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15/02/2016 04:40 CET | Aktualisiert 15/02/2017 06:12 CET

"Das mit den Flüchtlingen macht mir Angst"

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Mehr als eine Millionen machten sich allein im letzten Jahr auf den gefährlichen Weg nach Europa - um vor Terror, Gewalt, Hass, Unterdrückung und Hunger zu fliehen. Die aktuelle Entwicklung macht nicht nur mir Angst!

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Die Rede ist hier nicht von den fliehenden Menschen selbst, aus irgendeiner Xenophobie geboren, die sich viele Menschen hier zulande zu eigen gemacht haben. Warum sollte ich mich vor Menschen fürchten, die bei uns in Europa, besonders in Deutschland Schutz suchen? Sind das wirklich alles Terroristen, die vor dem Terror im Irak und in Syrien fliehen?

Wohl kaum! Ja, jetzt kommen die Neunmalklugen und Hellseher, die die Ereignisse in Köln und Hamburg, auch in Stockholm schon vorhergesehen haben wollen. „So ist der arabische Mann halt!", „Das sind keine Menschen, das sind Tiere!" und ähnliche Aussprüche jetzt nach jüngsten Entwicklungen. Gemeint mit meiner Angst sind die Erzkonservativen und Neurechten, „besorgten Bürger" und Neonazis. Sie schüren den Hass gegen Flüchtlinge und verbinden es über den Islam mit der Religion?

Geschichte wiederholt sich nicht? Da bin ich mir nicht ganz sicher! Würde es aber gerne sein.

Hass und Angst - nun Mainstream?

„Ist der Ali kriminell - in die Heimat, aber schnell" - wenn es etwas gibt, was die Nazis der NPD können, dann ihre hohlen Stammtisch-Hetzparolen schlecht reimen. Was diese rechten Menschen uns sagen wollen: kriminelle Ausländer gehören sofort abgeschoben! Oder anders formuliert: Weg damit!

Wollen wir in der öffentlichen Debatte diesen Menschen am rechten Rand wirklich Recht geben und ihnen mit ihren Parolen das Feld überlassen?

Der ein oder andere wird an der Stelle vielleicht gar nicht mehr lesen und schimpfen: „Ach, Gutmenschen!"

An die besorgten Bürger

Ja, es stimmt natürlich: Die Vorkommnisse in Köln oder auch Stockholm hätten nicht passieren dürfen und auch für die Zukunft gilt das Verbot der sexuellen Belästigung und die Achtung der Freiheit der anderen Personen.

Auch die Polizei hat sich nicht mit Ruhm bekleckert und einen großen Fehler begannen mit der Zurückhaltung wichtiger Informationen. Ihren Vorwürfen der „Lügenpresse" und des „Schweige-Kartells" bereitet solches Verhalten nur weiter den Weg nach ganz weit rechts in eine Parallelgesellschaft, die sie von Pegida, CSU, AfD und NPD gerade mit aller Macht versuchen zu errichten. In Ihrer Welt gibt es nur das „Deutsche" (Was ist das bitte konkret?) und das „Fremde", Deutschland in Europa als Insel der Glückseligen - ohne Krieg, Vertreibung und alltäglicher Angst ums Überleben.

Das ist Europa nicht mehr, schon lange nicht mehr. Besonders seit die Weltfinanzkrise, durch Lehman Brothers, von Übersee zu uns kam. Europa kennt heute Krisen, zu viele Krisen. Soll sich dazu auch noch der Humanismus gesellen, der Europa so lange ausmachte (nehmen wir das brutalste 20. Jahrhundert aus dem Blick). Humanismus, das war und es ist europäische Identität.

In Gefahr

Was wir gerade verlieren, ist nicht etwa gerade unsere sogenannte "deutsche" Identität, sondern unsere Kultur der Menschlichkeit und des Miteinanders. Ja, wir zerstören gerade unsere Demokratie und genau damit diese unsere Kultur - oder lassen den Niedergang der Demokratie gerade passiv zu. Wir haben es noch nicht gemerkt, aber Demokratie muss gepflegt und vor allem verteidigt werden, wenn wir sie erhalten oder sogar weiterentwickeln möchten. Keine Demokratie kann leben ohne Demokraten!

Der Kampf hat begonnen

Ja, leider zuallererst auf den Straßen in Dresden oder in anderen europäischen Städten. Linke Demonstranten, deren Motiv und Ideal zumeist die Bewahrung der Demokratie und der offenen, toleranten Gesellschaft ist und damit löblich, werden aber leider auch immer extremer und sehen Gewalt und Selbstjustiz als ihr letztes Mittel der Meinungsäußerung an. Das darf nicht sein!

Auf der linken Seite darf kein Extrem entstehen, das mit Gewalt die weitere Entstehung einer großen rechten Szene bekämpft. Damit erkennt dieser Teil der Menschen die Meinung an und unterstützt gegen ihre Überzeugung die Etablierung einer ehemals von Minderheiten geteilten Meinung in den Mainstream.

Es geht um den Kampf um eine offene und toleranten Gesellschaft in Europa, der Demokratie (wieder) wichtig werden soll.

Es geht um grundeuropäische Werte wie menschliche Behandlung und den Schutz eines Jeden, unabhängig von Herkunft, Religion oder Geschlecht.

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