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28/10/2014 10:15 CET | Aktualisiert 28/12/2014 06:12 CET

Der Nahe Osten ist überall. Auch in Wittlich in der Eifel

Um von der Nordeifel nach Wittlich zu gelangen, muss man durch die kleine Gemeinde Bongard fahren, welche 256 Einwohner beherbergt und sechs Kulturdenkmäler aufweist. Bongard liegt zwischen den beiden blinden Enden der Eifelautobahn, die noch einige weitere Jahrzehnte ihrer Vollendung entgegenschmachtet.

Vom Norden kommend sieht der vorsichtige, der Eifelkurven kundige Fahrer am südlichen Ende des Kulturstädtchens zur linken Hand einen Schäferhund vor einem großen Haus sitzen, der bis zum Eintritt der Dunkelheit auf seinen Herrn wartet. Auf die Eifeler ist Verlass, auch auf ihre tierischen Gefährten.

Der neugierige Leser will nun wissen, wozu ein Nordeifeler sich den Strapazen unterzieht, Wittlich in kaum zwei Stunden aufzusuchen, da doch der Eifeler, wozu auch der Nordeifeler gehört, derart heimatverbunden ist, dass er jegliches unnötige Verlassen seines Dorfes vermeidet. Doch Wittlich ist eine Reise wert! Die Mehrzweckhalle Eventum in Wittlich bietet Platz für die größtmögliche Anzahl von Besuchern des Eifel-Literatur-Festivals, welches alle zwei Jahre stattfindet.

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Als letzter Schriftsteller des Eifel-Literatur-Festivals 2014 tritt Frank Schätzing am 24.10.2014 auf, um sein neuestes Buch „Breaking News" vor der Verfilmung multimedial mit vielen und lauten, nicht immer angenehmen Geräuschen vorzutragen. An seiner Seite zelebriert die israelische Sängerin Ofrin ihre Lieder in Hebräisch und Englisch. Über 1100 Zuhörer halten den Atem an. Kaum sichtbar in der großen dunklen Halle liest der Schriftsteller Passagen seines Thrillers vor, hervorgehoben und unterbrochen von Klängen, die die Zulauscher in den Orient entführen. Die Geschichte zerrt an die Nerven - ich empfehle, das Buch zu lesen. Ofrins Lieder sind unverwechselbar. Schriftsteller und Sängerin ergänzen sich wunderbar.

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Schätzing berichtet über seine Erfahrungen, die ihm in Israel und in der Westbank entgegengeschleudert worden sind. Er ist lange genug dort gewesen, damit alle seine Vorurteile über Land, Leute und Politik zusammengebrochen sind, jedoch zu kurz, um alles zu verstehen und die hintersten Hintergründe kennen zu lernen. Der Autor glaubt fest an den friedlich Ausgleich zwischen Juden und Araber.

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Er gibt sympathische Witze wieder, die die Bewohner des Heiligen Landes sich über ihre eigenen Landsleute erzählen, ob sie nun Juden oder Araber sind.

Wie viele Araber braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?

Keinen! Die Araber bleiben im Dunkeln, um die Juden zu beschuldigen.

Stromausfall in der Westbank!

Abbas bleibt im Fahrstuhl stecken, Arafat auf der Rolltreppe.

Die Jüdischen Witze sind deutsches Kulturgut und bedürfen keiner gesonderten Erwähnung.

In Wittlich gibt es eine große muslimische Gemeinde, Ahmadiyya Muslim Jamaat, die Teil der islamischen Reformbewegung aus Indien ist. Diese moderaten Muslime bemühen sich um gute Beziehungen zum Judenstaat Israel, weshalb sie von den übrigen, meist sunnitischen Muslimen in der Westbank und vor allem im Gazastreifen bedroht werden.

In Deutschland und in Wittlich werden die indischen Muslime von den Mehrheitsmuslimen wohl aus theologischen Gründen gemieden, zusätzliche politische Gründe sollen nicht ausgeschlossen werden. Während in der Halle die meist zahlenden Zuhörer friedlich Schätzings und Ofrins Worten und Klängen lauschen, streiten sich im gebührenden Abstand vor der Halle Polizei mit mehreren Dutzend Jugendlicher der Ahmadiyya beinahe friedlich über einen Zugang zum Eventum.

Der Nahe Osten ist überall. Auch in Wittlich in der Eifel.