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02/09/2017 07:44 CEST | Aktualisiert 02/09/2017 11:25 CEST

Wie uns die Autoindustrie schon wieder reinlegt

gilaxia via Getty Images

Der Diesel-Skandal macht es möglich. Man streitet wieder über heiße Luft. Die gesundheitlichen Schäden durch Abgase sind für die einen nämlich genau das, heiße Luft, und für die anderen verantwortlich für viele tausend Tote jedes Jahr.

AfD und FDP fordern nun höhere Schadstoffgrenzen nachdem man festgestellt hat, dass die Schadstoffgrenzen in Abgasen von der Autoindustrie nicht eingehalten wurden. Was genau bedeutet der Vorschlag?

Unabhängige Wissenschaftler bestimmen in Kommissionen der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Forschungsgemeinschaft Grenzwerte, also Mengen an Schadstoffen, die beim Einatmen nicht überschritten werden dürfen.

Die Politik macht diese Grenzwerte dann zu gesetzlichen Auflagen, denn die Politiker vertrauen den wissenschaftlichen Experten.

Die Autoindustrie erklärt, die Grenzwerte selbstverständlich einhalten zu werden, um Mensch und Natur zu schützen.

Die staatlichen Behörden überprüfen die Grenzwerte und stellen fest, dass die Messungen bei den Autos zwar stimmen, aber die Schadstoffe in der Umwelt trotzdem zunehmen.

Irgendwann kommt heraus, dass die Autoindustrie die Messungen an den Autos durch Software manipuliert hatte, so dass zu niedrige Werte gemessen wurden mit denen man die Grenzwerte einhielt.

Der Aufschrei über den Betrug ist groß.

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In dieser Situation kommen AfD und FDP und sagen plötzlich: "Leute, das ist alles nicht so schlimm. Die Grenzwerte stimmten nie, eigentlich müssen sie viel höher sein. Wir haben gar kein Problem"

Als Beweis für ihre Behauptung bringen sie das Argument, dass die Grenzwerte an Industriearbeitsplätzen 23 mal so hoch sind wie die Grenzwerte an der Außenluft.

Sie verschweigen, dass die Grenzwerte an der Außenluft deshalb niedriger sind, weil sich dort auch Babys, Kleinkinder, Alte und Kranke aufhalten, deren Atemwege viel empfindlicher sind.

Sie verschweigen, dass die Grenzwerte an Industriearbeitsplätzen deswegen höher sind als draußen, weil man sich dort nur zeitweilig aufhält und die Luft nicht dauerhaft einatmet. Anders bei der Außenluft die 24 Stunden am Tag die Grundbasis der von uns eingeatmeten Luft bildet, spätestens dann, wenn sie in geschlossene Räume eindringt. Deswegen müssen die Grenzwerte für die Außenluft immer niedriger sein als die Grenzwerte für geschlossene Räume, insbesondere Industriearbeitsplätze. Das hat nichts mit Willkür oder Fehlern zu tun, wie AfD und FDP behaupten, sondern mit gesundem Menschenverstand.

Mehr zum Thema: Eine Koalition der Tatenlosigkeit: Im Dieselskandal kuschen Merkel und Schulz vor der Wirtschaft

Auch stimmt es nicht, wie die FDP behauptet, dass die Grenzwerte willkürlich von der Politik festgelegt wurden und man jetzt endlich mal Experten darüber entscheiden lassen sollte.

Zwar weisen AfD und FDP auf Studien hin, die beweisen sollen, dass die Schadstoffe erst ab sehr viel höheren Werten als den festgelegten Grenzwerten schädlich sein sollen, aber diese Studien haben ein Probem.

Diese Studien kommen vom Health Effects Institute, einem Institut, das seit 1980 hunderte von Studien zu den Gesundheitseffekten der Luftverschmutzung durchgeführt hat. Das amerikanische Umweltamt vertraut diesen Studien und finanziert diese mit. Die Studien finden Eingang in die Bewertung von Schadstoffen von wissenschaftlichen Expertengremien, auch der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die Experten in diesen Gremien nehmen die Studien des Health Effects Institutes und anderer Institute und Universitäten und leiten dann daraus ihre Empfehlungen für die Politik ab, die daraus dann ihre Gesetze macht.

Da trifft es sich gut, dass das Health Effects Institute zur Hälfte von der weltweiten Autoindustrie finanziert wird. Die Autoindustrie finanziert also gemeinsam mit dem amerikanischen Umweltamt die Studien, die jetzt von AfD und FDP herangeführt werden, um zu belegen, dass die Grenzwerte für Autos eigentlich immer schon zu niedrig waren und man die Grenzwerte eigentlich erhöhen müsste.

Hier ist die Liste der industriellen Sponsoren dieses "unabhängigen" Forschungsinstituts:

BMW of North America, LLC

Caterpillar, Inc.

Chrysler, LLC

Cummins Engine Company

Daimler AG

Detroit Diesel Corporation

Ford Motor Company

General Motors Corporation

Hino Motors, Ltd.

American Honda Motor Company, Inc.

Hyundai America Technical Center, Inc.

Isuzu Motors, Ltd.

Jaguar Land Rover North America, LLC

KIA Motors America, Inc.

Mazda Motor Corporation

Mitsubishi Motors Corporation

Navistar

Nissan Motor Company, Ltd.

Subaru Research and Development, Inc.

Toyota Motor Corporation

Volkswagen of America, Inc.

Volvo Cars of North America, LLC

Volvo Powertrain North America

Exxon Mobil

Die FDP hat übrigens hohe Spenden von der Autoindustrie in diesem Bundestagswahlkampf erhalten, die AfD verschleiert finanzielle Unterstützung aus der Schweiz.

Wahrscheinlich müssten die Grenzwerte also nicht höher, sondern in Wirklichkeit noch niedriger liegen und die Weltgesundheitsorganisation denkt tatsächlich über eine Halbierung nach.

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