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13/03/2016 13:00 CET | Aktualisiert 14/03/2017 06:12 CET

Traumgeburt oder Geburtstrauma

Nicole Tschirner

Unser Sohn ist nun gerade eine Woche alt. Er ist unser drittes Kind und nach einer sehr turbulenten Schwangerschaft hatte ich darauf gehofft, dass wenigstens die Entbindung etwas unkomplizierter verlaufen wird. Ich war guter Dinge, dass ich nach meinem letzten Kaiserschnitt diesmal wieder spontan entbinden würde und habe sogar mit dem Gedanken gespielt in ein Geburtshaus zu gehen.

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Nachdem im Laufe der Schwangerschaft diverse „Problemchen" (Blutungen usw.) auftraten, habe ich mich dann doch letztendlich für den „sichereren" Weg, die Klinik, entschieden und war der Meinung, dass es trotzdem eine Traumgeburt werden würde. Eine Traumgeburt...Ja, das war mein sehnlichster Wunsch.

Die zwei Entbindungen vorher hatten sich auch nicht als solche erwiesen und deshalb sollte es diesmal klappen. Ich war jedes Mal ein bisschen neidisch, wenn ich eine Frau sagen hörte, sie habe eine tolle Geburt gehabt. Geht so etwas überhaupt? Und wenn ja, wie? Ist es der Ort, der entscheidend ist, bin ich es selbst oder die beteiligten Personen, die dieses Erlebnis zu etwas ganz besonderem machen?

Diese und andere Fragen schossen mir immer wieder durch den Kopf und trotzdem stand mein Ziel fest, diesmal wird es eine Traumgeburt...zumindest soweit ich das beeinflussen konnte.

Unser Kind hatte die Nabelschnur um den Hals

Ich merkte jedoch recht schnell, dass es einfach nicht in meiner Hand lag, denn auch diesmal deutete sich bereits in der 38. Schwangerschaftswoche an, dass es wieder ein Kaiserschnitt werden würde. Unser Kind hatte die Nabelschnur um den Hals (soweit gar nicht so selten, aber wenn man es weiß, ist es trotzdem blöd) und die Ärzte wussten nicht, ob meine alte Narbe den Strapazen einer erneuten Geburt standhalten würde.

In der 42. Woche war es dann (endlich) soweit...Unser Sohn wurde auf die Welt geholt. Leider gab es während des Kaiserschnitts wieder einige „Komplikationen". Noch vor Beginn der OP wurde mir eine Flexüle gelegt und meine Vene platzte...Na super... Außerdem hatte ich zwei Kreislaufabfälle und musste mich übergeben.

Mein Herz begann zu rasen und ich dachte, ich würde gleich ohnmächtig werden. Was für ein Horror während der Geburt, die doch eigentlich meine Traumgeburt werden sollte. Nach der OP bekam ich außerdem die volle Breitseite der PDA-Nebenwirkungen zu spüren.

Mein Körper juckte, als hätte ich Flöhe, meine Wirbelsäule schmerzte und leider war mein Kreislauf durch den nicht unerheblichen Blutverlust noch immer im Keller, sodass mir eher wie schlafen zu Mute war, als mein Kind zu stillen und im Arm zu halten.

Von meiner erträumten wunderbaren Geburt war dieses Szenario wieder einmal sehr weit entfernt und trotzdem trauere ich meiner Traumgeburt nicht nach. Ganz im Gegenteil. Ich bin dankbar für all die liebevollen Ärzte, für verständnisvolle Hebammen und für einen wunderbaren Ehemann, der mich in dieser schwierigen Situation mit seiner ganzen Kraft unterstützt hat.

Eine Traumgeburt? Nein, dass war es auf keinen Fall, aber das Ergebnis ist traumhaft süß und jede Minute Leid hat sich bereits jetzt ausgezahlt.

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