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07/10/2015 13:44 CEST | Aktualisiert 07/10/2016 07:12 CEST

Wie wir die Armut der Welt bekämpfen und trotzdem nicht pleite gehen

ANDREAS SOLARO via Getty Images

Ich war schon als Kind ein kleiner Träumer. Seit dem „Met o We-Tag" 2007 in Toronto wollte die Welt verbessern und die Armut bekämpfen. Mit zwölf Jahren hatte ich noch das Gefühl, dass meine Ziele erreichbar sind. Das blieb auch eine ganze Weile so - wie das mit Träumen nun mal so ist - bis mein Traum, die Welt zu verändern, sich zu einem unerreichbaren Ideal entwickelte.

„Die Armut zu bekämpfen" erschien mit einem Mal so fremd; diese Idee, die immer unmöglicher erschien, frustrierte mich zusehends. Und so begann ich irgendwann, mich davon zu distanzieren. Diese pessimistische Einstellung sollte sich schlagartig ändern, als ich das Social Business Konzept von Muhammad Yunus kennen lernte, ein Geschäftsmodell, das soziale Zielsetzungen verfolgt und nicht profitorientiert ist.

Wirtschaftliche Werkzeuge

Ich war sofort fasziniert davon, die Armut der Welt mit Hilfe wirtschaftlicher Werkzeuge anzugehen, denn in meiner Vorstellung hatten Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit bis jetzt kein dynamisches Duo bilden können. Aber nun sah ich endlich eine Möglichkeit, durch Social Business meine Vision von der Bekämpfung der Armut zu verwirklichen.

Ich halte es für sehr wichtig, dass die jetzige und kommende Generationen junger Menschen diese Vision als unser gemeinsames Ziel begreifen, denn genau diese jungen Menschen gestalten das Jetzt und die Zukunft. Inspiration und Faszination, so wie für mich damals mit zwölf Jahren, sind ein wunderbarer Antrieb dazu - sie benötigen aber ein funktionierendes Modell, in dem sie sich entfalten können. Und dieses sollte langfristig und nachhaltig ausgerichtet sein.

Mikrokredit-Bank

Ein gutes Beispiel dafür ist die Grameen Bank, eine Mikrokredit-Bank, die gegründet wurde, um den ärmsten Menschen in Bangladesch ohne Bonitätsprüfung Kredite zur Verfügung zu stellen.

Ihr Gründer Muhammad Yunus war und ist der Überzeugung, dass der erste Schritt auf dem Weg zur Bekämpfung der Armut nicht Almosen sind, sondern die Bereitstellung finanzieller Unterstützung, die es Millionen von Menschen erlaubt, etwas Eigenes aufzubauen und dadurch letztendlich eine Veränderung in der Welt zu bewirken. Heute ist Yunus Gründer einer Bank mit 8,3 Milliarden Kreditnehmern, von denen 97% weiblich sind (Stand 2011).

Für Jungunternehmer kann Yunus' Modell eine inspirierende Vision sein. Allerdings müssen wir bedenken, dass ein gutes Modell durchaus eine sinnvolle Ausgangsbasis bietet, wir aber mit entsprechenden Maßnahmen dafür sorgen müssen, dass dieses Modell zukunftsfähig bleibt. Anstatt gleich die Welt verändern zu wollen, sollten wir damit anfangen, uns um lokale Themen zu kümmern - um uns dann langsam vorzutasten.

Zukunftsfähige Modelle

Armut gibt es überall, nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in finanziell aufstrebenden Städten gleich ums Eck. Zukunftsfähige Modelle für lokale Probleme zu entwickeln bietet Jungunternehmern eine realistische und lehrreiche Erfahrung. Geschäftsmodelle werden durch Erfahrung perfektioniert und lokal zu starten bietet jungen Leuten die Möglichkeit, ihr eigenes Social Business in gewohnter Umgebung zu schaffen. Wenn das erst einmal vollbracht ist haben sie alle Voraussetzungen, um weltweit expandieren zu können und größere Probleme ins Visier zu nehmen.

Nehmen wir meinen Heimatort Montreal in Kanada als Beispiel: MyVision Global ist eine Organisation, die Social Entrepreneurs mit regionalen Niederlassungen weltweit fördert. Die regionale Niederlassung MyVision Mc Gill konzentriert sich auf Social Businesses innerhalb von Montreal und hatte dazu umfangreiche Untersuchungen durchgeführt. Sie fanden heraus, dass eines der bedeutendsten sozialen Probleme die Durchfallquote an der Montreal High School war.

Social Business-Projekt

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, gründeten sie das Social Business-Projekt „Learning is for Everyone" (LIFE). LIFE ist ein Geschäftsmodell in Zusammenarbeit mit der McGill Universität, die McGill Studenten private Nachhilfe anbietet. Im Austausch für jede Stunde Nachhilfe bekommen abgangsgefährdete Schüler der Highschool zwei Stunden akademisch oritentiertes Mentoring durch die Studenten.

Auch wenn solche Projekte im Vergleich zu großangelegten globalen Social Businesses wie der Grameen Bank vielleicht weniger wichtig erscheinen, fördert LIFE Nachwuchskräfte, animiert sie zum Nach- und Umdenken und bietet die Möglichkeit, Wandel auf lokaler Ebene anzuregen. Als Studentin, die vor zwei Jahren in das Konzept „Social Business" eingeführt wurde bin ich froh, dass es hier ein solches Projekt gibt.

Auch wenn mich Social Businesses auf der ganzen Welt inspirieren und berühren, bin ich dankbar, das Potenzial und die direkten Auswirkungen eines Social Business hier live vor Ort zu erleben. Wenn jede Region in der Welt mit Social Businesses ihre jeweiligen sozialen Themen angeht, dann kann aus vielen kleinen Bewegungen eine große werden.

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Studenten und junge Social Business Entrepreneure (bis 30 Jahre) zu stärken, mit Ihnen in den Dialog zu treten und ihnen Wissen zu vermitteln, ist eines der Ziele des Global Social Business Summits, der dieses Jahr im ehemaligen Flughafen Berlin Tempelhof vom 4. bis zum 7. November seine Tore öffnet. Nach dem Summit 2012 in Wien wurde MyVision von Yashvi Shah und Joanna Klimczak gegründet. Natalie Wong ist nun seit Februar 2014 Mitglied von MyVision.

LeserInnen der Huffington Post bekommen mit dem Promocode (tUdQ9biD) auf die Tickets für den Global Social Business Summit einen extra Discount von 10%.

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