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05/04/2016 09:52 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Ich bin fett. Schade Parade.

Ich habe in der Vergangenheit über meine Ernährungsumstellung geschrieben und habe großartige Reaktionen von euch erhalten. Immer wieder hat man mir geschrieben, dass man im Alltag an meine Beiträge gedacht hat und es gab auch einige Mails aus denen hervorging, dass meine Tipps in der Praxis geholfen haben.

Und nun? Bin ich fett geworden. Ausreden woran es liegt gibt es viele, aber im Endeffekt hätte das einfach nicht sein müssen.

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Links: 2015 (68 kg), Rechts: 2016 (Über 80 kg).

Einige Male wurde ich gefragt, wann ich denn die Reihe fortsetze und scheinheilig habe ich gedacht, dass ich das Gewicht schnell abwerfe und dann weiterschreibe, als wäre nichts gewesen. Etwas armselig, wie ich finde, und auch irgendwie typisch, sein Leben immer nur von den Zuckerseiten zu präsentieren. Stattdessen bin ich noch fetter geworden.

Ich wiege inzwischen fast wieder 90 kg und mein Kinn ist so wulstig, dass ich mir im Spiegel vorkomme, als würde ich mich in ein blondes Crèmetörtchen verwandeln. Ich seh aus wie ein Big Mac. Ich find es furchtbar.

Aber ich heule nicht mehr massiv darüber oder verfalle in Selbsthass. Ich leg die Karten auf den Tisch. Mein Leben sieht durch Filter vielleicht ganz rosig aus. Aber ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut und ich muss es ändern. Der Ballast hängt mir zum Hals raus.

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Links: 2015, ungeschminkt, Rechts: 2016, dick geschminkt und trotzdem unzufrieden.

Ich hab so langsam die Schnauze voll, nur noch Schuhe, Schals und Taschen einzukaufen, weil ich in Münchner Umkleiden bereits genug Reißverschlüsse gesprengt habe. Ich möchte nicht mehr ächzend Treppen hoch kriechen und mich schwerfällig bewegen können.

Mir fehlt die Leichtigkeit und ich bin nach Paris geflogen und habe nach Paris-Nina gesucht. Das von mir geschaffene Selbstbild das Leichtigkeit, Lebensfreude, Lockerheit und Vitalität ausstrahlt.

Als ich das erste mal in Paris war, habe ich eine vernichtende Notiz in mein Moleskine gekrakelt, die mir heute noch zusetzt: "Ich bin in Paris. Die Stadt ist wunderschön und ich bin abstoßend." Ich habe befürchtet, dass mich wieder ähnliche Gefühle überkommen könnten, aber scheinbar bin ich mit der Entwicklung der letzten Jahre gereift.

Ich hab das Gewicht als Summe meiner langen Sorglosigkeit und als Folge einer Phase ohne richtige Möglichkeit zu Kochen akzeptiert und ich kann es wieder los werden.

Ich habe sogar Scherze über mein Gewicht gemacht und habe Paris in vollen Zügen genossen. Bin durch die Straßen gerollt, dick und rund, und habe alles gegessen wonach mir war. Nicht destruktiv sondern genussvoll.

In Frankreich ist die Lebensmittelqualität immens hoch und ich habe den Urlaub als Geschenk gesehen, zu genießen und wieder zu lernen, nur dann zu essen, wenn mir wirklich danach ist. Nur das Beste zu essen und genau das zu essen, worauf ich auch Lust habe. Alles ein alter Hut, aber ich musste es auffrischen.

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Schlemmen in Paris

Heute ist Ostermontag und ich habe ein dekadentes Ostermahl gekocht mit einem großen geschmacklichen Dessert-Orgasmus aus Sahne und Schokolade.

Es gibt viele Menschen die es kritisieren, wenn man sich ein Startdatum sucht und vorher nochmal sündigt, aber ich hab diese Zeit scheinbar gebraucht. Ich bin nach und nach wieder aus meinen gesunden Gewohnheiten rausgekommen und habe erst seit einer Woche wieder eine richtige Küche.

Die Grundvoraussetzungen sind da und ich bin aktuell hungrig darauf, wieder gesünder zu leben, mich zu bewegen und den Fettmantel abzustreifen. Und das mache ich auch ab morgen.

Blutvergiftung, Küchen-Chaos, Rollstuhl, Fritten und ne Menge Mayo haben mich zwar fetter gemacht, aber ich bin immer noch stark und ich hab extrem LUST darauf, mich wieder wohl zu fühlen.

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2008 in Paris, ich wiege 70 kg und fühle mich FETT, da ich zuvor 60 kg gewogen habe.

Jeder muss so abnehmen, wie es zu seinem persönlichen Lebensstil passt. Es gibt kein Patentrezept und es ist nicht schlimm, wenn man einen Plan nicht 100 prozentig durchzieht. Wenn es euch jedoch hilft, etwas so radikal durchzuziehen, macht das!

Euer einziger Gegner ist euer gestriges Ich, das ihr übertreffen könnt, wie Haruki Murakami sehr treffend in "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede" beschreibt. Hauptsache, ihr geht weiter, und wenn ihr zwischendurch rollen müsst, könnt ihr in der Zeit möglicherweise ein paar Wände und Blockaden durchbrechen.

Ich halte mir immer wieder vor Augen, dass alles im Leben seinen Preis hat. Ich denke, in den letzten Monaten war ich mit anderen Baustellen beschäftigt und habe meine Prioritäten verschoben. Das ist schade, aber ich kann es ändern. Jammern hilft nicht.

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Dauerbaustelle 2015/2016

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