BLOG
17/04/2016 07:30 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 07:12 CEST

Schlafstörungen: "Wer schlecht schläft, sollte lernen, gelassen damit umzugehen"

EMS-FORSTER-PRODUCTIONS via Getty Images

2016-04-11-1460361163-4111999-image_1459859351.png

• Wir stressen uns mit viel zu hohen Erwartungen an einen festen Schlaf

• Nur wer am Tag immer wieder loslässt, der kann auch gut schlafen

• Meditation wirkt, sollte aber nicht zum Selbstoptimierung genutzt werden

Wer schlecht schläft, dem rate ich zuallererst, gelassen damit umzugehen. Das hört sich absurd an, aber unsere Ansprüche an einen festen Schlaf sind viel zu hoch. Der Mensch wacht in der Nacht bis zu dreißig Mal auf. Das ist ganz normal.

Auch unsere evolutionären Vorfahren haben nie acht Stunden am Stück geschlafen, sondern in Abschnitten - etwa um die Tiere zu versorgen. Das ist wichtig zu wissen. Denn wenn ich in der Nacht aufwache und denke, das ist eine Schlafstörung, dann mache ich mir damit doppelten Stress.

Nur wenn ich tagsüber richtig erschöpft bin und mich nicht konzentrieren kann, war der Schlaf nicht erholsam genug. Dann ist es wichtig zu wissen, dass Tag und Nacht zusammengehören. Müde zu sein genügt nicht, um gut zu schlafen. Ich muss die Fähigkeit besitzen, lockerzulassen. Wenn ich das tagsüber nicht kann, gelingt mir das auch nachts nicht.

Hin- und herschwingen können zwischen Belastung und Entlastung.

Das sollte man üben: Mitten in der Arbeit eine kleine Pause machen. Sport treiben. Mir Zeit fürs Essen nehmen. Vor dem Einschlafen helfen Rituale: einen Kakao trinken, ein Buch lesen. So, wie man das mit Kindern macht. Rituale zeigen meinem inneren System, dass nun der Schlaf bevorsteht. Das hilft nicht sofort, aber mit der Zeit.

Das alles bedarf der grundsätzlichen Fähigkeit, eine fürsorgende Haltung mir selbst gegenüber einzunehmen. Das verstehe ich als einen wichtigen Teil der Achtsamkeit. Diese Haltung kann ich trainieren. Zum Einstieg etwa mit dem Herzstück der Achtsamkeit: der Gegenwärtigkeit. Das bedeutet: gewöhnliche Alltagsdinge mit Präsenz zu tun, mit allen Sinnen dabei zu sein. Etwa morgens unter Dusche gedanklich nicht schon den Kundentermin vorbereiten, sondern das Wasser auf der Haut spüren.

Meditieren für einen bessern Schlaf

Zum Achtsamkeitstraining gehören auch formelle Übungen. Ich setze mich für einige Minuten aufrecht und bequem hin und versuche, meinen Atem zu erleben. Vielleicht schweife ich alle paar Sekunden mit meiner Aufmerksamkeit vom Atem ab. Dann nehme ich das zur Kenntnis und kehre mit meiner Aufmerksamkeit zurück.

Wir Menschen befassen uns unablässig mit belastenden Themen. Während solcher Meditationen gilt es zunächst nur wahrzunehmen, dass es diese Gedanken gibt. Um dann damit aufzuhören, sie fortzusetzen. Damit gewinne ich Freiheit vom starken Sog des Denkens.

Wir wissen aus der Hirnforschung, dass Meditation nach wenigen Wochen des Übens zum Wachstum bestimmter Hirnareale führt. Sie trainiert also die biologischen und psychischen Werkzeuge, mit denen wir Krisen meistern können.

Samurai-Krieger haben die Übungen der Achtsamkeit genutzt, um zu höchster Konzentration und innerer Steuerungsfähigkeit zu gelangen. Aber sie waren Auftragskiller! Heute besteht aus meiner Sicht die Gefahr, Achtsamkeitstraining als Brain Design zu missbrauchen, um leistungsfähiger zu werden. Zu glauben, man könne alles im Leben selber bestimmen, halte ich für einen fatalen Irrtum. Das gilt auch für den Schlaf: Wir haben es nicht in der Hand, gut zu schlafen. Wir können dem Schlaf nur das Bett bereiten.

Erschien zuerst auf Xing Klartext.

Mehr zu Thema Schlaf gibt es hier oder bei XING Klartext.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

So sieht Sex in einem MRT aus

Lesenswert: