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08/04/2016 10:07 CEST | Aktualisiert 09/04/2017 07:12 CEST

Eine Lanze für Korruption

PeopleImages via Getty Images

Laut Transparency International TI ist kein Staat dieser Welt frei von Korruption. Eine interessante wissenschaftliche Studie hat festgestellt, dass dort, wo die Habsburger kontinuierlich über Jahrhunderte geherrscht haben, es weniger Korruption gibt und das Vertrauen zu Behörden höher ist, als außerhalb der K+K-Monarchie.

Die ehemalige Grenze der K+K-Monarchie innerhalb Polens oder der Ukraine lässt sich am Korruptionsindex ausmachen. Natürlich herrscht die Korruption auch innerhalb der Grenzen der K+K-Monarchie. Daraus lässt sich schließen, dass, wenn wir Menschen eines fernen Tages Kontakt mir Außerirdischen aufnehmen werden, wir sofort ein gemeinsames und interessantes Thema haben.

Die Korruption ist somit das Schmiermittel, welches notwendig ist, damit Gesellschaften funktionieren. In Griechenland hat die Korruption mittels „Fakelaki" besonders in Krankenhäusern lebensrettend gearbeitet.

Der verantwortliche Arzt hat einen Umschlag mit einer von allen anerkannten Höhe erhalten und die notwendige Operation ist zeitgerecht eingeleitet worden. Heute im Zeitalter der unbestechlichen Troika stirbt der Patient trotz Fakelaki, weil in den Krankenhäusern kaum noch operiert wird.

Nach sehr groben Schätzungen werden weltweit 7% aller BSP für Korruption ausgegeben, bzw. eingenommen. Korruption erhöht die Preise, da die Bestechungsgelder erarbeitet werden müssen. Ein plötzlicher Wegfall der Korruption würde zu einer langanhaltenden Deflation führen.

Draghis Bemühungen könnten durch etwas Menschlichkeit in wenigen Tagen ersetzt werden und zum gewünschten Erfolg führen. Wir kleinen Bürger könnten unser vom Mund abgespartes, mehr oder minder schwarzes, Geld zur Bank unseres Misstrauens bringen und endlich Zinsen kassieren.

Obwohl Deutschland - wie auch alle anderen Länder der Welt - niemals frei von Korruption sein wird und innerhalb der heutigen Grenzen der BRD die Habsburger nicht über Jahrhunderte geherrscht haben, erfährt der Bürger auf Schritt und Tritt, dass deutsche Beamten, Politiker und Vorsitzende gemeinnütziger Vereine nicht bestechlich sind, dass die ihnen anvertrauten Gelder nicht in die Privatschatulle oder aufs Bausparkonto landen.

Is dem so? Wer unter „Gemeinnützigkeit - Aberkennung" googelt, wird reichlich Anwälte finden, die ganz gut davon leben, dass genügend Vereine, warum auch immer, Angst davor haben, die Gemeinnützigkeit zu verlieren. Und da wir Bürger wissen, dass Angebot und Nachfrage sich die Waage halten, dürfen wir uns unseren Teil denken, aber nicht aussprechen.

Auch Politikern und Beamten wird in Deutschland Korruption vorgeworfen, doch glücklicherweise (?) äußerst selten. Hier wirken öffentliche Kontrollen schnell.

Derzeit existieren in Deutschland 600.000 Vereine, die 90 Milliarden Euro erwirtschaften, was 4,1 % des BSP entspricht. Diese Vereine stellen 2,3 Millionen sozialversicherungspflichtige und 300.000 Arbeitsplätze für 400-Euro bereit (diese Zahlen sind schon zwei Jahre alt!).

Das Geld der Gemeinnützigen ist gewöhnlich von Steuern befreit. Bei Korruption entfällt die Gemeinnützigkeit, häufig rückwirkend. Wie viele zusätzliche Milliarden könnte der Staat einnehmen, wenn jeder 10. gemeinnützige Verein korrupt wäre? Antwort: Null!

Denn es genügt nicht, dass der Verein korrupt ist, es bedarf auch einer Anzeige beim Finanzamt, die - wenn gestellt - gewöhnlich zügig bearbeitet wird.

Nun wissen wir Dank TI, dass bei Weitem nicht jeder Verein wegen Korruption angezeigt wird. Das kann mehrere Gründe haben:

• Der Verein ist nicht korrupt.

• Niemand weiß, dass der Verein korrupt ist.

• Einige wissen, dass der Verein korrupt ist, und schweigen.

Im Land der Vereine ist es eine Schande, wenn ein Verein wegen Korruption auffliegt. Es ist keine Schande, wenn die Korruption unbekannt bleibt, weil sie vertuscht wird. Bei den meist geringen Summen an Geld, um die es geht, ist weder eine Haft-, noch eine exorbitante Geldstrafe zu befürchten, so dass auch keine Einsicht für ein Fehlverhalten besteht.

Die Gefahr besteht darin, dass die Korruption bekannt wird und auch unschuldige und unbeteiligte Vorstände, Beisitzer, Schatzmeister, Kassenprüfer und einfache Mitglieder in den Sog der negativen öffentlichen Meinung herabgezogen werden.

Bekannte und weniger bekannte Politiker, die es unter den Vorständen, Beisitzern, Schatzmeistern, Kassenprüfern und einfachen Mitgliedern gibt, erhalten beim Bekanntwerden der Vereinskorruption in ihrer Partei einen schweren Stand, da der Parteifreund schon lange auf eine solche Gelegenheit gewartet hat.

Und wozu das alles? Ohne Korruption ist ein friedliches Miteinander nicht möglich! Das sollte uns 7% des BSP Wert sein? Alle Gesetze, die die Unterschlagung und die Bestechlichkeit regulieren, gehören ersatzlos abgeschafft! Wollt ihr den totalen Frieden, ohne Kirchensteuer zu zahlen? Na also!

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