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09/11/2015 00:23 CET | Aktualisiert 09/11/2015 00:25 CET

Wo ist eigentlich MTV? 8 Dinge, die wir an dem Kultsender vermisssen

Getty Images

Vor vier Jahren habe ich mich von meinem Fernseher getrennt. Besser gesagt: Vor vier Jahren zog ich von zuhause aus und beschloss, mir keinen eigenen anzuschaffen.

Meine Entscheidung, fortan ein Leben ohne Fernseher zu führen, fiel zeitgleich mit einem anderen Großereignis der deutschen Fernsehlandschaft zusammen: die Privatisierung von MTV.

Zugegebenermaßen hatte MTV in den letzten Jahren, bevor sich unsere Wege endgültig trennten, schon extrem abgebaut. Bis wir uns tatsächlich voneinander trennten, hatten wir uns also bereits emotional voneinander entfernt. Wir lebten irgendwie nebeneinander her, ab und zu schliefen wir noch nebeneinander ein, aber das Interesse war eigentlich schon seit längerer Zeit verflogen.

Dennoch: Manchmal denke ich sehnsüchtig an MTV zurück. An all den Spaß, den wir miteinander hatten. Die Tränen, die wir miteinander vergossen haben. Und dann vermiss ich es doch ein wenig.

Ich vermisse ...

1. Die Musikvideos

Ach die Zeiten, als auf MTV noch Musikvideos kamen! Auch wenn MTV ursprünglich ein Musiksender war, gab es dort mit der Zeit immer weniger Musik.

Das Internet macht natürlich vieles leichter. Um das neue Musikvideo von Drake zu sehen, muss man heute nicht mehr extra auf die Premiere auf MTV warten, sondern geht einfach auf Google.

Aber irgendwie hat das doch gerade den Reiz ausgemacht. Unser Konsumverhalten war ein ganz anderes. Ich behaupte jetzt mal, dass wir Musik damals viel bewusster, intensiver und genussvoller konsumierten. Denn ein bisschen warten, erhöht ja vielleicht auch manchmal die Freude auf das, was kommen wird.

2. MTV Cribs

Noch heute begrüße ich, wenn ich lustig sein möchte, fremde Menschen in meiner Wohnung mit dem Satz: "Hallo MTV. And welcome to my crib."

Nicht nur wurde mit dem legendären Format, das uns die Häuser der Stars zeigte, unsere Neugier befriedigt, unsere Lieblingskünstler so privat wie möglich zu erleben, sondern auch gleich noch unsere Fasziniationsgeilheit und Sozialneid angetriggert.

So wurden wir auf einer "ganz persönlichen" Tour durch die fünf Schlafzimmer, zehn Badezimmer, Heimkinos und Tennisplätze unserer Idole geführt. Wir sahen Betten in umgebauten Ferraris, Betten mit einer Länge von fast fünf Metern und natürlich den umvermeidlichen Blick in den Kühlschrank.

Wenn der Spruch "zeig mir deine Wohnung und ich sag dir, wer du bist" stimmt, dann wissen wir spätestens seit MTV Cribs mit Gewissheit, dass Robbie Williams etwas ganz besonderes ist, Mariah Carey einen an der Klatsche hat und man niemals genügend Autos haben kann.

3. TRL

Es gab wenige Leute in unserer Pubertät, die so cool wirkten, wie die Vjs von MTV. Sie waren jung, witzig und hingen mit den Stars ab. VJ bei MTV war vermutlich Anfang der Nullenjahre DER Traumjob, wenn es selber zum Musiker oder Schauspieler nicht reichte.

Die Serie TRL ("Total Request Live") war die perfekte Mischung zwischen Musikvideos, Interviews und den lässigen Vjs, von denen wir uns ein bisschen was an Coolness versuchten, abzuschauen.

4. My super sweet 16

Wo wir gerade bei Sozialneid waren: "My Super Sweet 16" war wohl das Format, das für alles stand, was an der Oberschicht hassenswert ist: Super verwöhnte reiche Kids, die mit ihren weltfremden Wertvorstellungen und Narzissmus ihre Umgebung tyrannisieren und dem Gott unserer ersten Welt schamlos fröhnten: Geld.

Da aber hassen so viel Spaß machen kann, war der Unterhaltungsfaktor bei "My Super Sweet 16" enorm.

5. Sämtliche Dating-Sendungen

Sei es "Next", "Room Raiders" oder "Date My Mom" - alle Dating-Sendungen auf MTV waren gleichermaßen trashig, wie unterhaltsam. Nur mit dem Unterschied, dass Amerika sich sehr viel besser auf Trash-TV versteht, als das deutsche Fernsehen, das den schmalen Grad zwischen Unterhaltung und Menschenverachtung oft nicht ganz so gut ausbalancieren kann.

6. "16 And Pregnant"

Es ist zu großen Teilen wohl MTV und der Bravo zu verdanken, (die eigentlich so etwas wie das Zeitschriften-Äquivalent zu MTV darstellte), dass Teenager weltweit tatsächlich Schiss vor Schwangerschaft und Co. eingetrieben bekamen.

Kein verklemmter Biolehrer, spießiges Aufklärungsbüchlein oder haarsträubendes Gespräch mit den Eltern hatte denselben Effekt auf mich, als das Grauen, das mir bei "16 And Pregnant" entgegenflimmerte. Danke an MTV!

7. "True Life"

Als Arte, Phönix und Co. noch als langweilige Erwachsenensender verpönt waren, versorgte mich MTV via "True Life" bereits mit den ersten Dokumentationen über übergewichtige Menschen, das Leben in der Pornoindustrie und alles andere, was man sich heute bei der "Vice" streamt. Wissen meets Unterhaltung par excellence.

8. Die "MTV Video Music Awards"

Klar - die VMAs gibt es immer noch. Aber heute kriegt man sie nur noch halbgar beim zufälligen rumscrollen auf Facebook mit, wenn irgendjemand wieder ein Kleid getragen hat, wo mindestens ein sekundäres Geschlechtsmerkmal raus hing oder Kanye West wieder irgendwem ins Wort gefallen ist.

Das war früher anders. Da wurde sich um zwei Uhr morgens ein Wecker gestellt, um live die gesamte Zeremonie mitzuerleben, damit man auch bloß in der Pause am nächsten Tag mitreden konnte.

Als langsam die ersten Klingeltonwerbungen anfingen, die Werbepausen zu dominieren und der ewige Feind "VIVA" von MTV annektiert wurde, wusste ich, dass MTV und ich nicht mehr das hatten, was es früher war.

Aber wie sagt ein beliebter Kalenderspruch: Weine nicht, dass es vorbei ist, sondern lache, weil es geschehen ist. MTV, ich lache (aber weine auch ein bisschen).

Dbate: Enthemmte Teenage: Wie sich Jugendliche im Urlaub gehen lassen

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