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25/11/2015 10:05 CET | Aktualisiert 25/11/2016 06:12 CET

Das Buch „Big Family" behandelt kindergerecht die Evolution

Anlässlich der Pariser Ereignisse entschlüpfen dem Munde der Bundeskanzlerin die Worte „gottlose Terroristen". Die deutschen Atheisten sind erbost. Stehen Atheisten nun unter dem Generalverdacht, Terroristen zu sein? Sind die islamistischen Mörder nicht das Gegenteil von „gottlos"?

Zur Beruhigung darf angebracht werden, dass im Deutschen das Wort „gottlos" zuerst „verwerflich" und erst in zweiter Linie „nicht an Gott glaubend" oder „Gott leugnend" bedeutet. Leider hat die Pfarrerstochter nicht kund getan, welche Bedeutung sie mehr anspricht.

Dr. Michael Schmidt-Salomon ist Philosoph, Schriftsteller und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, der bedeutendsten Atheistischen und Agnostischen Gesellschaft Deutschlands. Er verliert keine Worte über das Reden der Kanzlerin, sondern bringt mit der Illustratorin Anne-Barbara Kindler ein schön bebildertes Kinderbuch heraus, welches für Schüler der ersten Grundschulklassen konzipiert ist.

Er zeigt damit, welche Bedeutung der Atheismus in Deutschland haben kann, denn das Verstehen der Evolution führt dazu, jegliches Leben zu achten und zu schützen.

Das Buch „Big Family" behandelt kindergerecht die Evolution, welche in deutsche Schulen erst in einem höheren Schulalter gelehrt wird, ganz im Gegensatz zum Religionsunterricht, in dem vom ersten Schuljahr an wissenschaftliche Erkenntnisse ausgeblendet werden. Den Anstoß zur Herausgabe des Buches gibt das Vorgehen in den USA, „Intelligent Design", also den Kreationismus, als Schulfach zuzulassen.

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In Deutschland haben die meisten christlichen Kirchen mit der Evolution ihren Frieden geschlossen. Das erste Kapitel der Genesis im Alten Testament wird als bildhafte Erzählung verstanden. Eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit der Evolution findet in den Kirchen nicht statt. Die Schöpfungsgeschichte nimmt nur das erste Kapitel der Genesis ein, wenn man den siebten Tag, an dem Gott im zweiten Kapitel ruht, außer acht lässt.

Die Sprache der Thora ist gewaltig und beeindruckt Leser und Hörer bis heute. Selbst in den Übersetzungen aus dem Hebräischen kommt die Stärke herüber. Es ist kaum zu glauben, dass Menschen vor zweieinhalb tausend Jahren fähig gewesen sind, mit einer solchen Wucht und in derart knappen Worten ohne Zuhilfenahme von Fabeltieren die Erschaffung des Universums und der Erde zu beschreiben.

Selbstverständlich findet die Evolution keinen Einzug in die Bibel. Woher sollten die jüdischen Schreiber vor so langer Zeit etwas über die Evolution wissen? Die Schöpfung beschreibt den Ist-Zustand, den die Menschen damals gekannt haben.

Bis heute hat das Judentum Probleme mit der Anerkennung der Evolution. Streng religiöse Juden bringen ihre Kinder in Schulen, wo außer dem Thorastudium sehr wenig, schon gar nicht die Evolution gelehrt wird. Um das Bildungsniveau der ultraorthodoxen Gemeinschaft zu heben, haben sich gelehrte Rabbiner und Naturwissenschaftler aus Israel und den USA zusammengesetzt, um die Evolution in der Thora wenn auch nicht zu beweisen, so doch im Judentum „hoffähig" zu machen.

Die Gesetzte des Judentums entstammen der Thora. Ihre Umsetzung findet zunächst im Talmud statt. Hier diskutieren verschiedene Schulen, was Gott mit seinen von Moses aufgeschriebenen Worten gemeint haben könnte. Alles darf, ja muss angezweifelt werden, selbst die Existenz Gottes, um der göttlichen Wahrheit, also der Wahrheit, näher zu kommen.

Die gelehrten Rabbiner und Naturwissenschaftler beschließen, über altbekannte Wege zur Evolution zu gelangen: Sie nehmen sich die jüdischen Speisegesetze (Kaschrut) vor. Die Speisegesetze werden ausführlich in der Thora und im Talmud behandelt. Ob ein Tier gegessen werden darf (koscher) oder nicht (trefe), hängt von vielen Merkmalen des Tieres ab. So sind Rinder koscher, da sie Paarhufer und Wiederkäuer sind, Hunde und Katzen hingegen gelten somit als trefe.

Die Wissenschaftler stellen sich zunächst die Frage, welche Tiere der fromme jüdische Zeitreisende in die Vergangenheit hätte essen dürfen. Schnell kommt man überein, dass Dinosauriere und Mammute verboten, Fische mit Flossen und Schuppen erlaubt sind.

Nun zeigt die Evolution, dass die essbaren Tiere Vorfahren haben, denen die Kaschrut-Merkmale fehlen. Der Vorfahre, beispielsweise ein schuppenloser Fisch, wäre zweifelsfrei und gemäß dem jüdischen Speisegesetzen trefe, der beschuppte Nachfahre koscher.

Dass Gott nicht nur die jetzt vorhandenen Fische, sondern auch deren trefenen Vorfahren erschaffen hat, die die Thora warum auch immer nicht erwähnt, ändert nichts daran, dass der heutige Fisch koscher bleibt. Die von Gott gegebenen jüdischen Speisegesetze widersprechen somit eindeutig nicht der Evolution. Q.e.d.

Es besteht somit kein triftiger Grund mehr, die Evolution nicht in jüdischen Schulen zu lehren. Da jüdische Kinder schon im Alter von drei bis vier Jahren mit dem Lesen beginnen, kann die Evolution frühzeitig in den ersten Klassen gelehrt werden. Mit Widerstand aus der super-religiösen Ecke wird gerechnet.

Dieses jüdische Vorgehen soll den Schulen in Deutschland als Anreiz dienen, die Schulkinder frühzeitig an die Evolution heranzuführen. Kleine Kinder lernen gut und schnell.

Das großformatige, aufwändig illustrierte Buch ist über den Kooperationspartner denkladen.de erhältlich.

Als nächstes kündigt Schmidt-Salomon ein Buch über die Entstehung des Universums an. Seien wir darauf gespannt! Ein Widerspruch zur Thora kann bereits jetzt ausgeschlossen werden.

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