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05/06/2015 15:07 CEST | Aktualisiert 05/06/2016 07:12 CEST

Ich bin eine Frau mit Männerhumor - na und?

Frauen bin ich oft "zu viel". Das ist in Ordnung. Es ärgert mich nicht, dass meine Art andere Frauen abschreckt. Oder, dass sie mir das Gefühl vermitteln, so wie ich bin, wäre es unangebracht und falsch.

Dass ich von meinen männlichen Freunden den Spitznamen "Männin" erhalten habe, liegt nicht an meinem Aussehen. Ginge es danach, würde ich wahrscheinlich eher "Püppchen" von ihnen genannt werden.

Meinen Spitznamen verdanke ich meinem Humor. Ich mache dumme Witze, ich lache dreckig. Ich kontere jeden Spruch mit einer derben Antwort. Ich gehe lieber in abgeranzte Kaschemmen und trinke mit Hertha Hooligans Pfeffi statt Hugo in einem Szenecafé. Beim feiern poge ich, mache Gläser kaputt und bin am nächsten Tag heiser und habe blaue Flecken.

Ich bin laut. Wer in einem Rudel Wölfe groß geworden ist, der beginnt nun mal zu heulen. Mein Rudel Wölfe war zum einen eine Großfamilie, bei deren Zusammentreffen nun mal demjenigen zugehört wird, der am lautesten schreit und zum anderen ein Freundeskreis, der zu 90 Prozent aus Männern bestand.

Es ist ein Klischee, dass alle Männer derbe Witze reißen, fluchen und sich gegenseitig beleidigen. Nicht alle Männer sind so und nicht alle Männer finden diese Art Humor lustig. Meine Männer aber schon. Der Ton bei uns ist rau, die Lachen dreckig und die Herzen trotzdem so groß und warm wie bei anderen auch. Man nimmt Rücksicht aufeinander.Nur dass wir öfter Hurensohn sagen.

Was bei Männern als witzig gilt, ist bei Frauen unanbegracht

Und ich höre stets diesen einen Satz: "Kannst du mal bitte etwas runterfahren?"

Frauen bin ich oft "zu viel". Das ist in Ordnung. Es ärgert mich nicht, dass meine Art andere Frauen abschreckt. Oder, dass sie mir das Gefühl vermitteln, so wie ich bin, wäre es unangebracht und falsch.

Nun ja - es ärgert mich schon etwas. Aber viel ärgerlicher ist die Ungerechtigkeit dieses Satzes. Dieses kurze Stechen in der Bauchgegend, das mich jedes mal durchzuckt, wenn ein Mädchen mich urteilend ansieht und einen Mann jedoch für dieselbe "Art" mit einem kreischenden Lachen belohnt.

Eine Frau wie ich ist kontrovers. Unsensibel. Ein Mann hingegen ist witzig und eine Stimmungskanone. Wie in so vielen Bereichen, haben Frauen in der Hinsicht mal wieder die Arschkarte gezogen, wenn es um gleiche Behandlung geht.

Wie man's macht, ist es verkehrt

Und jedes mal fühle ich mich schlecht, wenn mir eine Frau sagt, sie hätte "ein Problem mit meiner Art". Manchmal, weil ich die Frauen mag, die das zu mir sagen. Ich wurde von starken, selbstbewussten Frauen erzogen.

Ich respektiere Frauen zutiefst und habe große Hochachtung vor ihnen und ihren Kämpfen. Ich möchte keine Frau in die Position bringen, sich unwohl zu fühlen, weil ich bin, wie ich nun mal bin.

Und das ist der andere Grund, warum ich mir schlecht vorkomme. Weil mir vermittelt wird, nicht was ich tue, sondern wie ich bin, sei falsch.

Also fahre ich den Frauen, die ich mag, zu liebe herunter. Ich versuche mich zurücknehmen und im Hintergrund zu halten. Ich kann es zwar nicht nachvollziehen, aber ich tue es trotzdem. Und dann hört man oft: "Warum bist du so anders?" "Hast du schlechte Laune?" "Passt dir was nicht?" Wie man's macht, ist es falsch.

Frauen wie ich sind entweder zu offen oder zu distanziert. Und deswegen entschuldigen wir uns permanent. Im Gegensatz zu unseren männlichen Gegenstücken, müssen wir "unsere Art" ständig rechtfertigen. Also entschuldigen wir uns für unser Verhalten, obwohl wir einfach wir selbst sein wollen.

Die Crux mit dem Selbstbewusstsein

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wer ein starkes Selbstbewusstsein hat, wird sich also damit abfinden müssen, dass andere sich davon bedroht fühlen und versuchen werden, daran zu rütteln. Das ist in Ordnung.

Aber zum Glück erkennen wir schnell, dass wir diese Art der Negativität nicht brauchen und verändern uns für niemanden. Zwar "fahren wir manchmal ein paar Gänge runter", um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Aber eigentlich finden wir uns ganz gut, so wie wir sind.

Eine Frau, die sich selbstbewusst in eine Menge stellen kann und so redet, wie sie reden möchte und das sagt, was sie sagen möchte, ohne sich Sorgen darüber zu machen, wie ihre Wirkung auf andere ist, ist eine Frau mit Selbstrespekt.

Es mag den ein oder anderen stören, aber wir bleiben authentisch - eine Eigenschaft, die in einer oberflächlichen Welt viel wert ist. Und dafür lieben uns auch die wichtigen Menschen, die uns auch tatsächlich verstanden haben.

Heul' doch, wenn's dir nicht passt.

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