich. "Aber sie kommen vor allem dann auf mich zu, wenn ihnen etwas nicht passt. Oder wenn sie verloren haben und das Gefühl haben, es könnte am nicht perfekten Rasen liegen." Vor allem bei den Großen Matches wird vom Rasen viel abverlangt. Bei einem Europa League Final hat ihm die UEFA für den Rasen ein Gut gegeben und sich bedankt, "ein solches Lob muss man in Ehren halten".

Das Biotop unter den Füßen

Marc steht im leeren und gigantisch wirkenden "Joggeli". Hinter ihm leuchtet das Grün des heiligen Rasens. Ein technisches Konstrukt beleuchtet jeweils einen schmalen Streifen des Fussballplatzes. In der Wintersaison muss der Rasen künstlich "besonnt" werden, damit er schön wächst. "Das ganze Feld ist eigentlich ein in sich abgeschlossenes Biotop", erklärt er. Benutzt wird Granulat und Flüssigdünger aus Algen und gemäht wird von Hand, das ist schonender.

Der Bildschirm als Filter

FCB-Spiele sieht er sich im Stadion an. Aber nicht auf den Rängen, sondern auf den Screens. Gibt es ein Tor, bei dem die Spieler bis in die letzte Sekunde auf dem Rasen hin und her gleiten, schreit Marc auf. "Nicht wegen dem Tor. Sondern weil ich sehe, wie das Fussballfeld immer mehr kaputtgeht!"

Wenn es den Jungen zu bequem wird

An diesem grauen Mittag nieselt es leicht, "nur das Wetter können wir noch nicht selbst machen" sagt Marc. Aber eigentlich können Sie mit jeder Wettersituation gut umgehen. Nach vier Jahren weiß Marc und sein Team genau, was gebraucht wird. Junge hat er leider keine in seinem Team, "die heutige Jugend wird immer weicher, die müssen mal den Finger rausnehmen".

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Marc ist sehr froh, in der Schweiz geboren zu sein. Für Ihn ist ein Schweizer einer, der jeden Tag aufsteht und arbeiten geht, ohne sich zu beschweren. "Es kommt einfach mal zuerst die Arbeit", das war immer so, nur möchten viele Jungen heute nicht so viel arbeiten. "Sie müssen mehr mitdenken und einfach mit beiden Beinen im Leben stehen".

Zu Hause kümmert sich die Frau um den Garten

Marc ist froh, wenn er mal frei hat, denn in den Sommermonaten wird der Rasen fast täglich genutzt und auch in der Wintersaison läuft genug. Außerdem ist er auch für Reparaturen im Stadion, wie die Häge oder die Velos der Spieler, zuständig. "An freien Tagen muss ich einfach abstellen, auf dem Land kann ich das am besten." Auch zu Hause hat er einen Rasen im Garten, aber hier mäht ihn seine Frau.

http://peopleofswitzerland.com/

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