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31/01/2016 13:27 CET | Aktualisiert 31/01/2017 06:12 CET

Mein Vorbild mit der kalten Schnauze

Lumiphil via Getty Images

Vorbilder, da denke ich eigentlich an Geisteswissenschaftler, Forscher und extrem sozial engagierte Menschen, die einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, für die Welt, für ihre Mitmenschen leisten. Etwa an Nelson Mandela, Mutter Theresa, Martin Luther King Eigentlich!

Und es gibt durchaus Stärken weniger berühmter Menschen, die mich faszinieren, die ich gerne nachahmen möchte. Ich bewundere meine Therapeutin, die mir seelenruhig wöchentlich eine Stunde zuhört und mit mir meinen Seelenmüll ausklamüsert ohne selbst dabei vor die Hunde zu gehen.

Ich finde es beeindruckend, wie Feuerwehrmänner, Rettungsärzte und andere Menschen in Notsituationen einen kühlen Kopf bewahren können, um anderen zu helfen. Und ich möchte gerne ein Stück von den Menschen haben, die ein solch starkes Rückgrat besitzen, um für ihre Meinung einzustehen, auch wenn tausend andere dagegen sind.

Das sind Beispiele, an die ich eigentlich denke, wenn ich über Vorbilder nachdenke. Eigentlich!

Nun, es gibt da ein großes uneigentlich

Wenn mich ein anderer Mensch inspiriert und ich ihm in seinem Handeln vielleicht ein Stück weit nachahmen möchte, dann setzt das voraus, dass ich handlungsfähig bin. Das ich lebe!

Nun ja, ich bin am Leben, keine Frage. Aber lebe ich wirklich oder existiere ich derzeit nur?

Seit gefühlten hundert Jahren bin ich depressiv und habe Angstzustände. Zwischendurch scheint auch mal die Sonne, doch diese berührt mich nicht nachhaltig.

Die Phase einer Depression kann ich nicht wirklich „Leben" nennen. Ich meine, „Leben", das bedeutet doch, sich frei zu fühlen, Dinge genießen zu können, zufrieden zu sein. Vielleicht sogar glücklich zu sein, aber gut, ich möchte es auch nicht gleich übertreiben!

Leben, dass ist, wenn man den Soundtrack seines Ichs spürt und tanzen kann

Mit meiner Depression und Angst verläuft mein Soundtrack oft in Moll ... manchmal gibt's unendlich viele Takte hintereinander, die aus Pausen bestehen ... ich höre nichts. Ich fühle nichts. Ich bin innerlich wie tot.

In solchen Momenten, solchen Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten hilft es mir überhaupt nicht weiter, daran zu denken wie Mutter Theresa sich für die ärmsten der Armen oder wie Mahatma Gandhi sich für Menschenrechte einsetzte.

Ich kann nicht versuchen, deren Stärken nachzuahmen oder mich dem Ideal dessen hingeben, wo ich doch gerade keinen Boden unter den Füßen habe, nicht weiß, wer oder was ich bin oder will und in mir wie gelähmt bin.

Es zermürbt mich eher, daran zu denken, was andere unter grausamen Umständen erreicht haben - und ich unter objektiv gesehen weniger schlimmen Umständen nicht schaffe!

Vorbilder helfen einem, sein Leben zu gestalten, man orientiert sich an derem Handeln und Lebensstil! Vorbilder helfen einem auf dem eigenen Lebensweg!

An diesem Punkt kommen meine Haustiere ins Spiel. Klingt komisch, oder? Ja, im ersten Moment fand ich den Gedanken auch merkwürdig - Tiere als Vorbild? Was haben Tiere für Eigenschaften, die man schätzen kann? Ist das nicht zu weit hergeholt?

Nun, wir kennen alle die Aussagen „Schlau wie ein Fuchs" oder „Treu wie ein Hund" und auch der Spruch mit der Biene ist weit verbreitet:

„Nach den bekannten Gesetzen der Physik ist es Bienen unmöglich zu fliegen. Ihre kleinen Flügeln können so einen schweren Körper gar nicht in der Luft halten. Die Bienen allerdings interessieren sich nicht, was die Menschen denken und fliegen trotzdem."

Tiere haben durchaus Eigenschaften, die erstrebenswert sind, die man sich von ihnen abgucken könnte. Darüber hat selbst das Nachrichtenmagazin Zeit online mal geschrieben - Von Tieren lernen.

Ich kann zu Gandhi & Co aufschauen, doch wenn ich auf meine Tiere blicke, dann inspirieren, faszinieren und motivieren sie mich, mein Leben zu gestalten

Bei mir leben derzeit ein paar Frettchen. Sie helfen mir durch meinen recht unstrukturierten Tag. Sie helfen mir, ihn überhaupt erstmal zu beginnen. Wären meine Frettchen nicht, hätte ich keinen Grund früh aufzustehen. Sie helfen mir in meiner Antriebslosigkeit - immerhin brauchen sie Futter, wollen spielen und ein sauberes Zimmer.

Mich beeindruckt, dass sie ihr Leben bei mir genießen können - ohne ständig darüber nachzugrübeln, aus was für einer schlechten Haltung sie teilweise kamen und was ihnen furchtbares passiert ist. Sie leben im Augenblick. Im Jetzt und Hier.

Meine Frettchen helfen mir in meiner Gefühlsleere - sie wecken die Gefühle in mir, die so oft versteinert sind. Sie füllen mich aus. Sie bringen mich mit ihrem manchmal tollpatschigem Verhalten zum Lachen. Wenn sie auf meinem Arm schlafen und vor sich hinschnarchen fühle ich die Liebe zu ihnen.

Wenn sie krank sind, bringen sie mich auch mal zum weinen, was glücklicherweise nicht allzuoft vorkommt.

Nein, meine Frettchen sind für mich da. Sie nehmen mich an, so wie ich bin. - Sie lieben mich, so wie ich bin.

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Durch sie füllt sich mein Tag mit mehr Leben. Sie machen mein Leben lebenswert.

Und sie haben Eigenschaften an sich, die ich mir oft von meinen verständnislosen Mitmenschen wünsche:

Ich weiß heute nicht, wie es mir heute geht? - Das macht nichts, meine Frettchen gesellen sich trotzdem zu mir.

Ich bin verzweifelt und total verheult? - Das schreckt sie nicht ab, sie kommen dennoch zu mir und wollen kuscheln.

Ich habe heute noch nicht die Küche aufgeräumt? - Das stört sie nicht, sie wollen dennoch was zum Essen haben.

Ich bin total angespannt und ängstlich wegen irgendwelcher irrationalen Sorgen? - Sie lenken mich ab, indem sie mich zum Spielen auffordern.

Sie stellen keine Fragen und drängen mich nicht zu Antworten, die ich selbst nicht weiß.

Vor meinen Frettchen brauche ich mich nicht für meine Narben an meinen Armen zu schämen, die aus meinem selbstverletzenden Verhalten resultierten - sie „putzen" mir die Arme, genau wie die ihre oder die meines gesunden Freundes.

Daher sind meine derzeitigen Vorbilder meine Frettchen. Sie zeigen mir in ihrer Leichtigkeit und Unbetrübtheit, was Leben ist.

Und wenn ich das dann irgendwann von mir aus alleine kann, also das Leben leben, dann mache ich mich auf zu einem weiteren Schritt und schaue, wer mich inspiriert und von wem ich mir was abgucken möchte.

Doch um das Leben zu leben und große Ziele zu erreichen, muss ich erstmal für mich selbst lernen, dass Leben zu leben - und hierbei schaffen meine Frettchen das, was Gandhi, Mutter Theresa oder Mandela nicht schaffen (können)!

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf meinem Blog nora-fieling.de

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