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01/12/2014 11:06 CET | Aktualisiert 31/01/2015 06:12 CET

Die letzte Generation von Kindern, die draußen spielte

Thinkstock

Neulich kam mir beim Frühstück ein beängstigender Gedanke: Wir gefährden zusehends die Zukunft der Innovation.

Lassen Sie mich das erklären.

Denken Sie an das iPad - das iPad wurde erfunden und hergestellt von Erwachsenen, die in ihrer Kindheit draußen gespielt haben. Wenn Sie sich die heutige junge Generation ansehen, werden Sie feststellen, dass die meisten Kinder nur noch drinnen hocken und... ihr iPad anstarren.

Es mag seltsam klingen, doch das iPad könnte dazu führen, dass zukünftige „iPads" nicht mehr erdacht, erfunden und hergestellt werden.

Als wir zum ersten Mal ein iPad in den Händen hielten, wussten wir, dass es ein beeindruckendes Stück Technologie und Kunst war. Um es herzustellen, musste ein Team genialer Menschen einige kritische technische Probleme lösen, unzählige neue Bestandteile entwickeln und sich immer wieder dazu aufraffen, nicht aufzugeben.

Ich erinnere mich an die Geschichte eines Apple-Vorsitzenden, der von dem Tag erzählte, als sein Team alle notwendigen Teile für das neue iPad erhielt und dann herausfinden sollte, wie sie in die kleinstmögliche Hülle passen sollten. Es sollte klein, leicht und schick sein. Wie haben sie das angestellt?

Und nicht nur das; wie sind sie überhaupt auf die Idee gekommen, so etwas wie ein iPad zu erfinden?

Dann erinnerte ich mich an meine Kindheit in der kleinen Stadt West Linn, Oregon. Ich verbrachte viele Tage damit, im Garten herumzulaufen und mit Wasserschläuchen und Sprinkleranlagen coole Wasser-Shows zu veranstalteten. Ich erinnerte mich daran, wie ich Festungen aus Abdeckplanen und Holz baute. Ich erinnerte mich sogar daran, wie ich winzige Ameisenhäuser mit Mauern, Rampen und Möbeln aus kleinen Ästen gebaut hatte.

Ich dachte daran zurück, wie ich am Morgen nachdem wir Bohnen oder Erbsen gepflanzt hatten, in den Garten hinausrannte, um zu sehen, ob sie über Nacht auf magische Weise aufgekeimt waren, oder wie ich auf dicken Grashalmen Pfeifkonzerte veranstaltete. Ich erinnerte mich daran, wie ich mir einige Stücke Holz, einen Hammer und Nägel geschnappt hatte und versucht hatte, ein Vogelhaus zu bauen.

Ich erinnerte mich daran, wie ich ein winziges Ahornblatt aus der Erde herausragen sah - und bemerkte, dass es dort erdrückt wurde. Ich erinnerte mich daran, wie ich es ausgegraben und an einer besseren Stelle im Garten wieder eingepflanzt hatte. Ich hegte und pflegte es, bis ich von Zuhause ausgezogen war, und konnte dabei zusehen, wie es von einem einzigen Blatt in einen wunderschönen, ausgewachsenen, neun Meter hohen Baum wuchs, der unserem Haus Schatten spendete.

Dann waren da die Wintermonate, als es zu kalt war, um nach draußen zu gehen und man etliche Stunden damit verbrachte, sich völlig neue Welten, Regierungen und Wirtschaftssysteme aus Lego-Steinen und Monopoly-Geld auszudenken. Ich mochte keine Brettspiele - ich wollte nur einen Eimer mit Lego-Steinen, um das zu bauen, was mein kleiner Kopf sich auszumalen vermochte.

Wenn Sie über 20 oder 30 Jahre alt sind, haben Sie sicherlich ähnliche Abenteuer im Freien erlebt - Sie mussten sich verschiedenen Herausforderungen stellen und über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Sie erinnern sich vermutlich noch daran, wie Sie mit ein paar scheinbar langweiligen Gegenständen sehr viel Spaß haben konnten.

Sie waren nicht abhängig von der Kreativität und dem Einfallsreichtum anderer Leute. Sie waren in der Lage, sich eigene Träume zu erschaffen

Sie brauchten niemanden, der Sie unterhalten musste oder etwas für sie anfertigen musste, womit Sie spielen konnten. Ein paar Tannenzapfen und Stöcke haben genügt.

Ich glaube, dass die frühere Generation der Apple-Schöpfer beim Erfinden ihres nächstes Produktes unbewusst an ihre eigenen „Garten-Erfahrungen" angeknüpft haben.

Sie wussten, wie Sie an Herausforderungen herangehen mussten, denn sie hatten sich solchen früher schon gestellt. Sie wussten, wie Sie sich stets neue Wege ausdenken konnten, denn das hatten sie seit ihrer Kindheit getan.

Zitat Edith Widder: "Forschung ist der Motor, der Innovation antreibt. Innovation treibt Wirtschaftswachstum an. Also lasst uns alle erforschen."

Das bringt mich zu der folgenden alarmierenden Tatsache: Wenn wir zulassen, dass sich die jetzige Generation damit zufrieden gibt, ihr Denken auf eine 24,6 Zentimeter große Box zu beschränken, berauben wir sie ihrer Neugier und Kreativität, die nötig waren, um den Gegenstand, den sie in den Händen halten, herzustellen.

Wenn wir zu einfache Unterhaltungsmöglichkeiten nicht von unseren Kindern fern halten, werden sie nie lernen, sich ihre eigenen zu erschaffen.

Ich weiß nicht, welche Lösung für Ihre Familie und Ihre Kinder in Frage kommt - aber wir sollten radikal sein. Wir sollten aufhören, zu sagen: „Aber es ist so viel einfacher, sie mit dem iPad zu beschäftigen." Oder: „Sie bekommen einen Wutanfall wenn sie nicht mit meinem iPhone spielen dürfen."

Sogar Steve Jobs, der Visionär hinter dem iPad, hat seinen Kinder nicht erlaubt, das iPad zu benutzen. Er trieb sie dazu an, draußen zu spielen, Bücher zu lesen und interessante Gespräche schätzen zu lernen.

Es ist an der Zeit, in uns hinein zu blicken. Verlieren wir unsere staunende Wahrnehmung, die wir als Kinder hatten? Treten unsere Kinder einfach in unsere Fußstapfen? Vergessen wir Erwachsene die Abenteuer aus unserer Kindheit? Lesen wir faul Twitter-Kommentare anstatt unseren Kindern die unendlichen Möglichkeiten der Neugier und Träume aufzuzeigen?

Wir haben die Möglichkeit, eine neue Generation von Kindern hervorzubringen, die Vorstellungskraft und den Willen zu Erforschen besitzt - die über den eigenen Tellerrand herausschauen und spannende Dinge erschaffen kann.

Wenn wir das nicht tun, werden diese kleinen Ahornblätter niemals umgepflanzt und gehen irgendwann ein. Die Ameisen werden keine Festung haben, in der sie spielen können. Die Bohnen und Erbsen werden keinen Freund haben, der jeden Tag nach ihnen sieht - und, was das wichtigste ist, die „iPads" der Zukunft (oder das, was als nächstes kommt) werden niemals hergestellt.

Lassen Sie uns also eine Generation von Kindern aufziehen, die Vogelhäuser baut und Wasser-Shows zusammenstellt. Eine Generation, die im Garten Bohnensamen, Ahornblätter oder was sich ihr Verstand sonst so ausdenkt, einpflanzt.

Ihre Zukunft hängt davon ab.

Zitat Edison: "Um ein Erfinder zu werden, braucht man viel Vorstellungskraft und einen großen Haufen Schrott."

Dieser Text erschein ursprünglich in der Huffington Post USA. Er wurde aus dem Englischen übersetzt.


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