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15/04/2016 07:33 CEST | Aktualisiert 16/04/2017 07:12 CEST

Erdoğan, keep calm and deal with it!

STR via Getty Images

Ein ausländisches Staatsoberhaupt ist beleidigt. Nach Kritik von Satirikern. Eine Staatsaffäre ist die Folge. Nicht nur Paragraph §103 gehört abgeschafft, die Pressefreiheit gehört gestärkt!

Was auf 14 Zeilen eines "Schmähgedichts" von Jan Böhmermann in seinem Neo Magazin Royale im ZDF folgte, konnten sich kaum Humoristen in den Redaktionen von extra 3 und der heute-show ausmalen. Das zugegebenermaßen geschmacklose Gedicht, eines der wichtigsten Meinungsmachern der Bundesrepublik, kommt inhaltlich nicht an die Kritik am zunehmend diktatorisch regierenden türkischen Präsidenten heran, doch den Satiriker Böhmermann schützt die Meinungs- und Pressefreiheit.

Oh, Türkei!

Mit ihr steht es in der türkischen Republik mehr als schlecht, das Ausmaß der Katastrophe aber trifft diese Bewertung nicht. Hunderte, Tausende Journalisten bezahlen derzeit mit ihrer Freiheit, jener Freiheit einer Demokratie, seine auch sehr kritische Meinung kundzutun. Gleichschaltung oder Schließung der Medien, Gewalt gegen Demonstranten, Verurteilung unliebsamer Journalisten - so hässlich zeigt sich die autoritäre Türkei heute, entgegen der Einstellung vieler aufgeklärter Bürger.

Die Türkei in der EU! Das bleibt auch weiterhin (meine) Vision. Den Gegnern einer Annäherung sei gesagt, dass die Türkei nunmehr als 60 Jahre darum bemüht war, von der europäischen Gemeinschaft anerkannt zu werden, bis dato aber nur Ablehnung erfahren musste. So ist die Abschaffung der Todesstrafe in Friedenszeiten in der Türkei das Ergebnis jahrelange Verhandlungen zum Beitritt und der Annäherung der Türkei an die EU.

Dass nun die Mehrheit der Bevölkerung hier wie dort gegen weitere Verhandlungen sind, ist nicht unverständlich. Und eine EU-Mitgliedschaft ist keine Garantie für einen lupenreinen Zustand von Demokratien, siehe Ungarn und Polen. Aber Europa hätte Vorkehrungen treffen können.

Starke Türkei mit schwachem Präsidenten

Das Land im Südosten Europas mit einer demokratischen Grundverfassung hat es nicht leicht im Spannungsfeld zwischen einem krisengebeutelten Europa, dem nie endenden Konflikt zwischen Palästina und Israel, dem größten Krieg des 21. Jahrhunderts im Irak und in Syrien.

Doch regiert ein diktatorischer Allmachtspräsident mit faschistischen Zügen ein Land, das seinen Platz nicht in Isolation hat, sondern als Brücke zwischen Europa und Asien, Oxident und Orient finden könnte. Die Türkei mit einer reichen Kultur hat mehr verdient als einen Macho, der Satire als das größte Problem seines Landes sieht.

Die andere Türkei

Es gibt aber auch das andere, das starke, das junge Gesicht einer Türkei, deren Zukunft auf dem Gezi-Park begann und noch lange nicht zu Ende ist. Heute wie damals gilt: Beugt euch nicht! Boyun egme!

Daher empfehle ich: Erdoğan, komm klar! Erdoğan, deal with it! Erdoğan, bununla başa!

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