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05/04/2016 15:55 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Baal

OscarEspinosa via Getty Images

Baal wird über Jahrtausende als oberster Gott rund ums Mittelmeer in Asien und in Afrika, ja sogar kurzzeitig in Rom verehrt. Es heißt, dass er böse und blutrünstig ist und nach Menschenopfer verlangt. Aus dem Alten Israel lässt sich Baal nicht vollkommen verbannen. Der Prophet Elijahu kämpft im 9. Jahrhundert v.Z. gegen dessen Priester. Noch heute finden Archäologen in ganz Israel kleine Statuen, die den Götzen Baal darstellen.

In Palmyra (Tadmor, früher Tamar) haben mehrere Baal-Tempel gestanden, den die Islamisten des IS bis zur Unkenntlichkeit zerstört haben. Nach der Befreiung Palmyras durch Assad den Schlächter seines eigenen Volkes will der Westen das UNESCO-Weltkulturerbe schnellstens an Ort und Stelle wiederaufbauen.

Im Orient geschieht nichts ohne Hintergedanken. Dem einfachen Europäer, der den IS fürchtet, wird nichts Überlegenswertes am Wiederaufbau eines alten Tempels in Syrien in den Sinn kommen. Deshalb hier die Fragen:

Warum haben die islamistischen Kämpfer des IS die Baal-Tempel bis zur Unkenntlichkeit zerstört?

Der IS hat auch andere Kulturgüter vernichtet, indem er sie zerlegt hat, um die Teile gewinnbringend in Europa und in den USA gegen Geld und Waffen zu tauschen. Die Baal-Tempel wurden nicht allein des Geldes wegen zerstört. „Baal" wird im Koran als Teufel gehandelt. Baal wird bis zum Einzug des Islams im heutigen Syrien und Irak angebetet. Der IS demonstriert mit dem Untergang der Baal-Tempel den Untergang des großen Widersachers Allahs.

Baal werden Grausamkeiten nachgesagt, zu denen sich der IS offen bekennt. Liegt es da nicht nahe, dass die Islamisten des IS selber Baal als Gott verehren? Warum zerstören sie dann seine letzten Tempel? Um davon abzulenken, dass sie an Baal glauben und Heiden sind! Gewaltbereite Islamisten wären somit keine Muslime und ein Islam ohne gewaltbereite Islamisten entpuppt sich als Friedensreligion. Es sei denn, dass Baal und Allah ein- und derselbe Gott sind.

Warum will der Westen in Palmyra die Baal-Tempel so schnell wie möglich wiederaufbauen?

Wäre es nicht einfacher und kostengünstiger, die Palmyra-Anlage in einem amerikanischen Disneyland wiederauferstehen zu lassen? Entsprechende echte Sand- oder Plastiksteine werden sich in den Weiten der USA finden lassen. Der Tourist würde sein Eintrittsgeld im Westen lassen. Eine Reise zu einem US-Disneyland ist bedeutend sicherer als ein Flug nach Palmyra, wo sich die Syrer und deren russische Verbündete bereichern. Andrerseits versprüht eine Reise nach Syrien den Geruch von Abenteuer. Nach dem Besuch von Palmyras Disneyland darf der zahlungsfähige Tourist kriegsbereite Gasanlagen besichtigen und für ein kleines Entgelt echte Fassbomben auf zerschundene Städte abwerfen! Oder will der Westen sein Disneyland nur deshalb in Syrien aufbauen, um den Einfluss der Russen in Syrien zu schmälern?

Die dargebrachten Antworten befriedigen nicht. Es ist nicht Palmyra und nicht das syrische Erdöl, was den Westen erregt, sondern der Gedanke, einen Baal-Tempel im 21. Jahrhundert n.Z. zu errichten. Baal, dem Teufel und Widersacher des monotheistischen jüdischen Gottes, soll eine Gebetstätte in der vom IS befreiten Zone errichtet werden. Sehnen sich die Abendländer zurück zu ihren Wurzeln? Wollen sie endlich die lästigen und überholten, aus dem Orient importierten Moralvorstellungen des Monotheismus ablegen?

Wenn der Wiederaufbau gelingt, wird der Baal-Tempel in Palmyra viele Nachahmer finden. Dort werden sich ehemalige Atheisten, Christen, Muslime und auch Juden vereinigen, um die alt-neue Religion und den Weltfrieden zu feiern. Irgendwann wird es Baal nach Menschenblut gelüsten. Ab diesem Moment sind wir wieder im jetzt und hier angelangt.

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Kurz bevor David verhaftet wird

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